Pendlerbusse und Magnetbahn München: Raus aus dem Dauer-Stau - Die Pläne des MVV-Chefs

Hat viel vor beim MVV: Bernd Rosenbusch, Chef des Münchner Verkehrsverbunds (MVV). Foto: Sven Hoppe, Uwe Lein/dpa / AZ-Montage

Bernd Rosenbusch will Schnellbusse über die Standstreifen der Autobahnen jagen, plant Handy-Monatskarten – und er hält einen Benzinpreis von 2 Euro für sinnvoll.

 

München - Bernd Rosenbusch ist ein Mann mit Visionen. Und Problemen. Rosenbusch ist nicht nur Chef des Münchner Verkehrsverbunds (MVV). Sondern auch S-Bahn-Pendler. Wenn die Bahn mal wieder nicht fährt, muss er mit dem Auto in die Stadt – dann parkt er auf P&R-Parkplätzen an U-Bahnhöfen. Wenn dort noch Platz ist.

Bald soll sich der Ärger zumindest ein bisschen verkleinern. Der MVV will ein Pilotprojekt starten, mit dem zum Beispiel in der Studentenstadt (oder auch am S-Bahnhof in Grafing) in der MVV-App angezeigt wird, ob noch Parkplätze frei sind – oder man besser einen anderen Standort ansteuert. Was Rosenbusch sonst umtreibt, erklärte er jetzt bei seinem Jahrespressegespräch. Die AZ fasst die wichtigsten Punkte zusammen.

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"Wir brauchen in Oberbayern ein einheitliches Tarifsystem", sagt Rosenbusch. "Wir sind da auf einem Niveau mit Nordfriesland, das kann nicht unser Ziel sein." Tief im Norden gibt es auch noch viele kleine Verkehrsverbünde. Sonst sind in Deutschland viel größere Einheiten Standard. Wie es nun endlich auch in Oberbayern kommen soll, zeigt die untenstehende Grafik.

Rosenbusch ist in Gesprächen mit vielen Landkreisen. "Das Ziel ist, schon 2023 die ersten Landkreise zu integrieren", sagt Rosenbusch. Er betont stets, dass das auch für die Münchner viele Vorteile hätte – weil sie mit dem MVV-Ticket bis ins Voralpenland fahren können.

Neue Online-Tickets

Dem MVV ist es gelungen, das Geschäft mit den Online-Tickets deutlich auszubauen. 14,3 Millionen Fahrkarten wurden 2019 so gekauft, ein Plus von 29 Prozent. Etwa jedes fünfte Einzelticket ist ein Handy-Ticket. Und Rosenbusch rechnet heuer noch einmal mit einem deutlichen Sprung – weil etwa ab Juni auch einzelne Wochen- und Monatskarten als Handy-Ticket ins Angebot kommen sollen (für Jahresabokunden bleibt es vorläufig bei den neuen Chipkarten).

Autobahn-Busse

Rosenbusch setzt auf Schnellbusse entlang der Autobahn, um Pendler nicht mehr mit dem Auto in die Stadt fahren zu lassen. "Das Problem der Münchner ist nicht der Münchner", so drückt er es aus. Sondern die Pendler. Seine Idee: Busse sollen schon vor den typischen Stau-Stellen starten – und dann auf dem Standstreifen am Stau vorbei in die Stadt fahren – wo sie die Pendler an einem U-Bahnhof absetzen.

Als Beispiel nennt der MVV-Chef ein Busangebot von Schorn entlang der A95 bis zur Aidenbachstraße im 20-Minuten-Takt. Auf der A9 könne er sich eine Strecke von Fürholzen West nach Fröttmaning vorstellen. Auf der A96 fände er einen Einstiegspunkt in Gilching oder Germering sinnvoll. Für ein sinnvolles System dieser Art bräuchte es wohl große neue Parkhäuser an der Autobahn. Die Ideen sind nicht nur ein Hirngespinst. Für eine Strecke von Dasing bis nach Pasing hat der MVV schon konkret beantragt, den Standstreifen nutzen zu dürfen.

Tarifreform-Bilanz

Mit der großen MVV-Tarifreform im Dezember ist Rosenbusch zufrieden. "Technisch lief die Umstellung gut", sagt er. Ein Problem sei noch, dass viele Münchner die Zone 1 kaufen, wenn sie sich in München bewegen. Sie kennen die M-Zone nicht – und fahren dann schwarz, weil die Zone 1 nun außerhalb der Stadt liegt.

Neue Flughafen-Bahn

Eine U-Bahn zum Flughafen? Wird es niemals geben, ist Rosenbusch überzeugt. "Das wäre zu teuer." Er schlägt als günstige Alternative eine Magnetschwebebahn vor. "Von Garching über Neufahrn zum Flughafen wäre das ideal", sagt er. Auch die Strecke von Dachau über Karlsfeld zu einem U-Bahnhof hält er für eine geeignete Strecke.

Autos bleiben

"Autos sind Teil unserer Kultur", sagt Rosenbusch. Es werde sie immer geben. Autofahren sei aber viel zu billig geworden – gerade im Vergleich zu den Preisanstiegen bei den öffentlichen Verkehrsmitteln. Er fände einen Spritpreis von 1,90 Euro bis 2 Euro sinnvoll – die Erfahrung habe gezeigt, dass dann viele Menschen auf die Öffentlichen umstiegen – ein stärkerer Effekt, als wenn " nur" die Fahrkartenpreise sinken.

Dass die Politik den Spritpreis erhöht, glaubt er nicht. Er setzt für eine kurzfristige Verkehrswende auf die Busse. Rosenbusch lobt die neuen Spuren in München, will mehr Strecken und dichtere Takte im Umland – und fordert viel moderner ausgestattete Busse. "In jedem Auto sind heute Ledersitze – und Leute, die 100 000 Euro verdienen, sollen sich dann in Fahrzeuge setzen, die sich anfühlen wie Schulbusse." MVG-Busse mit Ledersitzen – noch so ein Plan des Mannes mit den vielen Visionen.

Lesen Sie hier den AZ-Kommentar zum Thema: Noch kein Durchbruch

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