Pizzeria-Mord Prozess: „So eine Liebe gibt es nur im Film“

Ein glückliches Paar: Stojan V. mit der getöteten Diana K. Foto: ho, privat

Im Prozess um den Pizzeria-Mord sagt der Freund des Opfers aus. Er wird vom Angeklagten beschuldigt, selbst zugestochen zu haben.

 

München - Wie er sich fühlt, will der Vorsitzende Richter Michael Höhne gleich zu Beginn von Stojan V. (45) wissen. „Ruhig“ sagt der Kraftfahrer. In sich zusammengesunken sitzt er im Verhandlungssaal. Fast ist es so, als könnte man die Last sehen, die auf seinen Schultern lastet.

Seine Lebensgefährtin Diana K. (28) ist getötet worden. Laut Staatsanwaltschaft von ihrem Ex-Schwager Angel R. (39). Und nun beschuldigt dieser Angeklagte Stojan V. auch noch, seine Liebste selbst erstochen zu haben – zwar aus Versehen, aber trotzdem. Es ist Tag drei im Prozess gegen Angel R., den Mann, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, seine Ex-Schwägerin erstochen zu haben, weil sie seiner Meinung nach seine Ehe ruiniert hat (AZ berichtete).

Angeklagter rastet vor Gericht aus

Zwei unterschiedliche Männer treffen an diesem Tag im Saal 175 des Landgerichts aufeinander. Angel R., ein grobschlächtiger Typ, um den bulligen Körper ein zu enges Shirt, um den Hals einen Rosenkranz. Am Vortag hatte er die Geduld des Gerichts arg überspannt mit Zwischenrufen und Ausrastern. Heute hält er sich zurück, nicht zuletzt, weil der Vorsitzende ihm zu Beginn der Verhandlung damit droht, ihn aus dem Saal zu werfen.

Im Zeugenstand: Stojan V., leicht ergraut und schmäler, der so wirkt, wie er sich selbst beschreibt: ruhig – aber auch tieftraurig. „Ich habe den liebsten Menschen in meinem Leben verloren“, sagt er.

Drei Jahre alt ist ihr gemeinsamer Sohn. „Ich versuche, nicht vor ihm zu weinen.“ Denn für den Buben sei der Verlust der Mutter ungleich schlimmer.

Am Tatabend im September 2015 war V. mit seiner Partnerin Diana K. in der Pizzeria gewesen, in der ihre Schwester Snezhana K. (26) gearbeitet hat. Als sie das Lokal verließen, sei Angel R., Snezhagas Ex, auf der anderen Straßenseite gewesen, habe sie zu sich hergewunken, berichtet Stojan V.

„Was machst du da, du hast doch ein Kontaktverbot“, habe Diana zu Angel K. gesagt. Angel K. habe Diana ins Gesicht geschlagen, Stojan V. habe ihn dann weggestoßen.

„Dich weide ich aus.“

Diana habe noch einen Schritt auf ihren Ex-Schwager zu gemacht, doch der hatte da bereits mit einem Messer zugestoßen. Dass Diana noch ihren linken Arm schützend nach oben hob, nützte nichts mehr. Zu ihm habe Angel R. gesagt: „Dich weide ich aus.“ Dann sei er geflohen. Stojan V. sagt aus, er sei mit Diana auf die andere Straßenseite gegangen, sie hätten sich auf den Gehweg gesetzt. „Ich habe gesehen, dass die Brust aufgeschnitten war, aber da war kein Blut.“

Diana K. muss so unter Schock gewesen sein, dass sie nichts merkte: „Der hat mir nichts getan“, soll sie noch zu Stojan V. gesagt haben: „Das waren die letzten Worte in ihrem Leben.“ Der Vorsitzende Richter konfrontiert V. mit Angel R.s Aussage, er habe ein Gerangel zwischen den beiden Männern gegeben. V. habe deshalb aus Versehen seine Freundin erstochen. „Ich hatte kein Messer dabei“, sagt V. dazu lediglich. Angel R. beobachtet diese Erzählung von der Anklagebank aus. Er hat den Blick eines Menschen aufgesetzt, der sich anderen überlegen fühlt, den Kopf im Nacken, das Lächeln schief.

Währenddessen wird Stojan V. noch einmal darum gebeten, seine Beziehung zu Diana K. zu beschreiben: „Auf der Welt gibt es so eine Liebe nicht, nur in den Filmen.“ Der Prozess wird Montag fortgesetzt.

 

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