Panorama Die Deutschen trauen sich nicht mehr

Heiraten ist aus der Mode (Archivbild) Foto: dpa

Der Gang vor den Traualtar scheint überholt. Denn immer weniger Deutsche geben sich das Ja-Wort. Gegenüber 1980 hat sich der Anteil der Heiratsmuffel demnach verdoppelt.

 

Kurz vor dem Ja-Wort kriegt sie die Krise, schnappt sich ein Pferd und galoppiert mit wehendem Schleier davon. Millionen Deutsche haben 1999 Julia Roberts als „Die Braut, die sich nicht traut“ im Kino gesehen. Inzwischen ist die Fiktion zur Realität geworden: Immer weniger Deutsche heiraten. Wie die „Welt am Sonntag" berichtet, werden unter den Jüngeren knapp ein Drittel der Frauen und fast 40 Prozent der Männer ihr Leben lang ledig bleiben. Das geht aus aktuellen Berechnungen des Bundesinstitutes für Bevölkerungsforschung hervor. Gegenüber 1980 hat sich der Anteil der Heiratsmuffel demnach verdoppelt.

„Die Bedeutung der Ehe ist dramatisch zurückgegangen“, sagt der Statistiker Jürgen Dorbritz, der die Prognose erstellt hat. Besonders die ostdeutschen Männer tun sich schwer. Blieben von ihnen vor 30 Jahren nur 12 Prozent lebenslange Singles, sind es jetzt 41 Prozent. Bei den Frauen sind es 31, 8 Prozent gegenüber acht Prozent 1980.

Neue Formen verdrängen die traditionelle Ehe: Ein-Eltern-Familien, Paare ohne Ehering, die zusammen oder getrennt wohnen. Das Single-Sein, so Dorbritz, wird zur Norm – in den Städten mehr als auf dem Land. Mittlerweile lebt in 39,5 Prozent der deutschen Haushalte ein Alleinstehender. „Die meisten entscheiden sich nicht aus Überzeugung gegen die Ehe“, so SoziologeHans Bertram vom Kompetenzzentrum des Bundesfamilienministeriums. Oft fehle gerade in jüngeren Jahren die Sicherheit im Job. „Deshalb verhalten sie sich durchaus rational, wenn sie keine Kinder bekommen und keine feste Beziehung eingehen.“ rs

 

0 Kommentare