"Orchester Hugo Strasser" Heinrich Haas: Der Swing-Macher

Manche Klassiker wie Frank Sinatras "When You‘re Smiling" singt er auch selbst: Heinrich Haas (35), der Pianist und musikalische Erbe des legendären "Hugo Strasser Orchesters". Foto: Jan Scheffner

Er war 16, als die Bigband-Legende Hugo Strasser ihn entdeckte. Jetzt bringt Heinrich Haas (35) das legendäre "Tanzorchester" pünktlich zur Ballsaison neu auf die Bühne – und lässt München tanzen.

München - Das hätte dem großen Meister des Swing gefallen: Strahlende Paare, die im Saal des Deutschen Theaters ausgelassen zum Evergreen "In The Mood" tanzen. Dieser furiose Bigband-Sound von der Bühne.

Und dort oben, in zauberhafte Lichtspots getaucht: sein legendäres Tanzorchester, mit dem er über 60 Jahre lang die Musik für rauschende Bälle, Tanzturniere, Fernsehshows ("Musik ist Trumpf","Der große Preis") und Tausende Konzerte geliefert hat.

Das neue "Orchester Hugo Strasser" swingt wieder. Zehn Monate nach dem Tod des weltberühmten Bandleaders und Klarinettisten im vergangenen März hat sein musikalischer Erbe, der junge Münchner Pianist Heinrich Haas (35), beim "Ball Total" am Freitag dessen größten Wunsch erfüllt und die Bigband wieder auf die Bühne gebracht.

Das älteste Tanzorchester Europas

"Ich habe es dem Hugo versprochen", sagt Haas und lacht ganz glücklich dabei, "und schauen Sie, hier steht es: das älteste noch existierende Tanzorchester Europas."

Die Notenpulte auf der Bühne glänzen weißer als früher. Die Trompeter, Posaunisten und Saxofonisten sitzen jetzt erhöht auf Barhockern. Und die Soloklarinettenstimme, die früher Altmeister Strasser selbst spielte, bläst jetzt stellvertretend Bernhard Ullrich, den Jazzfans auch "Münchens Benny Goodman" nennen (der galt in den 1930er Jahren als King of Swing in Amerika).

Das Repertoire an Evergreens hat der neue Orchesterchef wieder um etliche moderne Songs erweitert – über Jahrzehnte das Markenzeichen von Hugo Strasser.. Das passt in den Trend: Denn seit Popstars wie Robbie Williams und Michael Bublé mit Swing-Platten Furore machten, gibt es eine junge Swing-Szene in Deutschland, die sich vom Bigband-Sound aller Stilrichtungen mitreißen lässt. "Das ist ja das Wunderbare", sagt Haas, "Swing, Cha-Cha, Foxtrott und Rumba tanzen ist wieder hip."

Wir erinnern uns: Vor gut einem Jahr, als Hugo Strasser gesundheitlich schon sehr angeschlagen war, hatte er Heinrich Haas, den er als 16-Jährigen im Tonstudio entdeckt und ans Klavier seiner kleinen Besetzung "Hot Five" gesetzt hatte, zu sich in sein Truderinger Haus gebeten. Am Kaffeetisch griff er zu Papier und Stift und überschrieb seinem Pianisten alles, was es braucht, um das Tanzorchester und die "Hot Five" weiter zu führen. Die Namens- und Auftrittsrechte und das gesamte Notenarchiv in seinem Keller: 2000 Arrangements, in meterlange Schränke einsortiert (AZ berichtete).

40 neue Arrangements

Tag und Nacht verbringt Haas danach damit, in seinem Büro in Moosach die Notenblätter zu sichten, zu archivieren und die fehlenden Seiten von Hand neu aus den Partituren herauszuschreiben. "Nach 50 Jahren Gebrauch und Verschleiß waren viele Mappen nicht mehr vollständig und Notenblätter zerrissen", erzählt er, "ich habe allein eine Autoladung Tesafilm verklebt, um diese Blätter zu restaurieren."

Haas entwickelt einen neuen Bühnenplan, baut neue weiße Notenpulte – die orangefarbenen aus den 70er Jahren passen nicht mehr zum modernen Look der Bigband. Er entwickelt auch ein neues Logo und eine neue Webseite (www.orchesterhugostrasser.de).

Schließlich lässt er von Hugo Strassers Hauptarrangeur Benny Gebauer zum Repertoire an Klassikern (von "Just a Gigolo" bis "Wild Cat Blues") 40 neue Arrangements schreiben: Justin Timberlakes "Love Never Felt So Good" zum Beispiel, Bruno Mars' "Uptown Funk" oder "Rehab" von Amy Winehouse – in einer soulig-funkigen Bigband-Version.

Als er im November schließlich das Orchester – ein bisschen umbesetzt und von 16 auf 19 Musiker aufgestockt – zur ersten Probe zusammentrommelt, spielen die alten Profis die neuen Songs und sind begeistert. "Die haben das alle vom Blatt runtergespielt, als hätten sie nie etwas anderes gemacht."

Und wie ist das nun, auf einem Ball ohne den großen Meister auf der Bühne zu stehen und das Orchester zu dirigieren? "Ich bin wahnsinnig stolz und sehr, sehr dankbar", sagt Heinrich Haas und schaut in die wogende Menge der Tänzer unten auf dem Parkett. "Und ich glaube, der alte Hugo sitzt da oben auf seiner Wolke und freut sich, wie viele alte und junge Leute seine Musik immer noch fröhlich macht."


Das Orchester Hugo Strasser begleitet am 18. Februar den "Ball der Sterne“ im Deutschen Theater. Am 7. April steigt das Bigband-Konzert "Danke Hugo" in der Residenz (AZ-Karten-Verlosung).

 

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