Panorama Wärmer und sonniger: So ist das Wetter wirklich

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HAMBURG/MÜNCHEN - Die erste umfassende Klimastatistik für Deutschland ist veröffentlicht. Mit teilweise überraschenden Ergebnissen: In München ist es zum Beispiel überdurchschnittlich sonnig – aber auch am kühlsten.

 

Von Klimaerwärmung kann ja derzeit nicht die Rede sein. Und von einem sonnigen Sommer vielleicht erst wieder ab dem Wochenende. Trotzdem entwickelt sich das Klima in unseren Breiten in diese Richtung. Das hat jetzt die erste große Datenauswertung des Institutes für Wetter- und Klimakommunikation (IWK), im Auftrag von „Spiegel online“, ergeben.

„Es ist wärmer und sonniger geworden in Deutschland“, bilanziert IWK-Chef Frank Böttcher. Und: Man muss mit lieb gewonnenen Vorurteilen aufräumen, zum Beispiel dass der Süden sonniger ist und es im Norden am meisten regnet.

Verglichen wurden die letzten 20 Jahre mit der Periode von 1961 bis 1990. Am gravierendsten sind die Auswirkungen im Frühjahr. Es ist im Vergleich zu früherem Durchschnitt fast ein Grad wärmer. Dadurch erwacht die Vegetation früher aus ihrem Winterschlaf.

Die Sommer sind deutlich wärmer geworden, vor allem der August. Dafür ist er häufig regnerischer als früher – allerdings von Region zu Region sehr unterschiedlich.

Wo ist es am wärmsten? München und Südbayern liegen bei der aufs Jahr gerechneten Durchschnittstemperatur mit 8,5 Grad Celsius an der letzten Stelle. Am wärmsten ist es mit 10,7 Grad an Rhein und Ruhr.

Das schlechte Abschneiden Münchens hat natürlich mit den wesentlich kälteren Wintern und der größeren Höhe über dem Meeresspiegel zu tun. Aber auch hier ist die Erwärmung in den letzten 30 Jahren spürbar: um durchschnittlich 0,6 Grad. Und die weißblauen Sommer sind sogar um ein Grad wärmer geworden.

Wo scheint am meisten die Sonne? Ganz eindeutig im Hohen Norden. An Nord- und Ostsee gibt es mit 1757 und mit 1737 eindeutig die meisten Sonnenscheinstunden pro Jahr. Aber auch München liegt mit 1719 strahlend schönen Stunden weit über dem Durchschnitt. In Nordrhein-Westfalen gibt es zum Beispiel nur 1542 Stunden Sonnenschein.

Das sind fast 20 Tage weniger als in München, wenn man eine tägliche Sonnenscheindauer von rund neun Stunden rechnet.

Sehr sonnenreich sind bei uns vor allem die Sommermonate, wenn auch getrübt durch häufige und sehr ergiebige Gewitter, speziell im Großraum München – Augsburg.

Ein Trend zu mehr Sonne gibt es im südlichen Bayern auch im Winter. Das ist dem an Häufigkeit zunehmenden Föhn zu verdanken. „Im Januar und Februar können sich die Münchner über zehn bis 20 Prozent mehr Sonne freuen als noch im Zeitraum zwischen 1961 und 1990“, sagt der Meteorologe Frank Böttcher. Der Bundestrend ist ähnlich.

Wo regnet es am meisten? Hier gibt es bundesweit das größte Gefälle. Die meisten Niederschläge gibt es im Saarland und Rheinland-Pfalz mit 885 Millimeter Regen pro Jahr – immerhin fast ein Meter. Überdurchschnittlich ergiebige Regenfälle gibt es leider auch in der bayerischen Landeshauptstadt. Hier fallen pro Jahr 764 Millimeter. Das ist dem Stauraum der Alpen zu verdanken und auch den heftigen Wolkenbrüchen im Sommer. Auch wenn man es im Moment nicht meinen kann: „Eine Entwicklung zu mehr Niederschlägen ist jedoch nicht zu erkennen“, sagt Böttcher.

Bekannt trocken ist es in Franken, vor allem weil Sommergewitter weniger heftig ausfallen. Es fällt 636 Millimeter Regen. Noch weniger sind es nur in Sachsen und Thüringen mit 556 Millimeter. Vielleicht können wir denen ein bisschen abgeben. mh

 

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