Optimolwerke-Familie baut Mit Kurven und Schwung: Neuer Blickfang im Werksviertel

Ein urbanes, einladendes Haus: 17 Stockwerke hoch mit einem fünfstöckigen Nebenbau. Die geschwungene Fassade vermeidet den rechten Winkel mit Absicht. Foto: Wöhr + Bauer

Einst hat die Familie Maltz die Optimolwerke gegründet - jetzt erfindet sie das Areal komplett neu.

Berg am Laim - Dieses Geschäftshaus wird man nicht übersehen: fließend, geschwungen und einladend wirkt die lichte Fassade. Das innovative Gebäude entsteht im Werksviertel, an der Friedenstraße - ab Frühjahr 2019. "Wir wollten keine Kanten. Wir möchten auf dem Gelände unserer Familienfirma eine extrem fortschrittliche Architektur sehen", erklärt Mit-Eigentümerin Susanna Egger. Der Grund: "Unsere Optimolwerke waren extrem fortschrittlich und haben High-Tech gemacht." So lebe der innovative Geist ihrer Großeltern in moderner Form weiter, sagt sie noch.

Denn: Sie waren über Jahrzehnte höchst gefragte Problemlöser: die Inhaber der Optimolwerke. Die Münchner Familie Maltz, zu der auch Susanna Egger gehört, hatte ab 1920 ihre Öl-Fabrik an der Friedenstraße zum Weltmarktführer für besondere Schmierstoffe ausgebaut. Heinrich Maltz junior (57) erinnert sich: "Für die NASA haben wir ein besonderes Fett für das Space Shuttle gemacht, das bei Minus 200 Grad funktioniert." Die Optimolwerke belieferte Formel-1-Rennställe mit Motoröl, bis die Familie ihre Firma 1986 verkaufte.

Bis 2022 entstehen hier Läden und Büros - die Clubs haben zugemacht

Sogar der Senior Heinrich Maltz (83) meint zufrieden: "Mir gefällt das Hochhaus. Ich mag das Solide, an dem sich alle Beteiligten erfreuen." Trotzdem schmerzt ihn der geplante Abriss des alten, gelben Gutshofs an der Friedenstraße: "Das Gebäude war stark kriegszerstört und steht nicht unter Denkmalschutz. Ich habe hier aber 60 Jahre mit meiner Familie gewohnt und gearbeitet. Als ich ein Junge war, gab es nur Grün um uns herum. Wir waren mitten auf dem Land."

Die Geschichte des Areals könnte sich in einem Kunstwerk widerspiegeln: Angedacht ist eine Skulptur in Form eines Riesen-Fetttropfens.

Das neue Geschäftshaus, das der Münchner Projektentwickler "Wöhr+Bauer" als späterer Mit-Eigentümer bis Ende 2021 realisiert haben will, wird bis zu 5000 Quadratmeter für Läden und Gastronomie bereithalten. Auch Co-Working-Spaces sind geplant. Mehr als 28 000 Quadratmeter stehen ab 2022 als Bürofläche bereit.

Am Silvesterabend war in den Kneipen und Hallen der Optimolwerke übrigens noch furios Abschied gefeiert worden: Mit Techno, House-Musik und schnellem Balkan-Sound. 18 Jahre lang hatte das eher ranzelige und dreckige - und somit von manchem als unmünchnerisch empfundene - Clubareal seine Fans. Im München-Blog "MUCBOOK" wird bedauert, dass der Stadt jetzt ganz das "Räudige" verloren geht. Nicht nur ein ausgesprochen junges Partyvolk, viele Bands, Fotografen und Künstler verlieren ihre Heimat.

Architekt des inspirierenden Gebäudes ist übrigens der Spanier Enrique Sobejano. Er legt Wert auf ein Sich-Begegnen - auf grünen Terrassen und Dächern. Mit der Historie des Optimol-Geländes hat Sobejano sich befasst. Sein Entwurf am zukünftigen Knödelplatz - mit einem Innenhof für Kulturelles - hat die Maltz-Familie und Wöhr+Bauer spontan begeistert.

 

7 Kommentare

Kommentieren

  1. null