Philharmonie John Cleese im Gasteig

Comedy-Legende John Cleese. Foto: dpa

Monty Python and much more: John Cleese blickte in der Philharmonie auf sein Schaffen zurück

 

Eine (noch) lebende Legende kann sich der Verehrung seiner Fans sicher sein. Wobei es auch noch nie geschadet hat, dem zur Sitzfäule neigenden Publikum ein wenig auf die Sprünge zu helfen. So sieht man zur Einstimmung auf diesen Abend in der Philharmonie nicht nur ein paar Szenen aus dem Oeuvre von John Cleese, sondern bekommt danach per Stimme aus dem Off freundlichst mitgeteilt, sich doch bitte jetzt ganz spontan für eine Runde Standing Ovations für das erwartete Idol zu erheben.

Was alle bereitwillig tun. John Cleese erscheint, die schlaksige Gestalt von einst zur bauchigen Form eines Grand Seigneurs der Komik veredelt. Der Mann wird am 27. Oktober achtzig Jahre alt, da darf man sich schon ein bisschen gehen lassen. Apropos gehen: Gut zu Fuß ist Cleese; lächelnd schreitet er gen Bühnenmitte, wo ein Podest und ein Stuhl auf ihn warten. Die Ehrerbietungen nimmt er dankbar entgehen, dreht dann wieder um, das Winken wird zum Abschiedswinken. Kurz blickt er auf seine Uhr, ja, ist schon spät, es reicht, und verschwindet wieder.

Auf Abschiedstournee

Um natürlich zurückzukommen: Auf- und abtretend beginnt Cleese sein Programm, das er „Last Time To See Me Before I Die“ betitelt hat. Dass jemand da ist und dann weg, kann nun mal schnell passieren, gerade im höheren Alter, weshalb Cleese sich dezidiert auf eine Abschiedstournee begeben hat.

Im Angesicht des Todes weiß man die Lebenden umso mehr zu schätzen. Insgesamt haben sich Cleese und seine teils noch lebenden Kumpel von Monty Python um die strenge Logik des Daseins nicht wirklich geschert. Das gesprochene Wort nahm die Komiker-Truppe jedoch durchaus ernst: Wenn sie in ihrer TV-Show „Monty Python’s Flying Circus“ etwa verkleidet als Hausfrauen behaupteten, dass sie gleich für die Kamera die Schlacht von Pearl Harbor nachstellen würden, dann bemühten sie sich redlich um die Umsetzung dieses Vorhabens und prügelten sich mit ihren Handtaschen im Matsch.

Schmutzig war die Komik der Pythons eher selten – mit den gängigen Schweinereien der Stand-Up-Comedy konnte er nie viel anfangen, meint Cleese. Dafür wurde ihm die Lust am schwarzen Humor praktisch in die Wiege gelegt. Ein Foto seiner alten, sonnenbebrillten Mutter gehört zu dem rührend-komischen Bildmaterial seiner Erinnerungs-Revue, die zwischen autobiographischem Vortrag, Videoschnipseln und wenigen Stand-Up-Einlagen zu Themen wie Hotels, Humor und Tod changiert.

Was Lustiges vom Sterben

Über das unausweichliche Sterben haben sich bereits Mutter und Sohn Gedanken gemacht. Er würde sie nach ihrem Ableben zu einem Präparator bringen und ausstopfen lassen, meinte Cleese zu seiner Schöpferin. Die reagierte völlig verzückt und erzählte ihren Freundinnen von dieser Idee. Auch sein Publikum verschont Cleese nicht mit der Aussicht auf das Ende, „we are all gonna die, don’t we?“ und zählt die Hauptgründe auf, weshalb man den Löffel abgibt: Herzinfarkte, Krebs, Autounfälle und ja, auch der eigene Arzt kann schnell zum Killer werden, wenn er eine falsche Diagnose stellt.

Den Zuschauerreihen weist Cleese die verschiedenen Todesarten zu und schenkt den ersten zwei Reihen die Aussicht auf ein Leben über 100 – bei den teuren Tickets haben die das auch sicherlich verdient. Insgesamt ist seine Show aber natürlich eine nostalgische Feier des verrückten Lebens. Wie albern Cleese sein durfte, damals als energiestrotzender Riese während der goldenen Siebziger, ob er nun als Hotelier in der Serie „Fawlty Towers“ aufs Peinlichste versuchte, das durch ihn erzeugte Chaos wieder zurecht zu rücken oder mit den Monty Pythons die absurdesten Dinge mit absoluter Nonchalance, ganz selbstverständlich verrichtete. Die Ordnungsmacht hat nun mal der Komiker inne.

Viel Gelächter für harte Witze

Dass sie ihren Unfug ohne große Angst vor Zensur veranstalten durften, hatte vor allem mit einem späten Sendeplatz am Sonntag zu tun: Während der „Flying Circus“ lief, schliefen die TV-Produzenten schon. Dem Traum kamen Cleese und seine Kumpane mit ihren Sketchen nahe, in ihrer Logik und Lust an der Grenzüberschreitung. Gerade die harten Witze lösen das größte Gelächter aus, stellt Cleese fest und demonstriert, wie das Wort „Durchfall“ die Wirkung eines Scherzes vergrößern kann. Vielleicht, weil das Unbewusste dabei stärker angesprochen wird?

In die Tiefe möchte Cleese jedoch nicht immer gehen; der Brexit etwa kommt nur als Randnotiz vor, wohlweislich, denn der Brexit-Befürworter Cleese könnte mit seiner Haltung doch einige Sympathien auf seiner Tour verspielen.

Warum tragen Italiener Schnurrbärte

Also, nein, nicht wegen dem Brexit sei er nochmal auf lukrativer Tournee, sondern wegen seiner Ex-Frau, erzählt Cleese und schon wird ein Video eingespielt, in dem man einer Dame dabei zusieht, wie sie einen Haufen Geldscheine aus einem Automaten zieht. Das könnte angesichts dem, was man so hört, ziemlich ironisch ehrlich sein. Statt sich politisch zu äußern bricht Cleese viel lieber eine Lanze für das Spiel mit nationalen Klischees, unterscheidet zwischen boshafter und liebevoller Neckerei (er ist liebevoll) und hat dann auch ein paar Witze über diverse Völkchen (nur nicht die Deutschen) auf Lager. Warum tragen Italiener gerne Schnurrbärte? Um ihren Müttern zu ähneln.

Solche Witze können schnell zu Rohrkrepieren werden. Wenn Cleese sie erzählt, lacht man mit. Mit ansteckender Heiterkeit wirft er vor allem einen Blick auf sein Schaffen zurück – ein wenig Selbstbeweihräucherung darf angesichts dieser glorreichen Vergangenheit schon sein. Nach über zwei Stunden gab es dann noch mal Standing Ovations, ohne Aufforderung dazu, und Cleese nahm sie freudig entgegen. Eine Zugabe gab es nicht. Die kann ja auch, falls sie misslingt, ziemlich tödlich sein. 
 

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading