Pasinger Fabrik Eine Ausstellung über die Beatles

Die Beatles in München: Fotos aus der Ausstellung in der Pasinger Fabrik. Foto: Pasinger Fabrik

„One Day In Life“ – das gibt’s nur einmal! Eine fabelhafte Ausstellung in der Pasinger Fabrik erinnert an das legendäre Konzert der Beatles vor 54 Jahren im Circus Krone

 

One Day In Life“ nennt Herbert Hauke, Gründer des Rockmuseums München, den zentralen Teil seiner Beatles-Ausstellung in der Pasinger Fabrik. Hauke spielt damit auf den Lennon-McCartney Song „A Day In The Life“ aus dem „Sgt. Pepper“ Album an, meint aber einen ganz bestimmten Tag, nämlich den Freitag, 24. Juni 1966. Damals machten die Fab Four München unsicher. Die Vorberichterstattung war groß, die Nervosität bei der Polizei ebenso: 250 Uniformierte standen bereit, als die „Liverpooler Mähnenlöwen“ bayerischen Boden betraten. Sollten tatsächlich auch die „Münchner Madeln“ in Ekstase geraten und zu Hyänen werden? Das befürchtete jedenfalls die Presse.

Die Zeichen an der Isar standen auf Jubel, Trubel und Sturm, als vor 54 Jahren die vier Pilzköpfe im Rahmen der „Bravo Beatles Blitztournee“ am Flughafen Riem landeten. Insgesamt fanden sechs Konzerte in drei Städten statt. Nach München waren Essen und Hamburg an der Reihe. Fotograf Rainer Schwanke war dabei, als Fans und Medienvertreter direkt auf dem Rollfeld in Riem ihre Stars empfingen. Die ersten Interviews fanden schon auf der Gangway statt. Schwankes Bild hängt nun großformatig in Pasing. Der Zeitzeuge ist bei der Vernissage anwesend und schwelgt in Erinnerungen. „Es war hektisch“, lacht er. Die Abendzeitung berichtete, mit welchen Maßnahmen die Ordnungshüter allzu stürmischer Beatbegeisterung begegnen wollten. Konzerttickets erzielten auf dem Schwarzmarkt Preise von bis zu 400 D-Mark. Das „8 Uhr Blatt“ der AZ titelte am 24. Juni 1966: „Beatle-Kartenfälscher in Schwabing verhaftet“.

Entgegen aller Befürchtungen blieb es aber verhältnismäßig ruhig. Und auch die angekündigte Bombe platzte nicht: Die Beatles spielten in Deutschland noch keine Songs aus ihrem soeben fertiggestellten und streng geheim gehaltenen Album „Revolver“, das dann Ende Juli erschien. Im Vorfeld war viel von der neuen „Mischung aus Beat, elektronischen Effekten und alter indischer Volksmusik“ die Rede: „Wichtige Beiträge zum neuen Beatles-Sound konnte George Harrison liefern. George war Mitglied der Englisch-indischen Freundschaftsgesellschaft und hatte dadurch Gelegenheit, die indische Folklore bestens kennenzulernen“, schrieb rechtzeitig zum München-Besuch die „Bravo“.

Der Wendepunkt

Kurator Herbert Hauke betont, zu welch entscheidender Zeit die Fab Four in der Isar-Metropole waren: „Das war ein Wendepunkt. Von den Live-Auftritten waren sie frustriert. Sie konnten sich vor lauter Gekreische selbst nicht mehr hören. Die Vox-Lautsprecher auf der Bühne mit 600 Watt reichten längst nicht mehr aus. Die Studio-Arbeit wurde in jener Zeit immer wichtiger.“ Schon Ende August war es dann definitiv vorbei mit Beatles-Tourneen. Umso bedeutsamer ist es, den besonderen Tag in München detailliert darzustellen. Dazu gehören auch die wenigen Sekunden, in denen sich die Beatles am Fenster des Bayerischen Hofs zeigten.

„Beatles in Munich“ lautet das Motto der Ausstellung, die jedoch darüber hinaus noch sehr viel mehr bietet: Hörbeispiele, Filme, Goldene Schallplatten, Instrumente oder Devotionalien aller Art aus allen Schaffensphasen der Fab Four und auch aus ihrer Zeit nach der Trennung. Zu den Höhepunkten der Ausstellung gehört die minutiöse Rekonstruktion des Amsterdam Hilton Hotel Room 702, in dem vom 25. bis 31. März 1969 das „Bed In for Peace“ von Yoko Ono und John Lennon stattfand. „Ich habe die Heizkörper hier in Pasing gesehen. Das sind fast dieselben wie damals in Amsterdam“, erklärt Hauke, der daraufhin bis auf das letzte Flower-Power-Blütenblatt die historische Szenerie nachbildete.

Auf das Bett sollen sich die Besucher nicht legen und die Gitarre sollen sie nicht anfassen, aber „Give Peace A Chance“ dürfen sie mitsingen. Partizipation wird in Pasing groß geschrieben: Selfies auf dem Zebrastreifen gehören ebenso dazu wie die obligate Kritzelei auf dem Abbey Road-Straßenschild. „Think big“, hat sich Hauke gedacht und ikonische Bildmotive stark aufgeblasen. Hauke hat sein Archiv durchforstet und durch etliche Leihgaben ergänzt, um an die Beatlemania zu erinnern.

Über die Feuerleiter ins Freie

Ergänzt wird die Ausstellung durch handsignierte Fotografien von May Pang und Nancy Lee Andrews. Die limitierte Verkaufsedition hat Matthias Grenda initiiert, der Organisator der Nordwalder Biografietage. Dorthin hatte er vor Jahren die Geliebten Lennons (May Pang) und Starrs (Nancy Andrews) eingeladen, um ihre Beziehungen zu den Superstars besser zu verstehen. Die Fotos haben einen privaten Charakter, befinden sich in einem gesonderten Raum und ergänzen auf stille Weise Haukes Exponate. Vielversprechend sind zudem die Beatles-Erinnerungen von Ulrich Handl, die ab 15. Juli im Lichthof und in der Bar zu sehen sein werden.

Das Hygiene-Konzept wird in der Pasinger Fabrik streng beachtet, stößt aber bei Avantgarde-Kunst an ihre Grenzen. Einigen Besuchern ist nicht klar, dass sich der neue Ausgang im hinteren Teil der Ausstellung befindet. Über die Feuerleiter geht es zurück ins Freie. Die Routine der Gäste ist jedoch zu groß: Sie gehen zurück an die schön dekorierte Kasse, um dort vielleicht auch noch als Souvenir ein Buch zu kaufen.

Um das Problem zu verdeutlichen, nimmt ein pflichtbewusster Haus- und Bühnentechniker der Pasinger Fabrik bei der Vernissage kurzerhand ein Exponat, verschiebt es in die Mitte des Raums und beschriftet es groß mit dem Wort „AUSGANG“ samt Pfeil. Beim Exponat handelt es sich um eine Imitation der Leiter, die Yoko Ono 1966 in der Indica Gallery in London ausstellte. Die Leiter war der Auslöser dafür, dass sich John Lennon für die japanische Künstlerin zu interessieren begann. Er stieg die Leiter hoch, und oben an der Decke stand in Yokos Handschrift „Yes“ geschrieben. „Yes“ steht auch an der Decke in Pasing und die Leiter steht wieder an ihrem richtigen Platz.

Es ist hier ein fabelhaftes temporäres Beatles-Museum mit vielen Unikaten entstanden, das Nostalgiker ebenso begeistert wie neugierige Nachgeborene, die sich zum ersten Mal auf die „Magical-Mystery Tour“ begeben wollen.

„Beatles in Munich“ – „One Day In Life“ und „About Love“, noch bis zum 13. September, Di bis So 16 – 20 Uhr, Pasinger Fabrik, August-Exter-Str. 1, www.pasinger-fabrik.de

 

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