Passau Scharfrichterbeil für Lucy van Kuhl alias Corinna Fuhrmann

Gewinnerin Corinna Fuhrmann alias Lucy van Kuhl. Foto: Tobias Köhler

Lucy van Kuhl ist erst die dritte Frau, der es in 36 Jahren schafft, das Scharfrichterbeil in Passau zu gewinnen.

 

Sie war der Publikumsliebling beim Wettbewerb um das Scharfrichterbeil in Passau. Mit deutlichem Vorsprung gewann sie das Zuschauervotum, das zum Einsatz kommt, falls die Jury keine Einigung findet. Schließlich aber entschied sich auch die Expertenrunde für Lucy van Kuhl. Damit ist sie die erst dritte weibliche Trägerin des großen Scharfrichterbeils in 36 Jahren nach Bärbel Schmid (1995) und Luise Kinseher (1999).

Die gebürtige Kölnerin mit dem bürgerlichen Namen Corinna Fuhrmann ist eine virtuose Klavierspielerin mit klassischer Ausbildung und eine Textdichterin mit verschmitztem Witz, beherrscht aber auch die gefühlvollen Töne. So heißt es in der Begründung für den ersten Platz: Sie erreiche "ihr Publikum durch ihre natürlich-authentische Art. Man findet sich in ihren Liedern wieder, in den kleinen Tücken des Alltags, die sie ironisch besingt, aber auch in ihren ehrlich ruhigen Chansons."

Ein musikalischer Jahrgang

Mit dem Song "Zu viel Auswahl" erzählt sie vom ganz normalen Konflikt, sich entscheiden zu müssen, ob im Technikmarkt, im China-Restaurant und bei Männern. Und sie schildert eine Liebesgeschichte zwischen Reisekoffern, an deren Ende ein Markengepäckstück von Rimowa eine heiße Samsonite erlebt. In den stilleren Chansons wie in "Letzter Sommertag", das sie als Zugabe nach der Preisverleihung vorstellte, lässt sich auch ihr Mentor Konstantin Wecker durchhören. Bei dessen Label "Sturm & Klang" hatte sie in diesem Jahr ihr Album "Dazwischen" veröffentlicht.

Auch sonst war der Jahrgang 2019 beim Passauer Brettl-Preis musikalisch. Platz drei blieb in Niederbayern. Mathias Kellner aus Straubing gibt zwar mit der Bewerbung um das Schafrichterbeil sein Debüt als Kabarettist, ist aber als Liedermacher mit acht Studioalben kein unbeschriebenes Blatt mehr. Im Deutschen Theater hatte der 35-Jährige im vergangenen Jahr bei der Wiederbelebung von "Der Watzmann ruft" den Part von Wolfgang Ambros übernommen. Seine Konzerte moderierte er ohnehin mit amüsanten Storys, aus der Jugendzeit im Städchen Bogen. Die Lieder zeigen ihn als ehrliche Haut voll von menschenfeundlicher Melancholie.

Vegetarisches Flaschenbier

Das Scharfrichterbeil im mittleren Format erhielt der Österreicher Didi Sommer andererseits völlig ohne Musik. Die erste Szene seines Auftretens war sogar ohne Worte. Der mit 44 Jahren älteste Mitstreiter schlüpft in die Figur des Pirklhauer-Willi, einem Bauern im Mühlviertel. Auch dort ist inzwischen die gesunde und fleischlose Ernährung angekommen, und so erklärt er seinen ganz speziellen Vegetarismus bei Flaschenbier, Landbrot und einem großen Stück Schweinespeck. Irgendwo zwischen Helmut Qualtinger und Alfred Dorfer irrlichtert Sommer durch den bäuerlichen Mikrokosmos seiner Heimat.

Die zweite Frau der Show, die vom Münchner Kabarettisten Holger Paetz moderiert wurde, war die Münsteraner Poetry-Slammerin und Autorin des Romans "Eddie muss weg", Katinka Buddenkotte. Mit ihren grotesken Alltagsgeschichten blieb sie preislos wie Rudi Schöller, der zweite Österreicher des Abends. Die Hälfte des einstigen Kabarettduos Schöller & Bacher, der zum Autorenteam des ORF-Quotenhits "Wir sind Kaiser" gehört, ging gleichfalls leer aus. Wenig Chancen hatte auch Jakob Schwerdtfeger mit einem für die Kleinkunst-Formate ungewöhnlichen kunstpädagogischen Ansatz.


 
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