Pilotprojekt wird vorbereitet MVG-Chef: Münchner U-Bahn bekommt Bahnsteigtüren!

, aktualisiert am 02.08.2019 - 17:53 Uhr
So sollen die Bahnsteigtüren an der Münchner U-Bahn in Zukunft aussehen. Foto: Visualisierung: SWM

Die Münchner U-Bahn bekommt Bahnsteigtüren! Das gab MVG-Chef Ingo Wortmann am Freitag bekannt. Ein erster Test soll am Olympiazentrum erfolgen.

 

München - In Kopenhagen, Madrid oder London sorgen Bahnsteigtüren bereits für mehr Sicherheit. Bald auch in München?

Bei einer Pressekonferenz am Freitag hat die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) erste Ergebnisse zu einer Machbarkeitsstudie bekanntgegeben, die die Stadtwerke München (SWM) in Auftrag gegeben hatten. Demnach ist die Nachrüstung von Bahnsteigtüren in der Münchner U-Bahn "grundsätzlich machbar", wie die MVG mitteilte. Beachtet worden seien unter anderem "technische, bauliche und genehmigungsrechtliche Aspekte".

Bahnsteigtüren: Test am Olympiazentrum

MVG-Chef Ingo Wortmann stellte klar, dass man in Zukunft mit Bahnsteigtüren plane: "Wir werden sukzessive die Münchner U-Bahnsteige mit Bahnsteigtüren ausstatten." Mittelfristig werde der Einbau zumindest an hoch frequentierten Stationen erfolgen, "um die Sicherheit weiter zu erhöhen und den Betrieb noch stabiler abwickeln zu können."

Die Baumaßnahmen werden jedoch viele Jahre andauern und in Kombination mit weiteren Ausbau- und Sanierungsmaßnahmen am ÖPNV-Netz erfolgen. Die möglichen Kosten werden der MVG zufolge "aus heutiger Sicht" auf einen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt.

Solche Bahnsteigtüren sind so hoch wie die Fahrzeuge, grenzen den Bahnsteig von den Gleisen ab und öffnen sich erst, wenn ein Zug im Bahnhof steht. Zudem soll ein neues digitales Steuerungs- und Leitsystem eine schnellere Taktung ermöglichen. 

Konkret hat die MVG am Freitag ein Pilotprojekt im U3-Bahnhof Olympiazentrum angekündigt. Dort solle eine von vier Bahnsteigkanten testweise mit verglasten, fahrzeughohen Türen ausgestattet – und das System "voraussichtlich ab 2023 unter realen Bedingungen erprobt" werden.

Weil das Gleis 3 des 47 Jahre alten U-Bahnhofs Olympiazentrum kaum genutzt wird, entsteht dort die Möglichkeit, die Bahnsteigtüren-Technik bis zu zwei Jahre lang "unter realen Bedingungen" zu testen, ehe weitere Bahnhöfe ausgestattet werden.

Auf Grundlage der in dem Pilotprojekt gewonnenen Erfahrungen solle zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden, "ob und in welchem Umgang weitere Bahnhöfe mit Bahnsteigtüren ausgerüstet werden". Ganz vorn auf der Liste: der U-Bahnhof Theresienwiese, der zu Oktoberfestzeiten besonders viele (und oft betrunkene) Menschen fassen muss. Außerdem Hauptbahnhof, Marienplatz und andere Innenstadt-Stationen.

"Bestehendes Zugsicherungssystem hat keine Zukunft"

Bis am Ende alle rund 100 Münchner U-Bahnhöfe (mit jeweils mehreren 120 Meter langen Bahnsteigkanten) Bahnsteigtüren haben, könne es "mehr als 20 Jahre" dauern. Allein das Pilotprojekt dürfte über eine Million Euro kosten, schätzt die MVG.

Möglich wird die Neuerung durch eine Digitalisierung des Zugsicherungssystems bis 2028. MVG-Chef Ingo Wortmann am Freitag dazu: "Das bestehende Zugsicherungssystem hat keine Zukunft mehr. Wir müssen es schon aus Altersgründen ersetzen. Mit der neuen Leittechnik machen wir die U-Bahn aber auch zuverlässiger und leistungsfähig auch für weiter steigende Fahrgastzahlen." 

Sicherheit soll durch Bahnsteigtüren erhöht werden

Allein im vergangenen Jahr sind 215 Menschen, zehn Tiere und 115 Gegenstände ins Gleis der Münchner U-Bahn geraten. "Im Schnitt ist also fast jeden Tag einer im Gleis", so Ingo Wortmann. Es habe 21 Tote oder Verletzte gegeben.

Die Stadtrats-CSU reagiert erfreut - allerdings nicht ohne Kritik: "Schade, dass das Pilotprojekt erst ab 2023 erprobt wird, ich hätte mir schon gewünscht, dass das schneller geht", sagt CSU-Stadtrat Johann Sauerer, "die MVG muss sich schon vorwerfen lassen, entscheidende Entwicklungen verschlafen zu haben." 

SWM und MVG hatten in den vergangenen Jahren bereits drei andere Systeme zur Gleisraumüberwachung erprobt (Detektion von Fremdkörpern durch Video, Radar und Laser). Sie hätten sich aber nicht als geeignet für den Einsatz in der Münchner U-Bahn erwiesen.

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