Paul Breitner wird 60 „Ihr könnt mich alle gern haben“

"Genau der Zug der Zeit"

 

 "Dieses Foto war eine wunderbare Gelegenheit, die Leute zu schocken.

 Und zwar all diejenigen, die mich damals als Kommunist, Leninist oder Maoist beschimpft haben, viele lautstark im Stadion. Natürlich habe ich damals Lenin, Marx und Mao Zedong gelesen – aber das heißt doch nicht automatisch, dass man ein Anhänger der Lehre ist. Ich fand immer: Man hat sich zu interessieren für diese Dinge. Damals wollte ich mich orientieren, mich weiterbilden, habe mich auch über Adenauer und de Gaulle informiert, genau wie über Che Guevara.

Ein wenig Magenschmerzen hatte ich im Nachhinein, weil die Maoisten auch als kriminelle Bankräuber aufgetreten sind, damit wollte ich mich nicht gemein machen. Das Foto wurde bei uns zu Hause in Neubiberg aufgenommen, da ist nichts gestellt, nichts hingeschoben. Wenn man die Tapete anschaut, war das genau der Zug der Zeit. Ich habe mir sogar Tsingtao, ein chinesisches Bier, von einem Händler bestellt.

Mit dem Mao-Bild und der Peking-Rundschau dachte ich mir, den Leuten mit Vorurteilen zu zeigen: Ihr wollt es ja nicht anders, da habt ihr es! Ich habe meine Sturm- und Drang-Zeit ausgelebt. Das hieß: Ihr könnt mich alle gern haben. Ich mache, was ich will. Kritisiert ihr mich nur. Wenn ich dann auf dem Platz meine Leistung bringe, seid ihr wieder so klein mit Hut.“

  

 

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