Pilotprojekt in München? Münchner Grüner fordert: Kein Rot mehr für Radler

, aktualisiert am 13.07.2016 - 16:22 Uhr
Der Grünen-Politiker fordert, dass Radlfahrer künftig nicht mehr an roten Ampeln halten müssen. Foto: dpa

Geht es nach dem Grünen-Bundestagsabgeordneten Dieter Janecek, dann sollen künftig in Deutschland die Radfahrer nicht mehr an roten Ampeln anhalten müssen. Eine Testphase kann er sich in München vorstellen.

 

München - Jeder Fahrradfahrer kennt wohl diese Situation: Man ist gerade so richtig schön in Schwung, dann bremmst einen eine rote Ampel - und weit und breit ist kein Auto zu sehen. Was bestimmt nicht wenige Radler zum Anlass nehmen, das Ampelsignal zu ignorieren. Mit einem revolutionär anmutenden Vorschlag will der Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek dieses Verhalten nun nicht länger sanktionieren. Rote Ampeln sollen zukünftig für Fahrradfahrer freigegeben werden.

Das wäre eine wirksame und kostengünstige Maßnahme den Fahradverkehr zu beschleunigen, sagte der Politiker der "Huffington Post". Sobald es der Verkehr zulässt sollen demnach Radler nicht mehr an roten Ampeln halten müssen.

Wer derzeit mit seinem Rad über eine rote Ampel fährt, riskiert saftige Bußgelder zwischen 60 und 180 Euro sowie einen Punkt in Flensburg.

Deutschland hinkt beim Thema Fahrradfreundlichkeit hinterher

So revolutionär, wie der Vortsoß im ersten Moment klingt, ist er allerdings gar nicht. Im US-Bundesstaat Idaho ist eine rote Ampel schon seit den 80er Jahren nichts anderes als ein Stoppschild. Auch in Paris dürfen Autofahrer an speziell gekenzeichneten Ampeln bei Rot weiter geradeaus fahren oder rechts abbiegen. Ähnliches gilt auch in Schweden und Norwegen. Mehr Unfälle mit Fahrradfahren werden dort seitdem nicht verzeichnet.

"Leider hinken wir beim Thema Fahrradfreundlichkeit seit Jahren hinterher", beklagt der Abgeordnete in der "Huffington Post". Das soll sich nun ändern. Für ein Pilotprojekt hält Janecek die selbsternannte Radlhauptstadt München für besonders geeignet. „Ein erstes Pilotprojekt würde mir für München-Neuhausen vorschweben. In den teils verwinkelten Straßenzügen des Stadtviertels gibt es eine ganze Reihe überflüssiger Ampeln, die den Verkehr eher behindern als flüssiger machen“, sagte er der "Bild".

Und wenn es nach Janecek geht, ist mit der Ampel-Revolution noch lange nicht Schluss: So schweben dem Parlamentarier beispielsweise Rad-Autobahnen vor, auf denen die Radler zügig – und ohne Ampeln – vorankommen können. "Dafür müsste die Stadt allerdings Geld in die Hand nehmen, doch München schleppt sich bei der Fahrrad-Infrastruktur nur mühsam voran", sagt Janecek der AZ. "Die Autolobby ist noch zu stark", kritisiert er. Es würden noch zu sehr die Interessen der Autofahrer geschützt. Andere Städte, vor allem im Ruhrgebiet, seien schon viel fahrradfreundlicher.

 

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