Peinliche Pleite gegen Istanbul FC Bayern Basketballer: Plötzlich Serienverlierer

Chancenlos beim 67:84 gegen Fenerbahce Istanbul: Bayerns Basketballer um John Bryant (l.). Foto: sampics/Augenklick

Die 64:87-Demontage in eigener Halle durch Fenerbahce Istanbul ist die fünfte Bayern-Pleite in Serie. "Nichts ging. Einfach alles lief schief."

 

München - Svetislav Pesic ist ein Seitenlinie-Derwisch. Dass sich der Bayern-Coach nicht brav an der Trainerbank aufhält, sondern im Spielfeld, das kommt regelmäßig vor. Doch im ersten Viertel der Euro-League-Partie im Audi Dome gegen Fenerbahce Istanbul erreichte das eine neue Dimension. Angesichts der Nicht-Leistung seiner Spieler lief der Coach entsetzt bis in den Mittelkreis.

Obwohl erst zehn Minuten gespielt waren, wusste Pesic, dass die Partie gelaufen, die fünfte Niederlage am Stück besiegelt war. Seine Bayern hatten das schlechteste Viertel der Saison gespielt und lagen bereits mit 10:30 zurück. "Ich habe noch kein Team erlebt, dass die ersten zehn Minuten so gut gegen uns gespielt hat wie Fenerbahce heute Abend", sagte Pesic nach der 67:84-Pleite: "Das war wie aus einer anderen Welt." Die Bayern plötzlich als Serienverlierer.

Die Welt eines Euroleague-Spitzenteams, die für Bayern seit Donnerstag Lichtjahre entfernt scheint. Der Start ins Spiel: Ein kollektiver Blackout, gab dann auch Nihad Djedovic zu. "Was in der ersten Halbzeit passiert ist – ich weiß es nicht. Nichts ging. Einfach gar nichts. Hinten und vorne – alles ging schief in den ersten zehn Minuten, was auch immer wir probiert haben. Dieses Gefühl hatte ich in dieser Saison noch nicht." Die Niederlage gegen Istanbul hatte eine vollkommen neue Qualität.

Erstmals war Bayern vom Start weg chancenlos. Vor wenigen Wochen zwang Bayern noch Gigant Khimki Moskau in die Knie, verlor erst in der Schlussphase unglücklich gegen Real Madrid, wie auch in Istanbul. Bayern auf Augenhöhe mit den Euroleague-Favoriten, sie konnten es nur nicht zu Ende bringen. Davon war am Donnerstag nichts zu sehen. "Wir sind nicht ganz wach – keine Ahnung", versuchte Paul Zipser den Blackout-Start zu erklären. "Im Training sind wir eigentlich ausreichend motiviert. Ich weiß nicht, warum wir es in den Spielen nicht schaffen, gut zu starten."

Ratlosigkeit bei den Spielern. "Wir müssen besser werden. Ich weiß nicht, was ich sonst sagen soll", erklärte Alex Renfroe. Der Aufbauspieler war überragend in die Saison gestartet, momentan kann aber auch er das Team schlicht nicht aus dem Tal führen. Renfroe war eine der Top-Verpflichtungen des Sommers, die Mannschaft schien bereit für die hoch gesteckten Ziele: die Meisterschaft zurück nach München holen und es wie im Meisterjahr 2014 wieder ins Euroleague Top 16 schaffen. Nach fünf Niederlagen am Stück rückt all das in weite Ferne.

"Wir werden die Fehler angehen. Wir können die Köpfe jetzt nicht hängenlassen", redet Nihad Djedovic, mit 16 Punkten gegen Istanbul noch Bayerns Bester, gegen die Endzeitstimmung an. "Es ist erst Ende November. Wir haben noch viel zu spielen, können jetzt nicht aufhören. Wir können auch nicht mit dem Finger zeigen, wer Schuld hat – alle haben Schuld." Der 25-Jährige gibt offen zu: "Man hat im Hinterkopf, dass man in einer Niederlagenserie steckt. Es ist schon ein bisschen Angst da." Trainer Svetislav Pesic ist jetzt als Psychologe gefragt und muss dabei einen neuen Weg finden.

Seine knallharten Ansprachen haben zuletzt nicht mehr gefruchtet. Vor allem John Bryant, letzte Saison noch bester Center der Bundesliga, wirkt völlig verunsichert. Da Maximilian Kleber nach seiner Fußverletzung erst jetzt wieder mit dem Ball trainiert und gegen Istanbul auch noch Dusko Savanovic ausfiel, hatte Pesic aber auf den großen Positionen keine Alternativen. Er muss Bryant und Co. wieder aufbauen. Am Sonntag (15 Uhr, telekombasketball.de) muss die Niederlagenserie in Bremerhaven beendet werden. Denn wenn Bayern auch beim Tabellensechzehnten nicht gewinnt, ist ein neuer Tiefpunkt erreicht. Und dann muss alles in Frage gestellt werden.

 

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