Panorama Radarsatellit für 3D-Vermessung fliegt ins All

Eine russische Dnjepr-Trägerrakete hebt vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ab. An Bord ist der Radarsatellit Tandem-X. Foto: dpa

MOSKAU - Bilderbuchstart für ein ambitioniertes Projekt: Der deutsche Radarsatellit «Tandem-X» zur dreidimensionalen Vermessung der Erde hat die vorgesehene Umlaufbahn erreicht.

 

Die russisch-ukrainische Trägerrakete Dnjepr mit dem 1,3 Tonnen schweren Satelliten an Bord hob am Montagmorgen um 4.14 Uhr MESZ planmäßig vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan zu ihrer Mission ab. Schon eine gute halbe Stunde danach wurden erste Signale empfangen und gesendet, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mitteilte.

Zusammen mit seinem baugleichen Zwilling «Terrasar-X» soll «Tandem-X» drei Jahre lang die Erde umrunden und dabei Daten für das weltweit einzigartige dreidimensionale Modell in bisher unerreichter Genauigkeit sammeln. Die Satelliten würden Radarwellen aussenden und die Reflexion messen, sagte DLR-Vorstandschef Johann-Dietrich Wörner dem Radiosender MDR Info. Deshalb seien sie unabhängig von Tag und Nacht oder auch vom schlechten Wetter.

Die «Tandem-X»-Mission kostet insgesamt 165 Millionen Euro. Davon trägt das DLR 125 Millionen Euro, 40 Millionen kommen vom europäischen Raumfahrtunternehmen Astrium.

«Terrasar-X» liefert schon seit 2007 Daten aus dem All. Sie zeigten unter anderem die Geländeverschiebungen nach dem Erdbeben auf Haiti und nach dem massiven Tagebau-Erdrutsch in Nachterstedt in Sachsen-Anhalt.

«Tandem-X» und «Terrasar-X» werden nun die komplette Erdoberfläche von 150 Millionen Quadratkilometern dreidimensional vermessen. Die beiden Satelliten fliegen in 154 Kilometern Höhe eng nebeneinander mit einem Tempo von 28 000 Stundenkilometern um die Erde. Sie können so zeitgleiche Aufnahmen des Geländes aus verschiedenen Blickwinkeln liefern.

Aus den Daten soll binnen drei Jahren das digitale 3D-Modell der Erde ohne Brüche an regionalen oder Ländergrenzen entstehen. Deutschland werde damit über ein weltweit einmaliges Datenprodukt verfügen, hieß es. Die Genauigkeit beträgt drei bis fünf Meter - das Modell wird damit so detailliert sein wie kein anderes, das von einem Satelliten erstellt wurde.

Die Daten können unter anderem zur Städteplanung, Geländenutzung oder in Katastrophenfällen verwendet werden. Neben wissenschaftlichen und sicherheitsrelevanten Anwendungen sollen sie über eine Astrium-Tochter weltweit auch kommerziell vermarktet werden. Schon jetzt gibt es nach DLR-Angaben 30 kommerzielle Kunden.

«Tandem-X» wie auch «Terrasar-X» wurden in einer öffentlich- privaten Partnerschaft zwischen DLR und der Astrium in Friedrichshafen gebaut. Der Start von «Tandem-X» war zweimal verschoben worden, laut DLR einmal wegen Problemen mit einer Rakete und ein weiteres Mal wegen eines nochmaligen Sicherheitschecks. In einer umfangreichen Testreihe war zuletzt im Raumfahrttestzentrum des Technikdienstleisters IABG in Ottobrunn bei München die Weltraumtauglichkeit des Satelliten geprüft worden, bevor er nach Baikonur gebracht wurde.

dpa

 

0 Kommentare