Orchester der KlangVerwaltung Enoch zu Guttenberg dirigiert Schubert

Enoch zu Guttenberg zwischen seinen Kollegen Leopold Stokowski und Georg Solti. Foto: Markus C. Hurek

Enoch zu Guttenbergs Aufnahme von Franz Schuberts Großer Symphonie in C-Dur mit der KlangVerwaltung

Er mischt sich gerne ein. Manchmal tut er sich damit keinen Gefallen. Zuletzt hat Enoch zu Guttenberg seinen Echo-Preis zurückgegeben, als der Skandal um das Gangsta-Rap-Duo Kollegah und Farid Bang immer größer geworden war. Prompt musste sich der Dirigent in Teilen des Klassik-Betriebs den Vorwurf gefallen lassen, dass er mit diesem Schritt vor allem die eigene Aufmerksamkeit habe steigern wollen.

Das ist freilich ungerecht, denn: Wer ihn kennt, weiß, dass Guttenberg stets klar Stellung bezieht. Im Zweifel nimmt er die Konsequenzen in Kauf, und für dieses Profil steht auch er nicht nur als Umweltschützer und Windrad-Gegner, sondern auch als Dirigent.

Ein Bekenntnismusiker

Man mag über den oftmals emotionsgeladenen Zuschnitt im Detail streiten, aber: Seine Interpretationen sind nie indifferent oder positionslos. Als Dirigent ist Guttenberg stets bemüht, stilistische und geistige Haltungen klar zu schärfen. Guttenberg ist ein Bekenntnismusiker durch und durch, der die direkte Ansprache zelebriert. Mit seinen Deutungen möchte er Geschichten erzählen und aufrütteln. Das ist der besondere Reiz seines Musizierens: so jetzt auch auf seiner jüngsten CD.

Für dieses Projekt hat Guttenberg mit seinem Orchester der KlangVerwaltung die Große Symphonie in C-Dur D 944 von Franz Schubert eingespielt. Mit seiner zupackenden, überaus intensiven Deutung zeichnet Guttenberg das Portrait eines Komponisten, der nicht zuletzt ein politisch engagierter Idealist war. Passend hierzu kommt Dieter Rexroth im informativen Beiheft auf die restaurative und repressive Politik des Fürsten Metternich zu sprechen, gegen die Schubert und seine Freunde um 1824 aufbegehren. In diesem Kontext komponiert Schubert 1825/26 seine Große Symphonie. Über den träumenden Schubert solle man den „politisch wachen nicht überhören“, wird im Beiheft der Musikpublizist Martin Geck zitiert.
Genau hier setzt Guttenberg an. Seine Gestaltungen rückt die „Große“ unmittelbar in die Nähe zur Symphonik von Ludwig van Beethoven. Jedenfalls betont Guttenberg die motivischen Konflikte, um überdies Kontrastierungen und rhythmische Pointierungen zu schärfen. Vielfach klingt Schuberts „Große“ wie Beethoven.

Beziehungen zu Bruckner

Stellenweise wirkt das etwas überzeichnet, aber: Dieser Beethoven-Zentrismus findet sich in der Partitur selber wieder. So blendet Schubert im letzten Satz zitathaft die Freudenmelodie aus der Neunten von Beethoven ein: das berühmte Chorfinale mit der „Ode an die Freude“ von Friedrich Schiller. Mit dieser Anspielung stellt Schubert selbst eine Nähe zum Idealismus von Beethoven her.

Gleichzeitig gelingt es Guttenberg jedoch, eine Brücke zur späteren Symphonik von Anton Bruckner zu schlagen. Bei seinen Herrenchiemsee-Festspielen hat sich Guttenberg schon öfters als vortrefflicher Bruckner-Exeget präsentiert. Für die Einspielung der Symphonie Nr. 4, „Die Romantische“, hatte er 2008 den jetzt zurückgegebenen Echo-Preis erhalten.

Farbenreich

Bereits in der Einleitung zu Schuberts „Großer“ erinnert das ausgedehnte Hauptmotiv der Hörner an Bruckners „Romantische“. Aus dem choralartigen Bläsersatz im Trio-Teil des Scherzo-Satzes entwickelt Guttenberg zudem eine atmosphärische Dichte, die Schubert vollends als Propheten der Spätromantik erscheinen lässt. Das gilt ebenso für die „himmlischen Längen“, von denen schon Robert Schumann schwärmte: Guttenberg versteht es, einen dramaturgisch schlüssigen Bogen zu spannen. Noch dazu erwächst aus dem differenzierten Einsatz des Vibratos eine unerhört farbenreiche Klanglichkeit: eine hörenswerte CD.     

Franz Schubert: „Symphonie in C-Dur“ (KlangVerwaltung unter Enoch zu Guttenberg, Farao Classics). Guttenbergs Festspiele Herrenchiemsee beginnen am 17. Juli. Infos unter www.herrenchiemsee-festspiele.de

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. null