Osram geht an die Börse Alleine leuchten

Schlussstrich unter einer zähen und teuren Trennung: Heute geht die Siemens-Licht-Tochter Osram als unabhängiges Unternehmen an die Börse – in einem schwierigen Markt

 

MÜNCHEN Was für ein verschämter Event. Als die Siemens-Halbleitertochter Infineon im Jahr 2000 an die Börse ging, knallten die Sektkorken, Unternehmenschef Ulrich Schumacher fuhr im Porsche vor. Jetzt bringt Siemens wieder eine Tochter an die Börse – so unspektakulär, als würde ein Warenlager ausgegliedert.

Die für heute geplante Erstnotiz der Osram-Aktie bringt Siemens keinen Gewinn, im Gegenteil: Sie kostet Geld. Statt die Papiere des traditionsreichen Unternehmens zu verkaufen, bucht Siemens seinen Aktionären für zehn Siemens-Papiere je eine Osram-Aktie ins Depot. In Frankfurt ist für heute der obligatorische Sekt-Umtrunk geplant, später in München wohl auch eine Feier für die Mitarbeiter.

Doch die Party dürfte kurz werden, den Osram steht harte Arbeit bevor. Der Konzern streicht weltweit tausende Stellen, trennt sich von Werken und Produkten. Künftig muss das ohne die Hilfe der Mutter gelingen. Schwierige Aussichten für das Traditionsunternehmen. 1919 wurde Osram gegründet, und zwar von der Auer-Gesellschaft gemeinsam mit AEG und Siemens & Halske. Die Marke Osram ist noch älter, nämlich 107 Jahre alt. Der Name setzt sich aus dem Materialien für Glühdrähte zusammen: Osmium und Wolfram.

Rauer Wettbewerb

Heute hat Osram noch fast 40000 Mitarbeiter weltweit und macht einen Umsatz von rund 5,4 Milliarden Euro. Der Hersteller muss sich neu erfinden, denn der Lichtmarkt wandelt sich massiv. Die Glühbirne, von der Osram über Jahrzehnte lebte, ist am Ende ihrer Zeit angelangt. Die Zukunft gehört der LED-Technik. Deren Entwicklung kostet viel Geld. Die Produktion erledigt die Konkurrenz in Asien billiger. Neue Konkurrenten im Lichtmarkt wie etwa der Samsung-Konzern oder LG Electronics sorgen für einen rauen Wettbewerb. Osram muss den Kunden Innovationen schmackhaft machen – etwa LED-Leuchten, deren Farbe und Helligkeit sich etwa per Smartphone an Tageszeit und Laune anpassen lassen.

Eigentlich hatte Siemens der Tochter durch einen richtigen Börsengang eine milliardenschwere Mitgift mitgeben wollen, doch erst musste der Münchner Elektroriese den Schritt verschieben und später ganz absagen – Eurokrise, Konjunktur und nötige Umbauarbeiten machten Siemens einen dicken Strich durch die Rechnung. Nun, sagen Spötter, verschenke Siemens die Tochter. Nein, entgegnet der Konzern, man könne den Aktionären nichts schenken, was ihnen ohnehin gehöre. Siemens-Chef Peter Löscher sagte auf die Frage, ob er froh sei, Osram los zu sein: „Wir haben Osram so gestärkt, dass es ausgezeichnet ausgestattet ist, um als unabhängiges Unternehmen aufzutreten. Wir können uns auf unser Kerngeschäft konzentrieren.“

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