Panorama Gutjahrs Medienkolumne: Mein Freund, der Chef

Richard Gutjahr Foto: az

Neulich ist mir was Blödes passiert. Mein Chef wollte mein Freund werden. Bei Facebook. Warum will der mich zum Freund? Hat der nicht genug? Oder will er wissen, mit wem ich so verkehre? Darf man die Freundschaftsanfrage seines Chefs ausschlagen? Und wenn ja, sind wir dann Feinde?

 

Facebook statt Parteibuch, so werden heute Karrieren gemacht! Ich sehe schon die Ankündigung: „Gutjahr und der Boss sind jetzt Freunde. 7 Kollegen gefällt das, bis auf Meier, der findet, Gutjahr ist ein Schleimer!“

Facebook wird mir unheimlich. Nicht wegen des Datenschutzes, sondern wegen dieser nervigen Mafia-Clans. Unerwünschte Bandenwerbung, dagegen sollte die Frau Aigner mal was unternehmen! Und dann diese Selbsttests: „Welche Stadt passt zu Dir?“ Kapstadt oder Karstadt, wen interessiert das?

Gibt es eigentlich ein Anti-Facebook, für Leute, die man nicht mag? Und wenn ja, wie würde man seine Mitmenschen dazu einladen? Mit der Frage: Möchtest Du mein Feind sein?

Die Freundschaftsanfrage meines Chefs habe ich dann am Ende übrigens ignoriert. Neulich ist er mir auf dem Gang begegnet. Er ging an mir vorbei – grußlos.

Es heißt, das Internet vergisst nie. Mein Chef leider auch nicht.

Richard Gutjahr schreibt jeden Freitag für die Abendzeitung über digitalen Lifestyle – das Leben mit dem Computer.

 

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