Patient klagt vor Oberlandesgericht Klinik will Leber nicht verpflanzen: „Sie sind zu fett”

Vater und Sohn: Sebastian B. spendete seinem kranken Vater einen Teil seiner Leber. Foto: John Schneider

40000 Euro Schmerzensgeld will Karl-Heinz B. (66) von einer Münchner Klinik. Ärzte hatten seine Behandlung abgelehnt - die Begründung: „Sie sind zu fett”

 

München - 40000 Euro Schmerzensgeld will Karl-Heinz B. (66) von einer Münchner Klinik. Die Ärzte hatten 2004 eine Lebendtransplantation für die Behandlung seines sechs mal sechs Zentimeter großen Leberkarzinoms abgelehnt. Begründung: „Sie sind zu fett!” Stattdessen empfahlen sie eine Chemotherapie und die Transplantation der Leber eines Toten. Doch auf diese hätte der Aachener Arzt lange warten müssen.

Dabei waren der Sohn des Patienten und seine Sprechstundenhilfe bereit, sofort Teile ihrer Leber zu spenden. Trotz des Risikos. Nicht jeder Spender überlebt den Eingriff. Die Mortalitätsrate liegt bei 0,5 bis ein Prozent. Einer der damals behandelnden Ärzte glaubt, dass die Dunkelziffer sogar noch höher sei, er geht von bis zu drei Prozent aus. Das sei eigentlich nicht akzeptabel, schließlich handele es sich um gesunde Menschen.

Vor dem Hintergrund des Organspendeskandals kritisierte er Kollegen, die allzu oft Organe von Lebenden verpflanzen und dafür notfalls auch die Prioritäten-Liste von Eurotransplant manipulieren. Nämlich dann, wenn es Probleme mit der Lebendtransplantation gibt. „Das System funktioniert aber nur, wenn sich alle an die Regeln halten.” Wie in München.
Im Fall von Karl-Heinz B. funktionierte die Lebend-transplantation aber gut. Seinem Sohn Sebastian B. (29) wurde im Januar 2005 in Berlin ein Teil der Leber entnommen und dem Vater implantiert. „Die Bereitschaft, ihm meine Leber zu spenden, war früh da.” Die Leber ist nachgewachsen, nur anfangs musste er auf Alkohol und Sport verzichten. „Mir geht’s gut.”
Hätte man seinem Vater damals in München gesagt, dass er anderswo, in Berlin, Hamburg oder Hannover, durchaus Chancen auf die Lebendtransplantation gehabt hätte, wäre der Aachener wohl zwei Monate früher operiert worden.

Karl-Heinz B. leidet bis heute. Immer wieder bricht er in Tränen aus, wenn er sich an die Ereignisse erinnert. Psychiater haben bei ihm eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert.
Gestern der nächste Schlag: Maria Vavra, Vorsitzende Richterin am Oberlandesgericht, fällte zwar kein Urteil, erklärte aber, dass die Beweislast für einen Aufklärungsfehler beim Kläger liege. „Dieser Beweis ist Ihnen heute nicht gelungen.” Völlig frustriert packte Karl-Heinz B. seine Akten zusammen. 

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