Max-Joseph-Platz Oper für alle: Sommermärchen mit Tschaikowsky

Als Zugabe spielte der Dirigent Omer Meir Wellber mit den Schlagzeugern des Bayerischen Staatsorchesters zwei Stücke von Astor Piazolla auf dem Akkordeon. Foto: Christoph Koch

„Oper für alle“: Omer Meir Wellber dirigiert das Bayerische Staatsorchester vor 12.000 Zuhörern auf dem Max-Joseph-Platz

 

Vor Beginn trank der Dirigent unter den Arkaden an der Südseite des Max-Joseph-Platzes noch ein letztes Cola. Am Ende wischte sich Omer Meir Wellber den Schweiß von der Stirn. Dann legte er den Frack ab, holte sein Akkordeon und spielte mit dem Bayerischen Staatsorchester noch als Zugabe „Oblivion“ und „Libertango“ von Astor Piazolla.

Lässiger lässt sich „Oper für alle“ auf dem Max-Joseph-Platz weder beginnen noch beenden. Der russische Weltschmerz der Musik von Peter Tschaikowsky verwandelte sich in ein südliches Sommermärchen. Die einschließlich Laufkundschaft 12.000 Zuhörer genossen es – flanierend, rauchend und beim Picknick. Aber trotzdem fast so aufmerksam wie in einem Konzertsaal oder im Nationaltheater.

Das Jugendorchester Attacca eröffnete unter Allan Bergius mit den Fanfaren von Dmitri Schostakowitschs „Festlicher Ouvertüre“ den Abend. Dann spielte das Staatsorchester unter Wellber Prokofjews knappe „Symphonie classique“ und Tschaikowskys Vierte – knackig, effektvoll und doch mit den unverzichtbaren Zwischentönen.

Verliebt in die Klarinette

Die vier Opernarien von Tschaikowsky, Glinka und Rimsky-Korsakow mit der Sopranistin Ekaterina Siurina verloren sich etwas auf dem großen Platz. Der ist akustisch für solche Konzerte nicht ganz so geeignet wie der Marstallplatz hinter dem Nationaltheater, der in früheren Jahren die Bühne bot.

Die Verstärkung verliebte sich öfter in die Klarinette, bildete die Musik aber trotzdem gut ab. In der Mitte, direkt vor dem Orchester war der Sound optimal. Vor dem Törring-Palais und in Richtung Residenzstraße hätte es ruhig etwas lauter sein dürfen.

Das zahlreiche Aufgebot an Ordnern sorgte mit opernmäßiger Höflichkeit für eine strenge Sitz- und Stehordnung, ohne den stiernackigen Charme, der bei Rockkonzerten üblich ist. Und so nahm die Münchner Lässigkeit keinen Schaden.
Die Banner mit dem Wort „Live“ zwischen den Säulen des Nationaltheaters erinnerten an die Kernbotschaft: Life ist live. Musik bringt Menschen zusammen. Das kann sie besser als jede andere Kunst.

Am 9. Juli wird ab 18 Uhr „Tannhäuser“ aus dem Nationaltheater auf den Max-Joseph-Platz übertragen

 

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