Polizei geht zurückhaltender vor Feier-Hotspots in München: Kommt nun ein Alkoholverbot?

Großer Andrang im Englischen Garten: Auch am vergangenen Wochenende strömen wieder Tausende in den Park, um sich zu erholen, zu spielen und andere zu treffen. Foto: Philipp Hartmann

Nach der heftigen Kritik an der Polizei, die im Englischen Garten Besucher aussortiert hat, schaltet sie einen Gang runter. Derweil regt der Städtetag Verbote und Einschränkungen von Bier und Co. an Feier-Hotspots an.

 

München - Die einen wollen feiern und sich draußen im öffentlichen Raum mit anderen treffen – die anderen klagen über Lärm und Müllberge. Es ist ein Dauerthema. Dazwischen steht die Polizei, die seit März die Einhaltung der Corona-Regeln kontrolliert und aktuell verhindern will, dass die Stimmung beim "Partyvolk" kippt und es auch in München zu Ausschreitungen wie in Stuttgart oder Frankfurt kommt.

Vorige Woche hatten es Münchner Polizeibeamte übertrieben: An der Paradies- und Himmelreichstraße riegelten Beamte schon nachmittags die Zugänge zum Englischen Garten ab. Sie wollten vorwiegend von jungen Männern die Ausweise sehen, kontrollierten Taschen und notierten sich Namen. Dutzende Besucher kassierten Platzverweise – obwohl sie keinen Alkohol dabei und nichts angestellt hatten. Bei Zuwiderhandlung gegen den Platzverweis wurde mit Gefängnis gedroht.

Markus Pannermayr (CSU) bittet die Polizei "besonnen" vorzugehen

Nach heftiger Kritik ist die Polizei inzwischen zurückgerudert. Am vergangenen Wochenende ging sie im Englischen Garten wesentlich zurückhaltender vor – obwohl Tausende in den Park strömten und viele Alkohol mitbrachten. Trotzdem blieb alles friedlich. Doch die Probleme bleiben: Wenn größere Gruppen aufeinandertreffen und viel Alkohol fließt, drohen Konflikte. Am Gärtnerplatz musste die Polizei erneut einschreiten, weil 1.500 Menschen dort nachts feierten und Krach machten.

Der Präsident des Bayerischen Städtetags, Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr (CSU), sagte am Sonntag zur AZ, für ihn sei ein nächtliches Alkoholverbot an sogenannten Brennpunkten "ein erwägenswerter Ansatz". Und weiter: "An Brennpunkten, an denen Sicherheit und Ordnung tatsächlich regelmäßig beeinträchtigt sind, braucht es wirksame Rechtsgrundlagen, um auch einschreiten zu können."

Er appelliert an die Polizei, "konsequent, aber auch besonnen" vorzugehen. "Verhältnismäßigkeit ist ein sehr wichtiges Stichwort", hatte er zuvor in einem Interview mit dem BR betont. Der Politiker fordert zudem mehr Rücksichtnahme. "Auch das Recht der Anwohner auf Nachtruhe ist zu respektieren. In einer Stadt gelingt das Zusammenleben, wenn man die richtige Balance findet."

Englischer Garten so intensiv genutzt wie nie zuvor

Ruhestörung ist im Englischen Garten nicht das Hauptproblem. Eher, dass es zu Konflikten zwischen größeren Gruppen kommt. Am vergangenen Wochenende gehen AZ-Reporter auf Streifzug. Auffallend: Zwar ist die Polizei nach wie vor mit vielen Einsatzkräften und sichtbar vor Ort, doch die Beamten greifen in der Regel nur dann ein, wenn es zu Auseinandersetzungen oder mutmaßlichen Straftaten kam – oder wenn Jugendliche offensichtlich Hochprozentiges dabei haben.

Statt 90 Platzverweisen wie am Mittwoch gibt es am Samstag nicht einmal zehn. "Gravierende Vorfälle gab es nicht", bestätigt ein Polizeisprecher. Die Karl-Theodor-Wiese am Monopteros: Am Samstag hätte sie die Vorlage für ein Wimmelbild des Kinderbuch-Zeichners Ali Mitgutsch sein können: Eltern picknicken mit ihren Kindern, Münchner sonnten sich am Eisbach, andere spielen Federball oder treffen sich einfach nur mit Freunden. In den vergangenen Monaten wurde der Englische Garten bei schönem Wetter so intensiv genutzt wie wohl nie zuvor.

Polizei-Kontrollen im Englischen Garten

Je später die Stunde, umso mehr junge Leute in Partylaune rücken an. Viele schleppen Bierkästen mit, die Polizei lässt sie gewähren. Ein paar Tage zuvor hatte sie noch ganz anders gehandelt: Da reichte es noch, nur den Anschein zu erwecken, in "Partystimmung" zu sein, um ein Zutrittsverbot zu kassieren.

Nur, wenn Besucher offensichtlich mit Hochprozentigem anrücken, drückt die Polizei kein Auge mehr zu: Alex (18), Jakob (17) und Korbi (16) werden am Eingang von der Paradiesstraße von der Polizei aufgehalten. Alex muss seine Wodka-Flasche entsorgen. "Kein starker Alkohol am Eisbach", mahnen die Beamten. Wenig später wird noch eine Gruppe kontrolliert: Die Polizisten hatten sie schon länger beobachtet. Jetzt nehmen sie die Personalien der Jugendlichen auf. Auch hier wird der hochprozentige Alkohol entsorgt. Es gehören auch Minderjährige zu der Gruppe.

Ein paar Meter weiter berichtet Stephane von seinen Erfahrungen mit der Polizei, er ist schwarz. "Wir werden hier so oft kontrolliert, das ist wirklich erniedrigend", sagt er zur AZ. Er empfindet das als Schikane: "Die halten uns für Dealer, obwohl wir uns hier einfach nur zum Trinken treffen. Das ist doch nicht illegal!" In den letzten Tagen wurde die Polizei-Präsenz jedoch zurückgefahren, ist sein Eindruck.

Friedlicher Abend im Englischen Garten

Auf der Wiese tauchen vier Polizisten ab. Ein Fußball rollt einem der Beamten vor die Füße, der spielt ihn zu seinem Besitzer zurück. Ansonsten hält sich die Polizei an diesem Abend eher zurück. Die meisten stehen bei ihren Autos, behalten die Situation von dort aus im Blick. Pavel aus Polen vermittelt die Polizeipräsenz Sicherheit: Er macht mit seiner Frau, dem gemeinsamen Baby und einer Freundin einen Abendspaziergang: "Wenn mein Kind hier später einmal hinkommt, bin ich froh, dass hier jemand ist, der aufpasst. In Deutschland tun sie wirklich was für unsere Sicherheit", sagt er.

Am späten Abend wird es auf der Wiese auf einmal laut: Eine große Menschentraube bildet sich. Es wird gejohlt. Für einen Moment scheint es, als wäre es zu einer Schlägerei gekommen. Beim näheren Hinsehen stellt sich heraus: In der Mitte findet nur ein Tanzwettbewerb statt. Alles bleibt friedlich. Die Polizei muss nicht einschreiten.

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