Opernfestspiele Heiße Front-Braut im Comedy-Trupp

Zerbinetta (Daniela Fally) mit ihrer Komödianten-Gang. Foto: Wilfried Hösl

In Richard Strauss’ „Ariadne” an der Staatsoper überzeugt vor allem die Zerbinetta

 

Wenn der Komponist am Ende ganz allein auf der Bühne steht, den letzten Takten wie verzaubert nachhorcht, dann ist das der vielleicht schönste Moment dieser „Ariadne auf Naxos”. Und dass der anfangs zum Sterben verzweifelte Kerl dann auch noch frenetisch vom Bühnenpersonal gefeiert wird, löst das alte Rätsel um seinen Verbleib. Bei Robert Carsen geht’s gut aus für ihn – und für die Kunst.

Das hat heute etwas tröstliches und wird seit der Premiere 2008, dem Highnoonjahr der Weltwirtschaftskrise, mehr und mehr zur Beschwörungsformel eines bedrohten Metiers. Sicher, die Staatsoper darf davon noch kein lautes Liedlein singen, vom Spardesaster (provinz)städtischer Bühnen ist man am Max-Joseph-Platz weit entfernt und gönnt sich vor allem zur Festspielzeit gute Namen.

Ein paar Bierdosen zuviel

Robert Dean Smith war mal ein solider Stolzing, Hermann, Tristan. Als Bacchus klingt er leer und leidend, da hilft nicht mal ein Gummibärenlächeln. Wenigstens hat er keinen Wagner-Graben vor sich, Kent Nagano hält das Staatsorchester zudem im Zaum, setzt auf kammermusikalisches Geflirr, und auch Ariadne ist kein stimmliches Gegenüber, vor dem man in die Knie gehen muss. Emily Magee meidet jedes Risiko, auf wohlfüllige Strauss-Grandezza wartet man vergebens, statt dessen sind die Höhen dünn, die Mittellage bleibt farblos.

Ein blasses Paar in Pastelltönen, dem die Komödiantentruppe mal wieder die Schau stielt. Mit manchmal verzichtbarem Klamauk, auch ein paar Bierdosen zuviel, aber immer wieder reschen Einfällen. Und einer heißen Front-Braut, die sich die Koloraturen nur so schmecken lässt: Halb Flitscherl, halb liebebedürftiges Mädel ist Daniela Fally eine Zerbinetta, die zur rechten Zeit selbst den spröden Tonsetzer – Daniela Sindram – knackt. Und zu feinsinnigem Mezzo-Glimmen animiert.

 

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