Öko-Produkte im Supermarkt Geht Bio wirklich billig?

Wer auf Bioqualität achtet, wird auch im Supermarkt fündig. Foto: Daniel Karmann/dpa

Die Branche floriert, auch Supermärkte bieten immer mehr Öko-Produkte an. Experten sehen das zwiegespalten.

 

Als der Discounter Lidl im Herbst sein Bio-Sortiment auf Bioland-Qualität umgestellt hat, war die Überraschung groß: Der erste Billiganbieter verkauft seither Lebensmittel mit dem strengen Siegel des Anbauverbands, das sogar über die EU-Kriterien für den ökologischen Landbau hinausgeht. Aber verträgt sich die Niedrigpreis-Strategie der Discounter mit den Bio-Idealen von einer nachhaltigen, umweltschonenden Produktion?

Tatsache ist: Die Deutschen kaufen immer mehr Bio-Produkte, die Branche floriert. Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) meldet vor dem heutigen Beginn der Biofach-Messe in Nürnberg für das vergangene Jahr einen Branchenumsatz von insgesamt 3,46 Milliarden Euro – ein Plus im Vergleich zum Vorjahr von 5,2 Prozent.

Ähnlich gewachsen sein dürfte das Geschäft von Deutschlands Ökolandbau-Betrieben. Sie erwirtschafteten nach Angaben des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) 2017 erstmals mehr als zehn Milliarden Euro. "Immer mehr Kunden entscheiden sich an der Ladenkasse für immer mehr Bio", bilanziert der Verband.

"Wir müssen in die Breite gehen" - Bio-Waren als Massenprodukt

Der Wandel der Bio-Waren vom Nischen- zum Massenprodukt wird von manch einem Branchenvertreter durchaus gerne gesehen.

"Wir müssen in die Breite gehen, wenn wir das bewirken wollen, wofür wir angetreten sind", sagt BÖLW-Vorsitzender Felix Prinz zu Löwenstein. Der ökologische Landbau dürfe nicht als ein Nischenprojekt begriffen werden. Immer mehr Bauern stellten auf Ökolandbau um. Da sei es positiv, wenn im Handel mehr Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln entstehe. Mit größeren Produktionsmengen sänken dann auch die Preise. Eine existenzielle Bedrohung für den klassischen Naturkosthandel sieht er nicht.

Die Naturkosthändler hätten weiter eine Zukunft, weil sie dem Kunden eine größere Produktauswahl und eine bessere Beratung böten.

Befürchtung: Zu starker Preisdruck für Bauern bei Biolebensmitteln

Der Lebensmittel-Blogger Peer Schader sieht das Mitmischen von Discountern beim Bio-Trend als Herausforderung für reine Bio-Märkte: "Es ist ein deutliches Signal an den Bio-Fachhandel, endlich die Scheuklappen abzulegen." Noch könnten die Biomärkte mit einer größeren Auswahl punkten. Es dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis auch dieser Vorteil von der Konkurrenz gekapert werde.

Elke Röder, BNN-Verbandschefin, sieht die Entwicklung dagegen eher kritisch. Zwar würden die Verbraucher für das Thema Nachhaltigkeit und umweltverträgliche Produktion sensibilisiert, andererseits werde aber auch das falsche Signal gesendet, dass Bio billig sei und Lebensmittel einen beliebig senkbaren Preis hätten.

Es könnte ein gegenteiliger Effekt entstehen: Auf der einen Seite kämen laut Röder mehr Biolebensmittel in den klassischen Handel. Auf der anderen Seite werde der Preiswettbewerb verstärkt und die Bauern würden noch stärker unter Druck gesetzt, so dass sie nicht auf Pestizide und Nitratdünger verzichten könnten. Dies gehe dann zu Lasten des Grundwassers und der Biovielfalt in der Natur – Gemeinschaftsgüter, die die Kunden mit ihrem Bio-Einkauf eigentlich schützen wollten.

Was diese Bio- und Öko-Siegel bedeuten

  1. Das blaue Bio-Siegel vergibt das bayerische Ernährungsministerium für Bio-Lebensmittel, bei denen alle verarbeiteten Rohstoffe aus dem Freistaat stammen.
  2. Für das EU-Siegel müssen alle Zutaten aus ökologischem Landbau stammen – bis zu einem Anteil von fünf Prozent können aber nicht-ökologische Zutaten verwendet werden.
  3. Öko-Siegel, so erklärt der Bund Naturschutz, tragen Produkte, die nach noch höheren Standards im Bereich Tier- und Naturschutz hergestellt werden. "Die EU-Vorschriften sind die ‚Basis‘, die eingehalten werden muss, um ein Produkt überhaupt mit Bio kennzeichnen zu dürfen. Die Richtlinien der Anbauverbände gehen zum Teil in einigen Punkten über die Regelungen der EU-Rechtsvorschriften hinaus", räumt das Bundeslandwirtschaftsministerium ein.

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