Politik Der Krimi an der Themse

Premier Gordon Brown und seine Frau Sarah am Bahnhof St Pancras in London. Foto: AP

LONDON - Am 6.Mai stellt sich Großbritanniens Premier Gordon Brown erstmals dem Votum der Wähler. Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Duell mit dem konservativen Herausforderer Cameron voraus

 

Kippt die letzte sozialdemokratische Regierung in einem großen mitteleuropäischen Land? Jetzt steht fest: Am 6.Mai sind Neuwahlen in Großbritannien. Und da sieht es nach 13 Jahren Herrschaft nicht gut aus für Labour.

Begleitet von einem Mega-Medienrummel ließ sich Premier Gordon Brown am Dienstag im Jaguar zu Queen Elizabeth II. kutschieren, um das Staatsoberhaupt im Buckingham Palace um die Auflösung des Parlaments zu bitten. Kurz darauf verkündete er vor seinem Amtssitz in Downing Street Nummer Zehn den Termin und gab damit den Startschuss für den Wahlkampf.

Herausforderer Cameron: “Wer konservativ wähle, entscheide sich „für Hoffnung, Optimismus, Wandel“

Dynamischer als der 59-jährige Schotte Brown, der neben seinen Ministern und Ehefrau Sarah dröge und steif wirkte, gab sich sein Herausforderer David Cameron (43). Schon im Morgengrauen joggte der milchgesichtig-adrette Chef der konservativen Tories mediengerecht durch London. Später stellte er sich in „Speaker’s Corner“-Manier vor die Big-Ben-Kulisse und rief: „Ihr müsst nicht fünf weitere Jahre Gordon Brown ertragen. “Wer konservativ wähle, entscheide sich „für Hoffnung, Optimismus, Wandel“.

„Wir haben die unvorhersehbarste, dramatischste und aufregendste Wahl seit Jahren vor uns“, analysierte der Chef-Korrespondent der BBC, Nick Robinson. Im Zentrum des Wahlkampfs steht die Wirtschaftskrise, die die Briten besonders hart getroffen hat – das Haushaltsdefizit ist fast so groß wie das Griechenlands.

Die Labour-Ära könnte jetzt zu Ende gehen

Browns sozialdemokratische Labour-Partei ist seit 13 Jahren an der Macht. Damals war Tony Blair der strahlende Sieger in „Cool Britannia“. Doch sein Glanz verblasste – auch durch den Irak-Krieg, in dem in die britische Presse als Bushs Pudel zeichnete. 2007 löste Brown seinen alten Gefährten ab. Einer Wahl musste er sich bisher nicht stellen, den Termin kann der Premier innerhalb der Amtszeit von fünf Jahren selbst festlegen.

Doch unter Brown rutschte Labour noch tiefer und bescherte den Tories lange einen meilenweiten Vorsprung in Umfragen. Zuletzt konnte die Partei überraschend aufholen. Dazu kommt, dass dem reichen Banker-Sprössling Cameron mit seiner Ausbildung in der Eliteschule Eton und dem Studium in Oxford das Image des feinen Pinkels anheftet.

Nach Umfragen haben derzeit weder Labour noch die Tories eine absolute Mehrheit, was auf eine für Großbritannien ungewöhnliche Koalition hindeutet. Ein Bündnis aus mehreren Parteien hat es dort seit 1974 nicht mehr gegeben. Zünglein an der Waage könnten deshalb die Liberaldemokraten sein. Um den Wählern die Entscheidung zu erleichtern, gibt es heuer TV-Duelle mit den Spitzenkandidaten der drei großen Parteien – ein Novum auf der Insel.

jox

 

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