Politik Skandal an Odenwaldschule: So wurde die Würde verletzt

Die Schriftstellerin Amelie Fried war an der Odenwaldschule - und erlebte dort "Grenzverletzungen" durch Lehrer Foto: abendzeitung

Die Schriftstellerin Amelie Fried war an dem Elite-Internat in Hessen – und erlebte "Grenzverletzungen". Kollege Bodo Kirchhoff wurde an einem evangelischen Internat missbraucht

 

FRANKFURT Jetzt steigt alles wieder in ihr hoch: „Die Scham und das Gefühl, in meiner persönlichen Würde verletzt worden zu sein.“ Das sagt Schriftstellerin Amelie Fried (51), die am Wochenende enthüllte, dass sie Anfang der 70er Jahre als Schülerin an der hessischen Odenwaldschule "Grenzverletzungen" durch Lehrer erlebte, wie sie der AZ bestätigte.33 andere Ex-Schüler des Eliteinternates hatten angegeben, sie seien missbraucht worden

In einem Gastbeitrag für die FAZ schreibt Fried, wie sich ihr so genannter „Familienvater“ (Lehrer und Schüler lebten in dem Internat in „Familienverbänden“) in den Mädchen-Duschraum gedrängt habe und zu Strip-Poker-Runden in seiner Wohnung genötigt hat.

Sie erinnert sich, „wie er mich höhnisch als ’verklemmte schwäbische Spießerin’ bezeichnete, als ich sagte, dazu hätte ich keine Lust. Wie ich mich diesem Druck schließlich beugte, mich furchtbar schämte und die Erinnerung daran für Jahrzehnte verdrängte.“

Auch sie habe mitgemacht. „Was hätte ich sonst tun sollen. Kein Jugendlicher möchte als verklemmt oder spießig gelten, nichts in dieser Zeit ist schlimmer, als ... zur Zielscheibe des Spotts zu werden. Also macht man mit und schiebt den Gedanken daran weg“, schreibt Fried.

Ihren damaligen Schulleiter, Gerold Becker (73) fordert die Schriftstellerin auf: „Entschuldige dich und bitte deine Opfer um Verzeihung!“ Kritisiert werden von Fried auch die Erzieher von damals, die ihr Verhalten jetzt teilweise in „schmierigen Pamphleten“ verteidigen und die Ursache für den Missbrauch bei den Schülern suchten, die als Nestbeschmutzer dargestellt werden: „Aus den Opfern sollen Täter gemacht werden.“

Auch Schriftsteller Bodo Kirchhoff (61) wurde als 12-jähriger Schüler im evangelischen Internat Gaienhofen am Bodensee von einem Religionslehrer wiederholt missbraucht, schreibt der Autor im „Spiegel“. Ihm seien „Doktorspiele, Ferkeleien, unausgegorener Sex widerfahren. mh

 

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