Panorama Betrügereien in Firmen: Hochsaison für Spione

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Polizei und Verfassungsschutz schlagen Alarm: Betrügereien und Spionage in Firmen nehmen immer mehr zu. Besonders kleine Betriebe, in denen jeder Mitarbeiter alles weiß, sind gefährdet.

 

MÜNCHEN Die Konjunktur springt wieder an – das freut Unternehmen und Gewerkschaften, aber auch Betrüger. Europas Unternehmen verlieren durch Wirtschaftskriminalität mehr Geld als auf jedem anderen Kontinent der Welt, berichtet der ACFE, ein Verband von Betrugsermittlern.

Je härter der Wettbewerb, desto rabiater die Betrüger. Blaupausen von neuen Airbus-Flugzeugmodellen, die mitsamt zweier Laptops aus der Firmenzentrale in Toulouse gestohlen wurden, CO2-Emissionszertifikate, die sich Hacker mit gefälschten Passwörtern erschleichen – meist versuchen die betroffenen Unternehmen, die Angriffe möglichst lange geheimzuhalten. Umso dringlicher warnen Ermittler wie Uwe Dolata, der Sprecher des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, vor Gaunereien. Die Wirtschaftskrise habe die Firmen verunsichert. Jetzt werde „mit härteren Bandagen gekämpft“, sagte er der Agentur Pressetext.

Je mehr Leiharbeiter eingesetzt wird, desto mehr schwindet die Loyalität zum Arbeitgeber. Zum Teil ist das Schwinden der Stammbelegschaften mit Schuld an kriminellen Umtrieben, glaubt der Berliner Sicherheitsexperte Alexander Huber. Ein Zeitarbeiter, der heute hier, in zwei Wochen aber schon in einem anderen Unternehmen eingesetzt werde, sei eher empfänglich für unsaubere Deals mit Betriebsgeheimnissen als ein Beschäftigter, der noch bis zu seiner Rente in der Firma bleiben wolle.

Je kleiner der Betrieb, desto höher das Risiko. In der Betrugsstatistik spiegelt sich die Wirtschaftskraft eines Landes. Innerhalb Deutschlands sind Firmen in Nordrhein-Westfalen besonders betroffen. Hier beträgt der Schaden pro Firma 2,43 Millionen Euro. An zweiter Stelle steht Bayern mit 1,9 Millionen Euro. Die Statistik stammt aus dem Jahr 2008. Das heißt: Aktuelle Zahlen von den Betrugsfällen bei Siemens und MAN sind darin noch nicht berücksichtigt.

Opfer der Gauner aus den eigenen Reihen waren häufig Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitern, berichtet der Ermittler-Verband. Der Grund: „Gerade in kleinen oder mittelständischen Firmen haben Angestellte sehr oft Zugang zu vertraulichen Informationen“, sagt Christian Schaaf von der Münchner Corporate Trust Business Risk & Crisis Management GmbH.

„Geschäftsmann“ aus China spioniert bei Firma in Kolbermoor. Auch das Bundesinnenministerium schlägt Alarm: Im jüngsten Verfassungsschutzbericht warnt es vor steigender Wirtschaftsspionage. Nicht einmal das Europäische Patentamt ist gegen Angriffe gefeit: In letzter Sekunde verhinderte der Verfassungsschutz, dass dort vier Werkstudenten aus China eingestellt wurden. Sie hätten Einblick in brandaktuelle neue Forschungen und Entwicklungen europäischer Firmen gehabt.

Aus China kam auch ein vermeintlicher Geschäftsmann, der sich beim Spezialbau-Unternehmen Rieder in Kolbermoor zum Besuch anmeldete. Rieder fertigte unter anderem Faserbeton für das Soccer-City-Stadion in Johannesburg. Als der Besuch aus China in der Fertigung herumgeführt wurde, fiel einem Mitarbeiter eine Mini-Kamera am Gürtel des Mannes auf. Vor dem Landgericht München wurde der geständige Spion zu eineinhalb Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt.

IT-Dienstleister aus Osteuropa schleichen sich mit Dumpingangeboten ins Computernetz der Firmen. Besonders leicht haben’s Kriminelle, wenn sie sich mit Computersystemen auskennen. Oft kommen die Wölfe im Pelz von Systemadministratoren. Beispielsweise bieten kriminelle Dienstleister aus dem osteuropäischen Ausland die Wartung der Unternehmens-IT zu Dumpingpreisen an, um so ungestörten Zugriff auf sensible Dateninhalte der Firmen zu bekommen und in aller Ruhe abzuräumen.

 

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