Pittsburgh Symphony Orchestra Neue Bruckner-CD von Manfred Honeck

Der Dirigent Manfred Honeck. Foto: Felix Broede

Manfred Honeck und das Pittsburgh Symphony Orchestra mit der Symphonie Nr. 9 von Anton Bruckner

 

In seinen Konzerten zeigt sich der Österreicher Manfred Honeck stets als heißblütiger Ausdrucksmusiker. Auch seine aktuelle CD-Einspielung der monumentalen Symphonie Nr. 9 d-moll von Anton Bruckner atmet die Unmittelbarkeit einer Konzertaufführung: Tatsächlich handelt es sich um einen Live-Mitschnitt aus der Heinz Hall zu Pittsburgh vom Februar 2018.

Doch bei Bruckner orientiert sich Honeck stärker am architektonischen Anspruch der Musik, als er dies bei anderen Komponisten tut. Wie ein Foto der halb zerfledderten Dirigierpartitur im Beiheft anschaulich nahelegt, hat Honeck den Bauplan des Werkes gründlich studiert. Die so gewonnene Übersicht über das Ganze kann somit spürbar als ein Korrektiv zur sonst oft eruptiven Emotionalität des Dirigenten wirken.

Honecks spontane Art teilt sich am ungefiltertsten noch im Scherzo mit, dessen geisterhafte Passagen hurtig und dessen maschinenartige Ballungen stürmisch genommen werden. Doch auch, wenn er in Sachen Bruckner ansonsten besonnener vorgeht, sich etwa mit Raffungen oder Verbreiterungen zurückhält, gibt Honeck sein Ausdrucksbedürfnis nicht auf.

Struktur und Ausdruck

Die einzelnen Phrasen sind von sprechender Bedeutsamkeit erfüllt. Oftmals, etwa in den zweiten Themen der Ecksätze, singen die Streicher so inbrünstig, dass man einen – natürlich religiösen – Text zu vernehmen meint. Mit der genauen Ausbalancierung von Strukturbewusstsein einerseits, Ausdruckswillen andererseits, bietet Honeck mehr Expressivität als einst Günter Wand oder Sergiu Celibidache, aber auch mehr an formaler Überschaubarkeit als Bernard Haitink oder Valery Gergiev in jüngerer Zeit. Am ehesten könnte er als ein Nachfahre von Carlo Maria Giulini verortet werden.

Nicht zuletzt ist diese Produktion aber auch eine Empfehlung für das Pittsburgh Symphony Orchestra. Es beeindruckt mit vollmundigen Tutti, in denen die einzelnen Register deutlich, doch in edler Abrundung erscheinen. In den mittlerweile elf Jahren, die Honeck dem amerikanischen Orchester mittlerweile vorsteht, hat er eine beachtliche Klangkultur erreicht: Der gelernte Bratscher, früher Mitglied der Wiener Philharmoniker, entlockt den Streichern vielfältige, teils kernige, teils seidige Abstufungen, die durch die Klangtechniker des audiophilen Labels „Reference Recordings“ exzellent eingefangen wurden.

Bruckner: Symphonie Nr. 9, Pittsburgh Symphony Orchestra (Reference Records)

 

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