Panorama Der Schwiegerdrache

Zicken-Duell: In „Das Schwiegermonster“ (2005) wird Jennifer Lopez von Jane Fonda (l.) schikaniert, der Mutter ihres Auserwählten. Foto: az

Umfragen zufolge leiden 30 Prozent der Frauen unter der Mutter ihres Partners. Der Widerstand wird von Bayern aus organisiert

Ihr liebster Schwiegermutter-Witz? Ruth Gall kennt keinen, will keinen kennen. „Ich habe zu viele Frauen getroffen, die tagtäglich in so einem Witz-Zustand leben müssen“, sagt sie der AZ.

Bei ihr häufen sich zurzeit wieder die Fälle. Die 54-jährige Goldschmiedin berät Betroffene, organisiert seit Jahren den Aufstand der Schwiegertöchter.

Zerissene Wäsche und geheime Markierungen

„Der Einfallsreichtum, mit dem Schwiegermütter die lästige Frau wieder loszuwerden versuchen, ist nahezu grenzenlos“, berichtet Gall. So würden Briefe ausspioniert und zensiert, Kontoauszüge kontrolliert, Blumen vergiftet und Wäschestücke auf der Leine zerrissen. „Manche holen auch Kleidung aus dem Müll und ziehen sie an – um zu demonstrieren, was diese unfähige junge Frau für gute Sachen wegwirft.“ Ein anderer Drache habe überall geheime Markierungen mit Tinte angebracht. Das Ziel: mangelnden Putzeifer nachzuweisen.

Extrembeispiele freilich, die in ihrer Tendenz aber von aktuellen Umfragen und Studien, zum Beispiel der Universität Kassel und des Hamburger Gewis-Instituts, gestützt werden. So soll jede achte Scheidung auf das Konto der Schwierigmama gehen.

„25 bis 30 Prozent aller Frauen geben an, dass ihre Partnerschaft unter der Beziehung zur Schwiegermutter leide“, sagt die Psychologin Felicitas Heyne aus Rheinland-Pfalz, die das Buch „Hassgeliebte Schwiegermutter“ (mvg) veröffentlicht hat. Betont jedoch: „Im Umkehrschluss kann man natürlich sagen, dass drei Viertel aller Frauen, die in Partnerschaften leben, mehr oder weniger gut mit der Mutter ihres Partners zurecht kommen.“

Die Schwiegertochter als sexueller Bremsklotz

Der Rest klagt über „Überwachung/Bevormundung“ (95 Prozent), „Persönliche Ablehnung“ (80 Prozent), „Üble Nachrede“ (79 Prozent) und „Einmischen in die Kindererziehung“ (78 Prozent) – zumindest jene, die sich bei Ruth Gall (im Internet auf ruth-gall.de) melden. Oft werde Kritik auch unterschwellig artikuliert, berichtet sie. Beispiel: „Mein lieber Junge, du siehst aber blass aus. Bekommst zu Hause nichts Gescheites zu Essen?“

Dass vor allem Schwiegertöchter und nicht -söhne in Konflikte schlittern, ist Experten zufolge einem Ur-Problem geschuldet: „Evolutionär betrachtet besteht zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter ein schwieriges Verhältnis", sagt Felicitas Heyne. „Erstere ist eher daran interessiert, dass ihr Sohn mit möglichst vielen verschiedenen Frauen Kinder bekommt, um so auch ihre eigenen Gene vielfältig weiterzugeben. Letztere möchte den Vater der Kinder dagegen eher für sich behalten." Eine Aussage, die auf einer Arbeit des Psychologie-Professors Harald Euler aus Kassel basiert: die Schwiegertochter als sexueller Bremsklotz.

Verschärft hat sich die Lage – nicht nur in Deutschland – zuletzt auch durch wirtschaftliche Engpässe in jungen Familien: Immer mehr müssen notgedrungen mit den Eltern unter einem Dach leben. „Ein beliebter Trick ist auch, das junge Paar durch Geschenke, finanzielle Unterstützung oder durch billiges Wohnen in die Position der Dankesschuldner zu manövrieren - und diesen Vorteil dann gnadenlos auszuspielen", so Heyne.

„Danke für den tollen Mann!"

„Zieht konsequent eure Grenzen, denn es ist seine Mutter und nicht eure“, rät Ruth Gall, die auch Autorin des Buches „Wege aus der Schwiegermutter-Falle" (Junferman) ist, auf ihrer Homepage.

Manchmal helfe es auch, nervige Schwiegermütter mit geballter Freundlichkeit zu überwältigen, empfiehlt Felicitas Heyne. Und berichtet von einer Frau, die ihrer Schwiegermutter zum Geburtstag ihres Mannes einen Blumenstrauß geschickt hat – mit dem Gruß „Danke für den tollen Mann!“. Kontaktabbruch solle erst das allerletzte Mittel zur Lösung der Causa Mama sein.

Dass Schwiegermütter sowieso nicht in Schubladen passen, zeigt das jüngste Ende einer Promi-Ehe. Ohne Sarah Connor sei Marc Terenzi „ein Niemand“, ließ eine gewisse Antoinette verlauten. Wohlgemerkt: Sie ist die Mutter des „Niemands“. Und nicht die Schwiegermutter.

 

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