"Piefke bleib zuhause" Tiroler Hass-Pamphlet: Unbekannter beschimpft Allgäuer Touristen!

Autorenprofil Ruth Schormann
Diesen Zettel fand Brigitte Sutorius aus Pfronten an ihrem Wohnmobil auf einem Rastplatz in Tirol. Foto: Brigitte Sutorius/Felix Kästle/dpa/AZ

Ein Unbekannter beschimpft auf Zetteln Allgäuer Touristen und demoliert ihre Autos. Was der Verfasser ihnen vorwirft, wie sie darauf reagieren.

 

Weißenbach am Lech - Die einen lieben, die anderen hassen sie: Touristen. Die einen leben vom Fremdenverkehr, die anderen fühlen sich gestört. So ist es vielerorts – und nun wohl auch im österreichischen Weißenbach am Lech. Der kleine Urlaubsort liegt zu Füßen des Gaichtpasses nahe der Grenze zum Allgäu.

Viele Allgäuer nutzen die Nähe Tirols für Ausflüge und Kurztrips. Das scheint manchen Einheimischen – vielleicht auch nur einem einzigen – nicht zu passen. Er heftete, laut Polizei bereits seit Mai, Schmähbriefe unter die Scheibenwischer der Allgäuer Autos, berichten mehrere Medien.

Etliche Betroffene meldeten sich bei der "Allgäuer Zeitung", laut BR soll es "zehn bis 15 Fälle" geben, in denen dieses Blatt, in unterschiedlichen Versionen, an Fahrzeugen hinterlassen wurde.

Fünf Fälle seien angezeigt worden und aktenkundig, teilt Michael Eder von der Polizei Reutte der AZ auf Anfrage mit. "Nur das Anbringen eines dieser Zettel stellt keinen strafrechtlichen Tatbestand dar", sagt Eder. Auch, wenn sich der Text auf der Din-A4-Seite gewaschen hat: "PIEFKE", steht da zuerst einmal in Versalien. "Bleib zuhause", geht es weiter.

Und warum sollen die Deutschen nicht mehr nach Tirol und Weißenbach fahren? "1. Ihr habt eh kaum Geld zum Ausgeben und bringt nur billige und ungesunde Lidl-Brotzeit mit. Vor allem die Allgäuer und andere Grenzgänger", heißt es weiter auf dem Zettel, der mit dem Computer geschrieben wurde.

"2. Wir brauchen und wollen euch Deutsche in Tirol/Österreich nicht!! Merkt ihr das nicht!? Ihr verursacht bei uns im Land nur Lärm, Staus, Müll, Dreck und schlechte Laune", schreibt der unbekannte Verfasser weiter.

Und zum Schluss: "Wir mögen euch wirklich nicht! Kapiert das doch endlich."

Neben den Hass-Botschaften gibt es auch platte Reifen

Deutliche und etwas wirre Worte, die der Allgäuer-Hasser da an seine Mitmenschen richtet – doch das ist nicht alles. Wie Bezirksinspektor Eder bestätigt, gibt es auch Sachbeschädigungen, die wohl in Zusammenhang mit den Schmähbriefen stehen könnten. Eine Betroffene schilderte der "Allgäuer Zeitung", ihre Reifen seien platt, weil jemand die Ventile beschädigt hatte. "Das kostet uns 5.000 Euro", sagt die Ostallgäuerin zu dem Blatt.

Sie gehe gerne mit ihrem Mann im Lechtal baden. In diesem Sommer mehrten sich laut Aussage der Frau die Kommentare von Tirolern: "Schon wieder eine Deutsche." 

Wer der oder die Täter sind, ist nach wie vor unbekannt

Auch eine Autotür ist zerkratzt worden, sagt Bezirksinspektor Eder. In diesen beiden Fällen ermittelt die Polizei. Wer der Täter ist, oder ob es sich um eine Gruppe handelt, ist unbekannt. Es habe zwar mehrere Hinweise gegeben, leider erfolglos, sagt Eder der AZ weiter. Er bedauert den Imageschaden für Tirol.

In der Gemeinde sind viele sauer auf den Verfasser der Zettel, der den guten Ruf und das friedliche Miteinander gefährdet. Deutlich wird eine Tirolerin bei "heute.at": "Eine bodenlose Schweinerei! Wir leben alle vom Tourismus", schimpft sie dort. Auf "allgäu.life", einer Plattform der "Allgäuer Zeitung" haben sich Allgäuer an den Verfasser gewandt.

Ein Mann aus Pfronten sagt: "Wir sind Nachbarn. Da hält man doch zusammen." Schließlich kämen genauso viele Tiroler ins Allgäu rüber. Und ein junger Mann aus Füssen fragt: "Ist der Typ noch ganz sauber?!"

 

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