Olympia 2012 in London Doping-Nachtests: Noch einmal 23 positive Proben

Arbeit im Anti-Doping-Labor. Foto: dpa

Erst 31 überführte Sportler bei Olympia 2008 in Peking, nun 23 weitere positive Tests bei den Sommerspielen in London 2012: Auch bei Olympia in der britischen Hauptstadt vor vier Jahren sind mindestens knapp zwei Dutzend Athleten gedopt an den Start gegangen.

 

Frankfurt/Main - Der deutsche Sport begrüßt die Doping-Ermittlungen des Internationalen Olympischen Komitees. "Wir finden es gut, dass die Ergebnisse der Nachtests von Peking und London vor Rio öffentlich werden. So können die Athleten, die 2008 und 2012 betrogen haben, nicht in Rio starten", sagte Michael Vesper, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), am Freitag.

Die Ermittlungen seien eine wichtige Nachricht für die sauberen Sportler. "Und sie dient gleichzeitig der Abschreckung und ist eine Warnung an alle Athleten, die betrügen wollen: Sie können sich nicht sicher fühlen, auch wenn sie Mittel nutzen, die noch nicht nachweisbar sind. Sie können auch sehr viel später noch überführt werden. Wir unterstützen diesen bemerkenswerten Schritt des IOC voll und ganz", sagte Vesper.

In allen 55 Fällen handelt es sich zunächst um die A-Probe der Athleten. Bislang sind deutsche Sportler von den Ermittlungen nicht betroffen. Der DOSB hat noch keine Post vom IOC bekommen.

265 Proben, fünf Sportarten, sechs Länder

Erst 31 überführte Sportler bei Olympia 2008 in Peking, nun 23 weitere positive Tests bei den Sommerspielen in London 2012: Auch bei Olympia in der britischen Hauptstadt vor vier Jahren gingen offenbar mindestens knapp zwei Dutzend Athleten gedopt an den Start. Diese müssen nun mit einer Sperre sowie dem Aus für die Spiele in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) rechnen.

Wie das IOC am Freitag mitteilte, seien bei der erneuten Analyse von 265 Proben fünf Sportarten und sechs Länder betroffen. Namen der Sportler nannte das IOC nicht, die Öffnung der B-Proben steht noch aus.

"Die Nachtests zeigen erneut unsere Entschlossenheit im Kampf gegen Doping. Wir wollen keine gedopten Sportler in Rio de Janeiro. Darum handeln wir derzeit so schnell", sagte IOC-Präsident Thomas Bach. Der frühere Fecht-Olympiasieger verwies auch darauf, dass er bereits eine Disziplinar-Kommission einberufen habe, die die volle Macht besitze, alle Entscheidungen im Interesse des IOC zu treffen.

Aufräumen in Russland

Bereits am 17. Mai waren 31 Sportler aus sechs Sportarten und zwölf Ländern bei Nachttests von 454 Proben der Sommerspiele 2008 überführt worden. Diese Zahl wurde am Freitag um eins erhöht, nachdem eine weitere Probe von Peking Unregelmäßigkeiten aufwies.

Lesen Sie hier: 15 russische Medaillengewinner von Sotschi haben gedopt

Am Dienstag hatte das russische Olympia-Komitee ROC erklärt, dass von den in Peking überführten Sportlern 14 aus Russland stammen. Davon sollen zehn Medaillengewinner sein, auch prominente Namen wie die London-Olympiasiegerin im Hochsprung, Anna Tschitscherowa.

Russischen Medienberichten zufolge sollen unter den nun unter Verdacht stehenden 23 Sportlern von London drei bis vier russische Athleten sein. Allerdings wurden bisher ohnehin bereits fast ein Dutzend russische London-Starter des Doping überführt und gesperrt.

IAAF entscheidet am 17. Juni

Darunter unter anderem auch die Olympiasieger Sergej Kirdjapkin (Gehen) und Julia Saripowa (Hindernis). Wie viele Athleten insgesamt bei den Nachtests von Peking und London positiv getestet wurden, ist allerdings nicht sicher. Nach Angaben des IOC seien bei einigen Sportlern sowohl Proben von Peking als auch von London untersucht worden.

Allen Sportlern droht der Ausschluss von den Spielen in Rio. Mit ersten Sperren wird Anfang Juni gerechnet. Das IOC hatte bei den Nachkontrollen den Fokus auf Athleten gelegt, die noch in Rio an den Start gehen könnten. Vor allem vor dem Hintergrund der weiteren wichtigen Entscheidungen vor Rio wären weitere Dopingfälle in Russland ein erneuter Rückschlag für die Sport-Großmacht.

Voraussichtlich am 17. Juni entscheidet der Weltverband IAAF in Wien über den Olympiastart der russischen Leichtathleten. Diese sind derzeit weiterhin suspendiert und dürfen in Rio nur antreten, wenn die IAAF den russischen Verband RUSAF wieder aufnimmt.

Über 100 Dopingproben ausgetauscht?

Die Chancen dafür sind allerdings in den vergangenen Wochen gesunken - vor allem wegen der massiven Vorwürfe gegen Russland bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014. Dort sollen nach Angaben des damaligen Leiters des Anti-Doping-Labors, Gregori Rodtschenkow, unter Mithilfe des Geheimdienstes angeblich über 100 Dopingproben russischer Athleten, darunter 15 Medaillengewinner, ausgetauscht worden sein.

Am Donnerstag vergangener Woche berief die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) Richard McLaren zum Chef der Untersuchungskommission. McLaren war bereits Teil des Komitees, das das organisierte Doping in der russischen Leichtathletik aufdeckte. Erste Ergebnisse soll es Mitte Juli geben.

Selbst IOC-Präsident Thomas Bach schloss ein gesamten Ausschluss Russlands in Rio zuletzt nicht aus.

 

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