Olympische Winterspiele Große Sorgen statt "grüner Spiele": Sotschi und die Umweltsünden

Die Baustelle des Olympiaparks in Sotschi. "Grüne Winterspiele" sehen anders aus. Foto: dpa

Aus den versprochenen umweltfreundlichen Spielen wird nichts: Die Winterspiele in Sotschi haben in der Natur bereits tiefe Wunden hinterlassen.

 

Köln/Sotschi – "Grüne Spiele" sollten es werden, den Umweltschutz in Sotschi wollten die Organisatoren um OK-Boss Dimitri Tschernyschenko sogar "dramatisch verbessern" – doch die olympische Metamorphose der Schwarzmeer-Stadt sieht anders aus.

Illegale Müllkippen, aus dem Boden gestampfte Sportstätten und Luxus-Hotels, massive Abholzungen für neue Verkehrs-Trassen: Die Vorbereitung der teuersten Winterspiele der Geschichte hat in der Natur im und um den russischen Küstenort tiefe Wunden hinterlassen.

Umweltschützer sind alarmiert, die Anwohner die unmittelbar Leidtragenden. "Sotschi ist kein Kurort mehr. Wir haben kein sauberes Trinkwasser mehr, keine sauberen Strände, keine saubere Luft, kein sauberes Meer", sagt Olga Noskowez von der Umweltschutzorganisation "Ökologische Wacht im Nordkaukasus".

2007, als Sotschi den Zuschlag für die Winterspiele erhielt, hatten die Bewohner auch noch auf Lösungen für die eklatanten Probleme bei der Müllbeseitigung gehofft. Doch illegale Gruben für die gigantischen und giftigen Schuttmengen von Sotschis Baustellen verseuchen nicht nur das Grundwasser, sondern lassen ganze Straßenzüge absacken. In der Baku-Straße schob sich ein Mehrfamilienhaus monatelang über den Hang und drückte dabei eine benachbarte Holzhütte nieder.

Die Anbindung des Küstenortes an das rund 40 km entfernte Skigebiet Krasnaja Poljana hatte nicht nur finanziell ihren Preis. Der Bau der Trassen inklusive insgesamt 77 Brücken und 12 Tunneln in unmittelbarer Nähe von Naturschutzgebieten in der Region im Nordkaukasus hat große Schneisen in die zuvor unberührte Natur getrieben und das Ökosystem stark beeinträchtigt.

1,5 Milliarden Euro, so versprach Russlands Präsident Wladimir Putin, sollten in okölogische Projekte rund um die Winterspiele investiert werden. Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), verwies darauf, dass für jeden gefällten Baum mehrere neue Bäume gepflanzt würden. Doch Greenpeace oder der World Wildlife Fund (WWF) konnten die Bemühungen vor Ort nicht überzeugen – beide Umweltorganisationen gaben ihre Rolle als Berater der Bauherren auf.

Jewgeni Witischko war einer von denen, die weitermachten – bis der Umweltaktivist im Dezember unter anderem wegen des Anbringens von Protestplakaten in einem Schutzgebiet zu drei Jahren Lagerhaft verurteilt wurde.

Je näher Putins Prestigeprojekt rückt, desto größer wird der Druck auf die Aktivisten. Verhaftungen sind an der Tagesordnung. Noskowez' Kollege Wladimir Kimajew bangt sogar um sein Leben. Bei einem Unfall im vergangenen Herbst versagten die Bremsen seines Mopeds – Kimajew fürchtet, dass das kein Zufall war: "Ich habe das Gefühl, dass jemand diesen Unfall herbeigeführt hat. "

 

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