Panorama Dank Hitchcock: Der Horror des Duschvorhangs

Jennifer Leigh im Film "Psycho" Foto: abendzeitung

Eigentlich ist es ein Utensil im Badezimmer, doch vor 50 Jahren kam der Film „Psycho“ in die Kinos – und seitdem hat der Duschvorhang etwas Horrorhaftes und das Badezimmer nichts Unschuldiges mehr.

 

Es ist wohl eine der berühmtesten Filmszenen aller Zeiten: Schauspielerin Janet Leigh duscht seelenruhig und jugendfrei, als sich der verrückte Norman Bates alias Anthony Perkins mit einem Messer nähert und sie unter wildem Streichorchestereinsatz ersticht.

Fast auf den Tag genau 50 Jahre ist das jetzt her. Höchste Zeit also, jenes Nasszellenutensil zu würdigen, das Leigh zur leichten Beute machte und dem Badezimmer für immer die Unschuld nahm: dem Duschvorhang.

Noch heute profitieren Händler vom Hitchcock-Thrill: Zu den Bestsellern gehören Modelle mit künstlichen Blutflecken oder einer Mördersilhouette. Auf diese Weise können sich selbst bekennende Warmduscher wohlige Schauer über den Rücken jagen lassen.

Überhaupt gibt es bei Duschvorhängen, die sich massenhaft erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durchsetzten, inzwischen fast mehr Auswahl als bei Abendkleidern: Kreationen mit aufgedruckten Koteletts für die morgendliche Fleischbeschau, durchsichtige Anfertigungen für Zeigefreudige, Krokodilmuster für Übergeschnappte.

Allen gemeinsam: Man sollte sie regelmäßig waschen – sonst wird der Horror irgendwann real.

Warum klebt der Duschvorhang immer am Körper?

Zugegeben: Ein Geisteskranker mit Messer ist schlimmer. Aber das, was sich morgens in sehr vielen Duschen abspielt, ist ebenfalls nicht besonders angenehm: Sobald man nämlich das Wasser aufgedreht hat, verfolgt einen der Duschvorhang, klebt am Körper. Ein Phänomen, dem sich bereits zahlreiche Forscher gewidmet haben. Die Theorien:

* Die durch das heiße Wasser erwärmte Luft steigt auf und erzeugt dabei einen Unterdruck in der Duschkabine. Folge: Der Vorhang wölbt sich nach innen.

* Das Wasser reißt Luft mit – wieder gibt’s Unterdruck.

* Andere argumentieren mit der „Adhäsion“, der Anziehungskraft zwischen zwei Oberflächen.

* David Schmidt von der Universität von Massachusetts fand heraus, dass ein horizontaler Wirbelsturm mit Unterdruckzone entsteht. Dafür erhielt er sogar den Alternativen Nobelpreis.

Eine Lösung: Den nassen Vorhang gegen den Wannenrand drücken oder unten mit Gewichten beschweren.

 

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