Playmobil-Lkw Montis Tod mit Spielzeuglaster nachgespielt

Der Playmobil-Lkw dient der Beweisführung im Prozess um Monti Lüftners Unfalltod. Foto: T. Huber

Prozess um den Tod von Monti Lüftner: Vor Gericht spielen sie seinen Tod nach

 

München Im Münchner Amtsgerichtssaal 22 zieht der Gutachter Jürgen Kardelke (41) plötzlich einen kleinen, orange-grauen Spielzeuglaster aus der Tasche. Er scherzt: „Das darf mein Sohn nicht wissen – ich habe seinen Laster heimlich mitgenommen.“ Mit dem Playmobil-Auto geht Kardelke zum Richtertisch.

Dort spielen sie damit dann den Unfalltod des Musikmanagers Monti Lüftner (†77) nach. Es geht um die Kernfrage: Hätte der Angeklagte Dimitri B. (57, Name geändert) Lüftner sehen können, ehe er ihn überfuhr? Passiert war das Drama am 7. Mai 2009: Der Laster, den Dimitri B. lenkte, überrollte Lüftner damals auf dem Recyclinggelände in Garching.

Lüftner war auf der Stelle tot. Verteidiger Manfred Plautz sagt vor Gericht: „Mein Mandant hat wegen des Unfalls ein schweres Trauma. Er musste deshalb nicht vor Gericht erscheinen.“ Plautz weiter: „Mein Mandant konnte Herrn Lüftner nicht sehen, weil der im toten Winkel stand.“

Gutachter Kardalke ist derselben Meinung und simuliert mit dem Spielzeug die Unfallsituation: „Lüftner ging links am Fahrzeug vorbei, als es noch stand. Als der Fahrer den Motor gestartet hat und losfährt, muss sich Herr Lüftner so dicht vor dem Fahrzeug befunden haben, dass ihn der Fahrer nicht sehen konnte.“

Gutachter-Kollege Josef Strouhal ist anderer Meinung: „Wenn ein Kraftfahrer nach fünf Minuten Pause den Motor startet, muss er vor der Anfahrt prüfen, ob sich Personen in der Nähe seines Fahrzeugs aufhalten. Notfalls muss er von seinem Sitz aufstehen, damit er alles einsehen kann.“

Verteidiger Plautz, der einen Freispruch erkämpfen wollte, akzeptierte dann die Einstellung des Verfahrens gegen eine Zahlung von 600 Euro an eine Schule für schwerbehinderte Kinder: „Mein Mandant möchte ein Schlussstrich ziehen. Ihn hat das alles sehr belastet.“

 

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