Peszko in Ausnüchterungszelle 1. FC Köln kommt nicht zur Ruhe

 

Köln und Bremen treten auf der Stelle, das Remis von Müngersdorf bringt keine der beiden Mannschaften entscheidend voran. Verliert der FC in Mainz, droht das Abrutschen auf den direkten Abstiegsplatz. Zudem gibt es großen Ärger um Slawomir Peszko.

Köln – Der 1. FC Köln kommt einfach nicht zur Ruhe. Slawomir Peszko wurde in der Nacht nach dem 1:1 (1:1) gegen Werder Bremen in eine Polizei-Ausnüchterungszelle gebracht. „Ich weiß nicht, wann hier der Letzte begreift, um was es geht und wie man sich professionell verhält. Die Aktion von Slawomir Peszko ist inakzeptabel“, sagte FC-Hauptgeschäftsführer Claus Horstmann dem „Express“.

Der Pole Peszko wurde noch am Sonntagmorgen vor dem Training zum Rapport bei Horstmann und Chefcoach Stale Solbakken bestellt. Sofortige Reaktion des Vereins: eine saftige Geldstrafe, arbeitsrechtliche Maßnahmen und die Verbannung aus dem Kader für das Spiel am Dienstag in Mainz.

„Er wird definitiv nicht dazugehören“, erläuterte FC-Sprecher Tobias Schmidt. Peszkos Mitspieler Miso Brecko war Karneval bei einer Trunkenheits-Unfallfahrt erwischt und vom Club bestraft worden. Für Lukas Podolski war nicht nur das völlig unprofessionelle Verhalten Peszkos eine bittere Erkenntnis. Das Remis gegen Werder macht die Gefahr des fünften Abstiegs für den 1. FC Köln eher größer denn kleiner.

Verliert der FC auf Podolskis möglicher Bundesliga-Abschiedstournee in Mainz, droht das Abrutschen auf Platz 17. „Wir stehen mit einem Punkt da – und das ist für unsere Situation zu wenig“, kommentierte der Nationalstürmer das Unentschieden, das einer Niederlage gleichkam – auch für Werder.

Immerhin verhinderte die Torpremiere des Tunesiers Ammar Jemal (39. Minute) die vierte FC-Pleite nacheinander, sie bringt die Rheinländer und Solbakken aber nicht entscheidend weiter. Köln weist mit 59 Gegentoren und 16 Niederlagen miserable Werte auf.

Solbakken: „In Mainz müssen wir drei Punkte holen.“ Sollte dieses Vorhaben nicht gelingen, will der FC an seinem Coach festhalten. „Ich gehe fest davon aus“, sagte Horstmann in der Sport1-Sendung „Doppelpass“ auf die Frage, ob Solbakken in der Verantwortung bleibe. Er sei „sehr gewillt“, den Weg mit Solbakken, der noch einen Vertrag bis 2013 hat, weiterzugehen, ergänzte er.

Der im Abstiegskampf unerfahrene Solbakken verwies bereits nach dem 1:1 gegen Europa-League-Anwärter Bremen darauf, dass seine Profis ihm ein „super Gehör“ entgegenbrächten. Der Auftritt gegen Werder stützte die These: Die FC-Anhänger unter den 50 000 Zuschauern im ausverkauften Stadion registrierten mit wohlwollender Anerkennung, dass sich die Kölner nach ihrem Kurz-Trainingslager in einer anderen Mentalverfassung zeigten als beim 1:6-Debakel gegen Dortmund und nach dem 0:1 durch Markus Rosenbergs siebten Saisontreffer (24.) nicht erneut völlig zusammenbrachen.

„Wir haben eine Reaktion und eine ganz andere Mannschaft gesehen“, hielt Mittelfeldspieler Martin Lanig fest. Und: „Wir haben die Fans hinter uns gebracht. Sie haben unsere Leistung honoriert. Das tut gut nach den turbulenten Wochen, in denen wir oftmals Pfiffe kassiert haben – auch zurecht.“ Keeper Michael Rensing will gar Aufbruchstimmung erkannt haben: „Wir sollten uns stark reden, dass wir statt zuletzt null Punkten jetzt einen geholt haben.

Die nächste Stufe wären dann drei. Und die holen wir hoffentlich in Mainz.“ Trotz allem: Solbakkens Probleme bleiben immens. Sein Versprecher („Ich habe einen Vertrag bis 2012 – nein: 2013“), ob absichtlich produziert oder nicht, lässt trotz Horstmanns Aussagen tief blicken: Wie lange gilt der Vertrauensbeweis seiner Vorgesetzten wirklich? Solbakken kann und will nur eines tun: „Ich muss vor jedem Spiel darüber nachdenken, was das Richtige ist für den 1. FC Köln – und nicht für einen, zwei oder drei Spieler.“

Der Norweger beharrt darauf: „Was ich mache, ist das Beste für den Verein und in dieser Situation und für diesen Tag.“ In Bremen bewahren sie in derart misslichen Lagen schon seit jeher Ruhe. Chefcoach Thomas Schaaf analysierte in aller Sachlichkeit, dass sich seine Elf zwar entschlossener gezeigt habe als beim 0:3 gegen Mainz.

„Aber es herrschen nicht die Klarheit und die Automatismen, die man braucht“, ergänzte Schaaf. Seit vier Wochen wartet Werder auf einen Erfolg. „Wir haben sehr viel Boden verloren und uns in eine schlechte Position gebracht“, bilanzierte Clubchef Klaus Allofs. Der frühere Kölner Stürmer würde es angesichts des schweren Restprogramms als großen sportlichen Erfolg sehen, „wenn wir uns für die Europa League qualifizieren würden“.

 

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