Paul Breitner Titel? „Brauch’ ich nicht!“

Paul Breitner, hier im Afro-Look vergangener Tage. Foto: Rauchensteiner / Augenklick

Paul Breitner, zuletzt Vorstandsberater und Chefscout, arbeitet nun ohne feste Berufsbezeichnung beim FC Bayern. Hier erklärt er, was seine neuen Aufgaben sind.

 

AZ: Herr Breitner, Sie haben einen neuen Job angenommen beim FC Bayern. Darf man gratulieren?

PAUL BREITNER: Na ja, ich würde das nicht so sehen. Ich habe doch im Grunde immer das Gleiche gemacht.

Dennoch: Die Position des Markenbotschafters, die Sie nun bekleiden, gibt es bisher nicht in der Bundesliga, eher bei Stars und den Firmen, für die diese dann werben.

Man hat jetzt diese Position geschaffen, das ist für mich in Ordnung, das ist mir ganz recht. Was gibt es Schöneres, als für die Marke FC Bayern zu werben? Es ist ein repräsentativer Job. Ich mache das gerne.

Bedeutet das gleichzeitig, dass Sie den inoffiziellen Titel Berater des Vorstands damit abgeben?

Ach, da braucht’s doch keine Bezeichnung, keinen Titel. Ich muss Uli, Kalle und Karl nicht beraten, aber ich werde weiter meine Meinung sagen, wenn sie gefragt ist. Wir kennen uns alle so lange. Ich bin auch kein so genannter Chef-Scout mehr.

Ist das nun eine Art Rückzug aus dem Tagesgeschäft?

Nein, ich bin genau so viel unterwegs wie vorher. Für unsere Partner, allesamt Weltkonzerne, bin ich viel auf Reisen. Ich mache das gerne. Die obersten Vertreter unseres Vereins mit Kalle, Karl und Uli haben doch im Tagesgeschäft mit dem FC Bayern genug zu tun. Darüber hinaus sind sie in Gremien des DFB, der DFL oder der Uefa vertreten.

Markenbotschafter ist nicht Ihr einziger Job.

Richtig. Außerdem betreue ich ja auch unsere Allstar-Mannschaft. Wir haben einen Kader von 25 bis 30 Spielern, da muss man dann immer mal wieder abklopfen, wer Zeit hat.

Sie nennen die Truppe, gerne „Oldstars“ – und haben Ende Mai im strömenden Regen mit 3:7 gegen ein Real-Team verloren, das gespickt war mit absoluten Weltstars wie Zinedine Zidane und Luis Figo – und das vor unglaublichen 80354 Zuschauern.

Das Spiel im Bernabeu gegen Real war für alle, aber wirklich für alle Ehemaligen unter uns das größte Erlebnis nach dem Ende der Karriere.

Sie wollten ja kaum vom Platz, haben lange durchgehalten.

Doch, doch. Ich gehe auch nur einmal pro Woche laufen. Wir hatten 18 Feldspieler dabei, jeder sollte mal in den Genuss dieses Spiels kommen.

Den Job des Allstar-Kapitäns haben Sie von Martin Hägele übernommen, der sich jetzt als Manager für internationale Beziehungen um alles rund um den Japaner Takashi Usami kümmert.

Es gibt pro Jahr sechs bis acht Spiele der Allstars, von April bis Oktober, mittlerweile fast alle im Rahmen von Sponsorenverträgen oder für unsere Fans – das Geld geht an den FC Bayern München Hilfe e.V. Dabei helfen mir die entsprechenden Mitarbeiter aus der Sponsoring- oder Fanklubabteilung, bei denen auch die Anfragen für solche Spiele eingehen, vor allem Raimond Aumann. Übrigens: Mir wird sicher nicht langweilig. Ich habe noch ein ehrenvolles Amt übernommen.

So? Welches denn?

Ich bin Finalbotschafter für München 2012.

Für das Champions-League-Finale in der Allianz Arena?

Genau, und damit in der Tradition von Gary Lineker, der Finalbotschafter des diesjährigen Finals in Wembley war. Oder wie Ex-Real-Star Emilio Butragueño für das Endspiel, das wir 2010 in Madrid mit 0:2 gegen Inter Mailand verloren haben.

Wie bewerten Sie den FC Bayern zwei Wochen vor dem Bundesliga-Start?

Als ich 2007 wieder zum FC Bayern zurückgekehrt bin, war das gleich meine schönste Zeit. Wir haben Ribéry, Toni, Klose und all die anderen verpflichtet, sind am Ende der Saison Double-Sieger geworden.

Sie sehen also eine Parallele zur Einkaufstour in diesem Sommer – für Neuer, Boateng, Rafinha, Petersen und Usami wurden 44,1 Millionen Euro ausgegeben.

Ja, und ich erwarte und hoffe, dass wir am Ende der Saison souverän und überzeugend Deutscher Meister werden. Das ist die Basis, das ist wie in all den Jahren der wichtigste Titel. Es geht darum, Dominanz zu zeigen, im eigenen Land, in der eigenen Liga vorneweg zu marschieren. Das wünschen sich alle Fans.

Und in der Champions League wäre es doch wünschenswert, wenn der Finalbotschafter die eigene Mannschaft bis zum letzten Spiel begleiten könnte.

Das Motto heißt doch immer: So weit die Füße tragen. Ganz logisch, das Finale wäre das Schönste. Aber in der Champions League kannst du einen schlechten Tag eben nicht ausgleichen wie in der Liga. Eine Unaufmerksamkeit, eine Unkonzentriertheit – und du bist raus. Siehe das 2:3 im März gegen Inter Mailand.

 

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