Panorama Familien-Safari in den Tod

Illustration Foto: AP

TRIPOLIS - Der einzige Überlebende des Flugzeugabsturzes von Tripolis war mit den Eltern und einem Bruder unterwegs. Mindestens ein Deutscher unter den Opfern. Die genaue Unglücksursache ist unklar

 

Es geht Ruben gut, den Umständen entsprechend. Der neunjährige holländische Bub, der als einziger Passagier den Flugzeugabsturz in Libyen überlebte, atmet normal, seine inneren Organe sind intakt. Nur die vier Knochenbrüche an den Beinen werden ihm noch länger zu schaffen machen – und der Schock nach dem tragischen Ende des Afriqiyah-Airways-Fluges von Johannesburg ins lybische Tripolis.

103 Menschen kamen durch den Crash beim Landeanflug des A330 ums Leben, darunter mindestens ein Deutscher und zwei Österreicher. Rubens Eltern waren an Bord, außerdem ein elfjähriger Bruder. Die Familie war anlässlich des Hochzeitstages der Eltern in Südafrika auf Safari.

Viele der Passagiere wollten von Johannesburg via Libyen nach London, Brüssel, Düsseldorf oder Paris fliegen. In Den Haag hieß es, zwei niederländische Reisegruppen mit insgesamt 61 Touristen gehörten zu den Opfern. Sie und neun weitere Holländer waren auf dem Weg nach Brüssel und Düsseldorf. Den Haag setzte an öffentlichen Gebäuden die Fahnen auf Halbmast.

Noch ist nicht klar, wie es zu dem Absturz kam. Offensichtlich verfehlte der Pilot die Landebahn des Flughafens. Einen Terroranschlag schlossen die libyschen Behörden aus. Ein Augenzeuge will gesehen haben, wie kurz vor dem Aufprall Flammen aus einem Triebwerk schlugen.

Afrika gilt weltweit als Kontinent mit den höchsten Unfallzahlen im Luftverkehr. Er ist geplagt von mangelhafter Radar-Überwachung, schlechter Infrastruktur und oft auch veraltetem oder schlecht gewartetem Fluggerät. Experten schätzen, dass die Wahrscheinlichkeit eines Absturzes in Afrika sechsmal höher ist als anderswo.

Etwa ein Viertel aller Flugunfälle weltweit passiert dort – obwohl Afrika gerade mal drei Prozent des weltweiten Flugverkehrs stellt. Trotz eines Grundsatzabkommens zur Liberalisierung des afrikanischen Luftverkehrs fliegen die – meist staatlichen - Fluggesellschaften zudem in einem stark regulierten Markt. 

Allerdings ist die lybische Fluggesellschaft Afriqiyah bisher nicht durch laxen Umgang mit Sicherheitsvorschriften aufgefallen und fliegt mit modernen Jets. Die Europäischen Agentur für Flugsicherheit mit Sitz in Köln berichtet, die erst 2001 gegründete Airline habe mehrere Sicherheitstests bestanden.

 

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