Panorama Wie im Fernsehen: Intrige in feinsten Kreisen

Liliane Bettencourt Foto: dpa

PARIS - Die Tochter der L’Oréal-Erbin Bettencourt will ihre Mutter entmündigen lassen – es geht um Millionen-Geschenke an einen Jet-Set-Fotografen und die Abhör-Aktion eines Butlers.

 

Der Stoff hat alles, was es zu einem großen TV-Gesellschaftsdrama benötigt: Eine Milliardenerbin, einen Jet-Set-Liebling, dem sie immer wieder Millionen zusteckt, eine um ihr Erbe besorgte Tochter, von einem Ex-Butler heimlich abgehörte Telefongespräche – und sogar die Einmischung von Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Doch der Reihe nach.

Liliane Bettencourt ist 87 Jahre alt und die Erbin des riesigen Kosmetik-Konzerns L’Oreal. Ihr Lebensabend könnte so schön sein, doch die alte Dame muss gerade mächtigen Ärger über sich ergehen lassen: Ihre Tochter Francoise (57) wirft der Mutter seit Jahren vor, viel zu großzügig mit ihrem Geld um sich zu werfen – und so das Erbe von Francoise zu schmälern.

Über ein Jahrzehnt hinweg soll Liliane dem Fotografen und Schriftsteller Francois-Marie Banier Geschenke im Wert von fast einer Milliarde Euro gemacht haben. Der Mann habe, so der Vorwurf von Francois, eine Geistesschwäche ihrer Mutter ausgenutzt. Die 57-Jährige reichte Klage ein, will Liliane die Vermögensverfügungen entziehen lassen – der Prozess soll in der ersten Juliwoche stattfinden.

Die Mutter erklärt das alles für „Quatsch“. Die Frau, deren Vermögen auf 20 Milliarden Euro geschätzt wird und die in einer herrschaftlichen Villa im Pariser Nobel-Vorort Neuilly-sur-Seine lebt, will von Altersschwäche nichts wissen. Über ihre Anwälte lässt sie verbreiten, sie habe die Geschenke alle freiwillig gemacht. Doch daran sind jetzt Zweifel aufgetaucht.

Ein Ex-Hausangestellter hat in der Villa heimlich Telefongespräche mitgeschnitten. Laut den der Tochter zugespielten Bänder musste sich die greise Französin zum Beispiel von ihrem Vermögensverwalter darauf hinweisen lassen, dass sie in ihrem Testament ihr gesamtes Vermögen dem Fotografen Banier zugesprochen hat. Auch auf zwielichtige Finanzgeschäfte, Justizkungeleien und Bereicherungsversuche von Vertrauten lassen die Gesprächsaufzeichnungen schließen.

Doch längst ist aus dem Rechtsverfahren eine Staats-Affäre geworden, in der sich sogar Präsident Sarkozy eingeschaltet hat.

Zum einen ist Frankreichs Arbeitsminister Eric Worth verwickelt: Seine Frau kümmert sich mit Anderen um Bettencourts Finanzen, sein name tauch in den Protokollen auf. Außerdem will Sarkozy verhindern, dass nach dem Tod der 87-Jährigen große Anteile des Konzerns in die Schweiz verkauft werden – an Nestlé. Ob bereits Drehbuchautoren an dem Stoff arbeiten, ist nicht bekannt.mh

 

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