Pinakothek der Moderne Das Beste von Rembrandt

Das schon zu Lebzeiten Rembrandts wertvolle „Hundertguldenblatt“ (Der predigende Christus), um 1648. Foto: Staatliche Graphische Sammlung München

Zum 350. Todestag Rembrandts zeigt die Graphische Sammlung Zeichnungen und Radierungen – mit einer nervigen Zutat

 

Visionen sind wirklich eine Herausforderung. Wenn mitten in einem Hungeranfall gleich ein halber Zoo vom Himmel fährt, stellt das selbst einen wackeren Heiligen vor Probleme. Schwein und Kamel sind unrein, darüber könnte man sich noch irgendwie hinwegsetzen. Aber ein Tiger? Und ein Einhorn? Der arme Petrus kann nur mehr den Kopf einziehen, so sehr erschrickt er vor dieser tierischen Erscheinung – und Rembrandt trifft genau dieses blanke Entsetzen, wenn er die Szene aus der Apostelgeschichte in rasanten, exakt gesetzten Federstrichen vorführt.

Die wilde Zeichnung gehört zum Erstaunlichsten unter den eh schon herausragenden Blättern, die jetzt in der Pinakothek der Moderne zu sehen sind. „Het Beste Van Rembrandt“ sollte es zum 350. Todestag sein. Damit hat man an der Graphischen Sammlung gerade noch die Kurve gekriegt, um im Jubiläumsjahr nicht ganz bloß dazustehen neben all den Häusern, die regelrechte Rembrandt-Festspiele veranstalten.

Exzessiv experimentiert

Und München kann einiges vorweisen, nachdem Kurfürst Carl Theodor üppige Konvolute aus Mannheim mitgebracht hatte. Allerdings sind die 400 „originalen“ Zeichnungen ordentlich geschrumpft wie so viele Rembrandt-Sammlungen.

Als „gesichert“ gelten nur mehr 15 Blätter, die der Maler als Vorlagen oder Fingerübungen auch nie signiert hat. Vielleicht werden es irgendwann wieder mehr, wer weiß das schon. Und schließlich sind da noch die famosen Radierungen, mit denen Rembrandt exzessiv experimentiert hat. Darunter die berühmten „Drei Bäume“ (1643), die seine Licht- und Schatten-Regie exemplarisch vermitteln, und eine Reihe winziger Selbstporträts, die man im Vitrinengang jetzt besser studieren kann, als etwa in der großen Rembrandt-Ausstellung in Amsterdam.

Mit weit aufgerissenen Augen schaut der Künstler da unter seinem Barett hervor, zwischendurch darf Ehefrau Saskia mit aufs Bild wie beim Doppelselfie. Dann gibt es aber genauso Repräsentatives, das einen selbstgewissen, dennoch vergrübelten, fast miesepetrigen Künstler vorführt. 1639, bei der Entstehung dieses Porträts an einer Brüstung, ist Rembrandt ein anerkannter, doch zunehmend schwieriger Mann, der es sich nur zu leicht mit anderen verscherzt.

Aus Lautsprechern dröhnt Bach

Es bleibt ihm ja nichts erspart. Im Jahr zuvor starb seine erste Tochter, und fast meint man, die geliebte Saskia hatte eine Ahnung von all dem, was kommen sollte. Um 1637 zeichnete er (vermutlich) sie im Bett, den Kopf aufgestützt mit sorgenvollem Blick. Das ist das eindringlichste der Münchner Blätter, die Kuratorin Susanne Wagini in eine stimmige, vielsagende Folge gebracht hat, auf die man sich gerne ausführlich einlassen würde. Nur gibt es einen kaum auszublendenden Störfaktor.

Aus Lautsprechern dröhnt Bach – in kleinen Fetzen. Der für seine Zeichnungen und Fotografien bekannte Künstler Peter Piller hat aus verschiedenen Kantaten Mini-Passagen mit dem Wort „Geduld“ geschnippelt und zu einer Klanginstallation gefügt.

Das hört sich an wie die Sendersuche am alten Radio oder eine Chorprobe mit einem supernervösen Dirigenten, der ständig abbricht. Der Geduldsfaden reißt schnell. Doch wozu braucht Rembrandt überhaupt ein Tuning? Und dazu noch ein so kontraproduktiv miserables?  

Grafische Sammlung in der Pinakothek der Moderne: „Im Blick. Het Beste van Rembrandt – Zeichnungen und Radierungen des Münchner Kabinetts / Peter Piller Geduld“, bis 13. Oktober, Di – So, 10 – 18 Uhr, Do bis 20 Uhr
 

 

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