Paulanergelände In der Au: Mieter fürchten nach Verkauf Vertreibung

Die Häuser Hochstraße 71 und 73 sind verkauft worden. Mieter Ernesto Lukschik befürchtet, dass der Abriss droht. Foto: Petra Schramek

Neues vom Paulanergelände: Die Bayerische Hausbau verkauft Grund und Wohnhäuser an der Hochstraße. Mieter fürchten Vertreibung.

 

München - Der Mann aus der Au fühlt sich verwachsen mit seiner Wohnung. Ernesto Lukschik lebt seit 34 Jahren in der Hochstraße 71. Seine Mitbewohner sind zwei Katzen. Nun schläft der 61-Jährige schlecht. Er mag sich nicht vorstellen, hier wegzuziehen. Der große Grundstücks-Deal der Bayerischen Hausbau auf dem früheren Paulaner-Gelände hat bei den Anwohnern in der Hochstraße Panik ausgelöst: „Als alteingesessener Mieter befürchte ich Spekulation. Ich komme mir verhöhnt vor“, sagt Lukschik.

Wie jetzt erst bekannt wurde, hat die Bayerische Hausbau im April ein 9000 Quadratmeter großes Grundstück an der Hochstraße 75 an das Hamburger Immobilienunternehmen Becken Development verkauft. Das Unternehmen ist Teil der Becken Holding, die auf ihrer Homepage angibt, bereits Immobilien für 1,6 Milliarden Euro realisiert zu haben. Für die nächsten fünf Jahre seien Projekte für 1,5 Milliarden in der „Pipeline“.

Mieter lebt in Angst

Einen „perfiden juristischen Winkelzug“ vermutet Mieter Ernesto Lukschik (61) bei dem separaten Verkauf der Häuser Hochstraße 71 und 73 an die Hamburger Becken GBR – „bestehend aus den Familienmitgliedern Dieter Becken und dessen Tochter Nadine Becken. Das Ganze für rund sieben Millionen Euro, wie wir von einem Insider vernommen haben“, schreibt Lukschik in einem Hilferuf. Als kleiner Mieter in der Au fühle er sich „abhängig wie ein Leibeigener“.

Er lebt in Angst, dass sein Wohnhaus an der Hochstraße 71 samt Nebenhaus bald zum Abriss freigegeben wird. In seiner Nachbarschaft, zwischen Reger- und Hochstraße, plant die Becken Holding GmbH aus Hamburg bereits den Bau von 200 edlen Eigentumswohnungen mit einer Größe zwischen 45 und 200 Quadratmetern. Das neue Münchner Baufeld der Hamburger, teilweise mit Blick über die Stadt und den grünen Gürtel am Auer Mühlbach, ist ein Filetstück des ehemaligen Paulaner-Geländes. Das Grundstück ist für neue (teure) Eigentumswohnungen freigegeben. Mietwohnungen und geförderte Wohnungen entstehen in einer weniger attraktiven Ecke des alten Brauerei-Areals.

"Das macht Normalmieter obdachlos"

„Die neuen reichen Eigentümer kennen sicher alle faulen Tricks, um Mieter bequemer loszuwerden,“ fürchtet Ernesto Lukschik. Außerdem ist er äußerst verwundert, dass sein altes Haus angeblich nicht unter Denkmalschutz steht. Die Bayerische Hausbau hat angekündigt, Lukschik eine Ersatzwohnung zu stellen. „In Au-Haidhausen oder in unmittelbarer Nähe zur Hochstraße“, verspricht Sprecherin Sabine Hagn. Für den Handwerker, der bislang 600 Euro für 75 Quadratmeter mit Ofenheizung zahlt, kein Trost. „Ich habe Angst, auf der Straße zu sitzen, weil ich mir die neuen Mieten nicht leisten kann.

Für einen Multimillionär aus Hamburg fällt das wohl unter Kollateralschaden, wenn uns die Verankerung genommen wird.“ Lukschik spricht aus, was manche nur denken: „Da baut einer mit dicker Brieftasche Wohnungen für Reiche und Superreiche. Dafür macht er Normalmieter mit schmalem Geldbeutel obdachlos. Auf der Becken-Homepage lese ich dann etwas von Werten und Nachhaltigkeit.“

Bayerische Hausbau: Ausverkauf des Paulaner-Areals?

Nordlichter bebauen die Au: Aus einer „strategischen Entscheidung“ hat die Bayerische Hausbau ihr 9000-Quadratmeter-Baufeld an der Hochstraße 75 verkauft. Käufer ist der große Hamburger Investor Becken Development. Die brisanten Gerüchte, das attraktive, citynahe Grundstück sei vorher der Stadt München zum Kauf angeboten worden, die den Kauf abgelehnt hat, stimmen allerdings nicht: „Dieses Areal wurde der Landeshauptstadt nicht angeboten“, teilt die Pressestelle der Bayerischen Hausbau auf AZ-Nachfrage mit. Wie die Brauerei Paulaner, ist die Bayerische Hausbau Teil der Schörghuber Unternehmensgruppe. Warum bebaut die das alte Brauerei-Gelände nicht ganz selbst? Der Grund liegt in der „Kapazitäts- und Liquiditätsplanung“ der Bayerischen Hausbau, so ein Sprecher.

Will heißen: Die Münchner Firma ist völlig ausgelastet und hat für neue Investitionen kein Geld. 1500 Wohnungen für 3500 Menschen realisiert die Bayerische Hausbau – „Am Alten Eiswerk“, „Welfengarten“ und „Nockherberg“ heißen die Prestige-Projekte auf dem früheren Paulaner-Gelände. Darunter sind zwar auch geförderte Mietwohnungen, aber eben auch sehr viele Luxus-Eigentumswohnungen mit Kaufpreisen zwischen 10 000 und 20 000 Euro pro Quadratmeter wie an der Falkenstraße. Auch entlang der Regerstraße oder an der Ruhestraße werden neue Bauprojekte realisiert. est

 

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