Opernfestspiele Markanter Marke, aber kein Traumpaar

Tristan (Peter Seiffert) und Isolde (Petra-Maria Schnitzer) bei den Opernfestspielen im Nationaltheater. Foto: Wilfried Hösl

Richard Wagners „Tristan und Isolde“ bei den Opernfestspielen im Nationaltheater

 

Der Uraufführungs-Tristan Ludwig Schnorr von Carolsfeld war mit seiner Isolde privat verheiratet. Ihre Nachfolger waren die Eheleute Heinrich und Therese Vogl – und auch die derzeitigen Ehebrecher der Staatsoper sind rechtlich ein Paar.

Ob Peter Seiffert und Petra-Maria Schnitzer auch in die Theatergeschichte eingehen werden? Seiffert schont sich nicht. Er ist ein redlicher Arbeiter im Weinberg des Herrn Wagner. Aber sein Tristan begeistert kaum, weil er Kernsätze wie „dem König, den ich verriet!“ mit zu wenige Ausdruck singt. Zweimal setzte er an berühmten Stellen viel zu früh ein – ein Indiz, dass ihm die Rolle nicht wirklich liegt.

Auch seine Gattin liefert Töne, ohne die Rolle zu interpretieren. Petra-Maria Schnitzer ist ein jugendlich-dramatischer Sopran, aber keine Isolde. Im ersten Akt waren Hohn, Hass, Wut, Ironie und Ekstase kaum zu unterscheiden. Und es wäre übertrieben zu behaupten, dass sie im Liebestod über den Orchesterwogen geschwebt hätte.

Ohnehin drehte die Mannschaft im Graben ziemlich auf. Unterhalb von Mezzoforte lief gar nichts. Es gab klanglich Ausgefeiltes wie Brangänes Nachtgesang, aber sonst war von Kent Naganos analytischem Dirigieren nicht viel zu spüren. Es war ein „Tristan“ im traditionsgeölten Automatikbetrieb, den niemand meisterlicher draufhat als das Bayerische Staatsorchester.

Ekarina Gubanova steigerte sich nach dem verflackerten ersten Aufzug beträchtlich. Markus Eiche erwies sich als kräftiger Kurwenal. Aus der Routine brach nur René Pape aus: „Endlich, ein Mensch!“, schoss einem bei seinem Auftritt durch den Kopf. Er erzählte mit seiner Stimme von der Einsamkeit, der Trauer und dem Schmerz. Markes Geschichte ging einem nahe, die von Tristan und Isolde mangels Ausdruck leider weniger.

 

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