Panorama ICE-Notfalltest im Ärmelkanal

Illustration Foto: dpa

Rund 300 Freiwillige beteiligten sich in der Nacht auf Samstag an dem Test: Im Eurotunnel bleibt ein ICE testweise liegen, die Evakuierung klappt. In Leipzig gibt’s eine echte Panne, die Fahrgäste sitzen fest.

 

LONDON/LEIPZIG Was passiert, wenn ein ICE im Eurotunnel unter dem Ärmelkanal liegen bleibt? Noch ist diese Frage rein hypothetisch, denn nur TGV-Züge befahren derzeit die Route. Doch geht es nach der Deutschen Bahn und Siemens, queren ab 2013 auch ICEs den Ärmelkanal in Richtung London. Um zu zeigen, dass das Bahn-Konzept auch im Notfall funktioniert, hat am Wochenende ein Evakuierungstest stattgefunden.

Rund 300 Freiwillige, vor allem britische Schüler und Studenten, beteiligten sich in der Nacht auf Samstag an dem Test. In dem Notfall-Szenario blieb der bis zu 330 Kilometer schnelle Hochgeschwindigkeitszug mitten im Tunnel liegen. Nun ging es darum, die Passagiere aus dem 50 Kilometer langen Tunnel in Sicherheit zu bringen. Die Evakuierung begann um 0.30 Uhr, dreieinhalb Stunden später war die Aktion beendet und der Zug kehrte ins französische Coquelle zurück. Die Übung sei gut verlaufen, so eine Eurotunnel-Sprecherin.

Bereits am vergangenen Mittwoch war zum ersten Mal ein ICE 3 ein Stück weit in den Tunnel gefahren. Weitere Tests laufen, am Dienstag soll der Zug die komplette Strecke nach London zurück legen. Die Tests sind unter anderem nötig, weil der bisherige alleinige Anbieter Alstom Sicherheitsbedenken gegen die Bahn ins Spiel gebracht hatte. Grund für den Schachzug: Am Donnerstag hatte der Eurotunnel-Betreiber Eurostar angekündigt, einen Auftrag für neue Züge im Wert von rund 600 Millionen Euro an Siemens zu vergeben. Anders als Alstom mit seinen 400 Meter langen TGVs will die Deutsche Bahn allerdings keine durchgängigen Züge einsetzen. Sie plant den Köln-London-Verkehr mit zwei aneinander gekoppelten 200 Meter langen ICE 3. Mit der jetzigen Evakuierung hat die Bahn gezeigt, dass sie die Sicherheitsauflagen für den Eurotunnel erfüllt.

Eine solche Aktion konnten sich ICE-Fahrgäste in Leipzig am Freitag nur wünschen: Ihr Zug steckte am Nachmittag in einem Tunnel des Leipziger Hauptbahnhofs fest. Sie mussten zwei Stunden ausharren, ehe eine Diesellok den ICE in den Bahnhof zog. Verletzt wurde niemand. Als Grund für den Zwischenfall nannte die Bahn eine technische Störung am Zug.

Der Vorfall ereignete sich kurz nach 14 Uhr bei der Einfahrt in den Kopfbahnhof. Züge aus Richtung Dresden, die später Richtung Erfurt und Frankfurt/Main weiterfahren, müssen dabei einen 168 Meter langen Tunnel passieren. In dem Tunnel liegt kein Strom an, Züge rollen durch ihn nur noch bis zum Bahnsteig hindurch. Der betroffene ICE 1546 Dresden-Leipzig-Frankfurt setzte seine Fahrt um 16.23 Uhr fort.

In diesem Jahr sind schon mehrfach ICEs in Tunneln liegen geblieben und auch die Klimaanlagen sorgten für Ärger. So blieb im August ein ICE mit 420 Fahrgästen bei Vaihingen an der Enz in Baden-Württemberg stecken – weil auch noch die Klimaanlage ausfiel, mussten mehrere Fahrgäste später medizinisch versorgt werden. Schon einen Monat früher fiel im ICE Hannover Köln die Klimaanlage aus, dutzende Menschen kollabierten.

V.Assmann

 

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