Pep Guardiola: die Serie Cruyff + Lillo + van Gaal = Guardiola

Der Meister und sein Lehrling: Johann Cruyff im juli 1993 mit dem damals 22-jährigen Josep "Pep" Guardiola. Foto: Imago

Im vorletzten Teil der Pep-Serie geht es um seine großen Förderer und Mentoren. Was sie über ihn sagen, was er sich alles abgeschaut hat: "Ich stehle Ideen."

 

München - Pep Guardiola hat einmal einen Satz gesagt. Er lautet: „Ich stehle Ideen.“ Der neue Trainer des FC Bayern ist eben nicht von ungefähr zum vermeintlich besten Trainer der Welt aufgestiegen, als er mit dem FC Barcelona zwischen 2008 und 2012 insgesamt 14 von 19 möglichen Titeln holte. Am Montag wird er als Heynckes-Nachfolger in der Arena vorgestellt.

Seine Karriere als Spieler war davon geprägt, von seinen Trainern zu lernen. „Guardiola ist wie ein Schwamm. Er lernt von jedermann, weil ihm jeder Ort recht ist, um über Fußball zu reden“, sagte einer seiner Mentoren, Juan Manuel Lillo, einmal über Pep.

Wer in prägte, wo er sein Handwerk lernte – das sind Peps Wegbereiter.

Johan Cruyff: Der Niederländer entdeckt Guardiola 1989 bei Barcelonas zweiter Mannschaft. „Er war schmächtig, aber er erinnerte mich an mich“, sagt Cruyff heute. Pep ist nicht der Schnellste, „aber er dachte am schnellsten“. 1992 gewinnt Guardiola als zentraler Spieler mit 21 Jahren den Landesmeistercup. Aber sie haben auch Meinungsverschiedenheiten: Als Cruyff 1994 Nationaltorhüter Andoni Zubizarreta abschiebt, sitzt Pep der Legende nach am Abschiedsabend in der Ecke und heult.

In seiner Amtszeit zwischen 1988 und 1996 revolutioniert Cruyff Barças Nachwuchs, führt das 4-3-3 in allen Altersstufen als das vorherrschende Spielsystem ein. „Cruyff ist an allem schuld“, sagte Guardiola einmal, „wir sind nur seinem Modell gefolgt.“ Cruyff vermittelt Guardiola die Grundprinzipien des modernen Fußballs; Pep selbst überführt später dessen Methoden ins neue Jahrtausend.

Dass er dazu die Chance bekommt, hat er indirekt auch Cruyff zu verdanken. Als Barcelonas Präsident Joan Laporta 2008 nach einem neuen Trainer sucht, denkt er zunächst an José Mourinho. Cruyff jedoch redet ihm das aus – und schlägt Guardiola vor, der zu dem Zeitpunkt die zweite Mannschaft trainiert.

Der Kontakt zwischen Lehrmeister und Schüler besteht: Vergangene Woche sah man beide im Restaurant des Starkochs Fermí Puig fachsimpeln. Cruyff über Guardiolas Wechsel: „Er kann den deutschen Fußball in andere Dimensionen führen.“

Louis van Gaal: Als der spätere Bayern–Coach Barcelona 1997 übernimmt, macht er Guardiola zum Kapitän. Pep sträubt sich, weil es eigentlich Tradition ist, dem Ältesten die Binde zu geben. Doch van Gaal insistiert: „Du bist der einzige, mit dem ich auf Augenhöhe über Fußball reden kann!“

Guardiola fehlt die erste Saison verletzt, unterhält sich aber oft mit van Gaal. Dass der ihm später, als Pep wieder fit ist, einen gewissen Xavi vor die Nase setzt, sieht die spanische Presse als Anlass, um von einem Bruch zwischen beiden zu reden. Guardiola entgegnet dem heute: „Neben Lillo war er derjenige, mit dem ich am meisten gesprochen habe.“

Juan Manuel Lillo: Der in Deutschland weitgehend unbekannte Spanier sagt über Pep, er wäre „wie ein Sohn für mich“ – dabei ist Lillo gerade mal fünf Jahre älter. Die beiden lernen sich 1996 kennen. Guardiola stapft nach einem spektakulären 4:2 gegen Lillos Oviedo in die Kabine, um dem Coach seine Bewunderung für die gewählte Taktik auszudrücken. „Seitdem haben wir nicht aufgehört, über Fußball zu reden“, sagt Lillo.

Als Guardiola 2005 seine Karriere eigentlich schon beendet hat und erste Trainerseminare besucht, schließt er sich überraschend dem mexikanischen Erstligisten Dorados de Sinaloa an – weil Lillo dort Coach ist. „Pep war beides: Spieler und Trainer“, sagt Lillo. „Nach dem Training schrieb er alles auf. Manchmal saß er noch zwei Stunden da.“ Lillo vermittelt Pep so das Handwerk. Und er hat Visionen: Schon 1991 führte Lillo das heute gängige 4-2-3-1-System ein. „Lillo war der beste Trainer, den ich je hatte“, sagt Guardiola.

„Cruyff hat mich fasziniert und gefördert. Aber ohne Lillo hätte ich wenig Ahnung vom Trainergeschäft.“ Während Pep später durchstartet, verläuft Lillos Karriere in Wellen. 2010 wird er bei Almeria entlassen – nach einem 0:8 gegen Peps Barcelona.

 

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