Panorama Apples iPad: Das Brett, das die Welt bedeutet

Der iPad, eine Mischung aus E-Reader, iPod und Tablet-PC Foto: dpa

Eine 680 Gramm leichte Bibliothek, Harry Potter in 9,7 Zoll und sprechende Werbeanzeigen für Elektrogrills: Das iPad von Apple zeigt schon heute, wohin die Reise in den nächsten Jahren gehen wird

 

In einigen Jahren werden wir uns fragen, was wir eigentlich am 27. Januar 2010 gemacht haben, am Tag, als Apple sein iPad vorstellte. Das meint zumindest CNN-Kommentator Nicholas Deleon und rückt die Präsentation eines 680 Gramm schweren Stücks Aluminium und Glas in die Nähe von Mondlandung und Mauerfall.

Ist der Mann wahnsinnig oder besitzt er einfach zu viele Apple-Aktien, dürften sich viele fragen. Denn welches quälende Problem der Menschheit soll und kann dieses iDings eigentlich lösen? Die Antwort: kein einziges.

Denn was das ab März erscheinende Gerät kann, können auch andere, manches sogar besser. Das ist bei Apple meistens so, einer Firma, die bereits vorhandene Techniken dafür geschickt und neu kombiniert, störungsunanfälliger und benutzerfreundlicher macht. Und vor allem: schicker.

Dass beim überraschend preiswerten iPad endlich breitere Kreise partizipieren können statt wie sonst nur eine schmale Kommunikationselite, wird die Entwicklungen, die durch den Minicomputer ausgelöst werden, sogar noch rasanter vonstatten gehen lassen.

Zum Beispiel auf dem Buchmarkt: Mit dem iPad kann man in einer virtuellen Bibliothek stöbern. Klar, geht auch per Laptop. Aber mit dem Apple-Tablet ist es erstmals ernsthaft vorstellbar, dass sich wirklich jemand auf dem Sofa oder im ICE durch 1021 Seiten Harry Potter zaubert. Weil das Gerät extrem handlich ist, die Optik dramatisch verbessert, das Umblättern erleichtert wurde. Das elektronische Zeitalter der Literatur, das bereits Amazon mit dem Kindle einzuläuten versuchte, könnte mit dem iPad tatsächlich losgehen. Apropos Amazon: Die bieten es zur Vorbestellung an – und haben einfach 1:1 Dollar in Euro übertragen. Das sei aber nur „vorläufig“, so eine Sprecherin zur AZ.

Auch in der Medienbranche wird die kleine Platte für Verwerfungen sorgen. Auf Youtube kursiert ein Video der „Sports Illustrated“, das demonstriert, wohin die Reise gehen kann: Der Herausgeber blättert mit einem Gerät wie dem iPad per Fingerdruck in seinem Magazin (nicht auf der Webseite!), schaut sich gestochen scharfe Bilder vom letzten Football-Spiel an, auch Videos, liest eine lange Analyse über die Baseball-Liga und bemerkt eine sprechende Werbeanzeige für Elektrogrills. Dass für diese Qualität auch die an Gratiskultur gewohnten Online-Nutzer gerne zahlen werden, gilt als sicher.

„Das iPad kann die digitale Zukunft für bekannte Printmarken werden – wenn sie das Potential erkennen“, sagt Professor Joachim Blum, Medienwissenschaftler und Zeitungsberater. Via Twitter zur Abendzeitung. So weit sind wir schon.

Timo Lokoschat

 

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