Olympia Biathlon-Staffel nur Fünfte - Gold an Norwegen

Andreas Birnbacher bereitet seine Waffe für das Schießen vor. Foto: dpa

Whistler (dpa) - So erfolglos sind deutsche Skijäger seit 42 Jahren bei Olympia nicht mehr gewesen. Ein Blackout mit zwei Strafrunden von Andreas Birnbacher kostete die DSV-Skijäger eine Medaille in der abschließenden 4 x 7,5-Kilometer-Staffel.

 

Platz fünf - eine große Enttäuschung für Simon Schempp, Birnbacher und Arnd Peiffer sowie den dreimaligen Turin-Olympiasieger Michael Greis. Der scheidende Bundestrainer Frank Ullrich hob im Schneegestöber von Whistler nach den Fehlschüssen des Schlechingers resignierend die Arme, schüttelte den Kopf und grummelte: «Das war's.» So hatte sich der Olympiasieger von 1980 in Lake Placid seinen Abschied von der Olympia-Bühne nicht vorgestellt. Tief enttäuscht war auch Pechvogel Birnbacher: «Ich habe eine 'Nähmaschine' bekommen. Meine Beine haben so gewackelt, dass ich gar keine Chance mehr hatte zu treffen», sagte er. «Aber ich habe mein Bestes versucht.»

Gold eroberte Norwegen mit dem überragenden Schlussläufer Ole Einar Björndalen, der bereits seinen sechsten Olympiasieg feierte und nun zweiterfolgreichster Winter-Olympionike hinter seinem Landsmann Björn Dählie ist. Silber erkämpfte Österreich im Sprint-Duell vor Russland. Für die Deutschen gab es dagegen erstmals seit den Winterspielen 1968 in Grenoble kein Edelmetall. «Natürlich ist es schade, aber die Athleten sind selbst enttäuscht genug. Da muss man nicht mehr viel sagen», meinte DOSB-Chef Thomas Bach.

«Tut mir leid, ich hätte gerne etwas mehr beigetragen», sagte Ullrich und klopfte Bach aufmunternd auf die Schulter. «Ich bin weit davon entfernt, den Frank Ullrich dafür verantwortlich zu machen. Wir werden das in Ruhe analysieren. Ich bin nach wie vor felsenfest davon überzeugt, dass die Mannschaft ein Riesenpotenzial hat», sagte Pfüller. DSV-Präsident Alfons Hörmann stellte fest: «Wir hätten alle dem Frank Ullrich einen anderen Abschied gewünscht.»

Sein allererstes Olympia-Rennen ging Schempp, der für den erkrankten Vize-Weltmeister Christoph Stephan ins Team gerutscht war, konzentriert an. An der Strecke drückte seine Freundin, die Silbermedaillen- Gewinnerin im Langlauf Miriam Gössner, die Daumen. Auch die zweimalige Goldmedaillen-Gewinnerin Magdalena Neuner und die bronzene Ü-30-Staffel der deutschen Skijägerinnen fieberten mit.

«Jetzt gilt es den Andreas wieder aufzubauen. Es gibt keine Vorwürfe. Der Andreas ist die ärmste Sau», sagte Schempp, der erst am am Vortag von seiner Nominierung erfahren und den Vorzug vor Alexander Wolf bekommen hatte. «Ich konnte seit gestern Mittag nicht mehr ruhig sitzen, so nervös war ich. Eigentlich hatte ich mit Olympia schon abgeschlossen. Ich bin heilfroh, dass es gut geklappt hat», sagte Schempp.

Birnbacher lief nur 2,9 Sekunden hinter hinter Russland los. Doch das Feld rückte zusammen. Sogar Kanadas Biathleten übernahmen zwischenzeitlich die Spitze und wurden vom Publikum gefeiert. Nach einer perfekten Schnellfeuereinlage in 26 Sekunden war Birnbacher urplötzlich vorne, doch das war vielleicht zu viel Ballast. Im Stehendschießen verspielte der 28-Jährige aus Schleching dann die Medaille: Birnbacher musste gleich zweimal in die Strafrunde und übergab als Zehnter mit fast eineinhalb Minuten Rückstand an Peiffer.

Wütend warf der Pechvogel die Stöcke in den Schnee. «Er hatte einen totalen Blackout. Es hat halt nicht sollen sein», klagte Ullrich. «Der Andi hatte schon immer Probleme mit der Staffel. Er hatte nie das Selbstvertrauen», sagte Greis. Der Allgäuer brachte nach einer ordentlichen Vorstellung von Peiffer mit einer makellosen Schlussrunde die Staffel noch nach vorn. Greis, in Turin noch der überragende Sportler, stellte fest: «Ich fahre etwas enttäuscht nach Hause.»

 

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