Pilcher-Verfilmung "Die versprochene Braut" Collien Ulmen-Fernandes: Hochzeit für indische Verwandtschaft

In der Pilcher-Verfilmung "Die versprochene Braut" ist Schauspielerin Collien Ulmen-Fernandes am Sonntagabend als indisches Zimmermädchen zu sehen. Im Interview spricht sie über ihre Wurzeln und die Familienplanung.

 

Berlin - Der Vater Inder, die Mutter eine Deutsche ungarischer Abstammung, die Tochter - Hamburgerin. "Ich fühle mich eigentlich sehr deutsch", sagt Schauspielerin Collien Ulmen-Fernandes ("Die versprochene Braut", 8.9., ZDF, 20.15 Uhr) im Gespräch mit der Nachrichtengentur spot on news. Außerdem spricht die 31-Jährige über indisches Yoga und Schlafmangel.

Sie geben in der Pilcher-Verfilmung "Die versprochene Braut" das Zimmermädchen Rajani. Waren Ihre Sprachkenntnisse gut genug um die indischen Passagen selbst zu sprechen?

Ulmen-Fernandes: Ich spiele in dem Film eine Kunststudentin, die in London aufgewachsen ist und nebenbei in einem Hotel jobbt. Ihr Vater ist Inder, dadurch spricht sie etwas Hindi. Ich muss in dem Film nur einmal "Gute Nacht" auf Hindi sagen, das war`s, sonst gibt es keine indischen Passagen! Dafür habe ich meinen Vater um Rat gebeten. Nachdem ich merkte, dass dessen Hindi nach über 30 Jahren Deutschland so schlecht ist, dass er ,Guten Morgen' mit ,Gute Nacht' verwechselte, habe ich mir schließlich von den Komparsen helfen lassen.

Wie Indien-affin sind Sie?

Ulmen-Fernandes: Ich trage gerne Bindis auf der Stirn, mag Henna-Malerei auf den Händen und liebe indisches Essen. Aber das war`s dann auch schon, ich fühle mich sonst eigentlich sehr deutsch.

War die indische Verwandtschaft auf Ihrer Hochzeit anwesend?

Ulmen-Fernandes: Nein, wir haben im kleinen Kreis geheiratet aber irgendwann wird es natürlich noch mal eine große Hochzeitsfeier für die indische Verwandtschaft geben, da werden wir dann sieben mal ums Feuer tanzen und Christian wird mit einem Säbel und einer Kokosnuss in der Hand hinein geritten kommen, wie wir Inder das halt so machen. (lacht)

Neben Ihren indischen gibt es auch noch mütterliche ungarische Wurzeln. Was hat Sie mehr geprägt?

Ulmen-Fernandes: Meine Großeltern haben mal versucht mir etwas ungarisch beizubringen, aber von meinen ungarischen Wurzeln ist bei mir nichts hängen geblieben, außer dem Temperament. Ich kann mich wahnsinnig über Dinge aufregen, ich gerate dann richtig in Rage. Aber ansonsten haben mich meine indischen Wurzeln stärker eingenommen. Ich war als Kind sehr oft da, schon alleine dadurch habe ich zu Indien einen wesentlich stärkeren Bezug. Aber so gern ich Indien mag, dem Allen übergeordnet ist meine Vorliebe für klare deutsche Verhältnisse. Ich halte nichts von indischer Anarchie, wo jeder zu Verabredungen kommt wann er will und wo man von Verkehrsregeln noch nie irgendwas gehört hat.

Ganz schön bürgerliche Werte für ein ehemaliges VIVA-Girl.

Ulmen-Fernandes: Ich bin viel spießiger, als man das vielleicht glauben mag.

Noch mehr Geständnisse?

Ulmen-Fernandes: Ich bin ein eher pessimistischer Mensch. Wenn mir am Tag drei schöne und eine schlechte Sache passieren, dann rege ich mich nur über das Schlechte auf. Das macht das Leben teilweise ganz schön anstrengend.

Mal indisches Yoga als Therapie probiert?

Ulmen-Fernandes: Nein, dazu bin ich viel zu ungeduldig. Ich kann nicht mal fünf Minuten in der Badewanne sitzen, nach einer Minute denke ich: "okay fertig, schnell raus hier." Mal abgesehen davon, mache ich auch nichts, was nur annähernd in Richtung Sport geht, da ich um jedes zusätzliche Pfund dankbar wäre. Am besten habe ich mir während der Schwangerschaft gefallen, aber die Pfunde konnte ich leider nicht konservieren.

Kommt Ihnen Ihre Exotik beruflich zugute?

Ulmen-Fernandes: Manchmal schon. Wenn es darum geht Spanierinnen, Türkinnen oder Inderinnen zu besetzen, bin ich natürlich klar im Vorteil. Meistens spiele ich aber junge Frauen, bei denen die Herkunft keine Rolle spielt und die genauso gut von einer Blondine hätten gespielt werden können. Wobei ein Senderverantwortlicher mal zu mir sagte, dass bei ihnen nur blonde Frauen die Hauptrollen und dunkle Frauen deren beste Freundin spielen dürfen. Ich denke aber, dass das deutsche Fernsehpublikum so liberal ist, dass so was bei der Besetzung eigentlich keine Rolle spielen sollte.

Zumal Sie sich als Schauspielerin, Moderatorin, Kolumnistin und Mutter nicht über mangelnde Aufgaben beklagen können. Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?

Ulmen-Fernandes: Das ist zwischendurch ganz schön hart, weil man nicht in beiden Leben gleichermaßen präsent sein kann. Für die Dreharbeiten zu "Die versprochene Braut" war ich z.B. sechs Wochen in England, ohne mein Kind zu sehen. Das war furchtbar. Aber was soll ich machen, es ist quasi eine Loose-Loose-Situation, man kann nur verlieren. Wenn man viel arbeitet, fühlt man sich als Mutter schlecht und wenn man viel Zuhause ist, bekommt man im Job zuhören, dass man früher auch mal mehr gemacht hat. Egal wie, man kann es niemandem rechtmachen.

Stört es Ihren Mann, dass er nicht den Versorger geben darf?

Ulmen-Fernandes: Der geht mit mir konform, dass wir uns mit Kind und Beruf abwechseln und beide die Brötchen nach Hause bringen. Das war von Anfang an klar. Komisch war für ihn eher die Tatsache, dass er eine Frau mit Haus geheiratet hat. Das Haus hatte ich schon angefangen zu bauen, bevor wir uns kennen gelernt haben, so dass er da bis auf die Wasserhähne keinen Einfluss mehr drauf nehmen konnte.

Ist noch Platz für ein weiteres Kinderzimmer im Haus?

Ulmen-Fernandes: Genügend Zimmer gäbe es schon, aber derzeit ist erst mal Kinderpause. Zumal ich mich darauf freue, bald mal wieder durchschlafen zu können - mein Red-Bull-Konsum ist nämlich ins Unermessliche gestiegen.

 

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