Paulaner im Tal Großbetrug in Putzi Holenias Traditionsgaststätte

1524 wurde die Wirtschaft erstmals erwähnt. Foto: Paulaner im Tal

Jahrelang sollen Angestellte in Putzi Holenias Gaststätte "Paulaner im Tal" durch raffinierte Manipulationen Geld in die eigenen Tasche gestopft haben. Schaden: über 200.000 Euro. Tochter Natalie Zarazik (34) ist fassungslos.

München - Die herbe Enttäuschung ist ihr deutlich anzusehen. Natalie Zarazik, (Stief-)Tochter von Putzi Holenia und seit acht Jahren Juniorchefin im Traditionslokal Paulaner im Tal, steht am Donnerstag um die Mittagszeit mit zittrigen Händen in ihrer Gaststätte. „Ich habe überhaupt nichts davon mitbekommen, dass die Polizei gegen unser Personal ermittelt“, sagt die schöne Wirtin ernst zur AZ. „Ich bin auch menschlich wahnsinnig enttäuscht.“

So gut wie jeden Tag ist die 34-Jährige in der Gaststätte, sie hat Seite an Seite mit den Bedienungen und Schankkellnern zusammen gearbeitet – und Vertrauen gehabt. Und nun das. Am Mittwoch kam die Polizei mit Durchsuchungsbeschlüssen zu sechs ihrer Angestellten nach Hause. Der Vorwurf wiegt schwer: Eine Frau (38), vier Männer (31 bis 43) sowie eine Ex-Angestellte (64), die inzwischen im Ruhestand ist, sollen jahrelang an Natalie Zarazik und ihrem Vater vorbei in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Nach AZ-Informationen geht die Kripo von einem Schaden aus, der weit über 200 000 Euro liegt. Die Kellner, der Restaurantfachmann und ein Lagerist machten gemeinsame Sache, sonst wäre der großangelegte Diebstahl nicht möglich gewesen.

„Die Beschuldigten verkauften nicht bonierte Getränke, die sie am Kassensystem vorbeischleusten“, sagt Polizeisprecher Oliver Timper. „Nach derzeitigem Ermittlungsstand haben in den letzten fünf Jahren mindestens sechs Angestellte durch Manipulationen einen sechsstelligen Bargeldbetrag erwirtschaftet, den sie anstatt an den Lokalbetreiber abzuführen, in die eigene Tasche steckten“, so der Polizeisprecher weiter.

Zu Details wollen sich Polizei und auch die Wirtin nicht äußern. Die Ermittlungen laufen noch – möglicherweise hängt noch mehr Personal mit drin. „Die Ermittlungen sind sehr komplex“, sagt ein Ermittler. Am Mittwoch durchsuchten Kripo-Beamte, die auf organisierten Betrug und Diebstahl spezialisiert sind, die Wohnungen der sechs Verdächtigen in München und Oberbayern. Die Polizisten stellten Unterlagen, Bargeld und mehrere Autos sicher, die vermutlich mit dem Geld, das die Verdächtigen durch die nicht bonierten Getränke beiseitegeschafft hatten, gekauft haben.

Die zwei Frauen und vier Männer wurden festgenommen und vernommen. „Sie waren teilweise geständig“, sagt Polizeisprecher Timper. Da alle einen festen Wohnsitz haben, wurden sie nach den polizeilichen Maßnahmen wieder entlassen. Nur zwei der sechs waren schon früher polizeilich in Erscheinung getreten. Gegen einen Restaurantfachmann (31) hatte die Polizei bereits wegen Betruges, Drogendelikten und gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Ein 34-jähriger Lagerist stand schon wegen Diebstahl und Betrug unter Verdacht.

Natalie Zarazik erfuhr am Mittwoch durch die Polizei von den Ermittlungen gegen ihre Angestellten. „Für mich kam das alles aus heiterem Himmel. Wir haben nichts geahnt. Wenigstens ist unseren Gästen kein Schaden entstanden. Geschädigt wurden nur wir als Wirtefamilie.“ Der großangelegte Diebstahl war trotz automatischem Schanksystem möglich. Ein anderer Wirt aus der Innenstadt, der eine ähnliche Anlage hat, sagt: „Obwohl die modernen Systeme immer sicherer werden, gibt es leider immer noch Schwachstellen. Man muss wahnsinnig dahinter sein. In der Gastronomie ist das leider schon immer ein großes Manko.“

Die Gäste im Paulaner im Tal bekamen von alldem nichts mit. Der Betrieb lief weiter, als sei nichts geschehen. Vom Stamm-Personal fehlten am Donnerstag allerdings fünf Angestellte. Die Beschuldigten haben sich alle krankgemeldet.

 
 

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