Oberlöwe im AZ-Interview 1860-Präsident Cassalette: "1860 ist sein Baby"

Zwei, die sich bestens verstehen: Löwen-Präsident Peter Cassalette (l.) und Investor Hasan Ismaik. Foto: sampics/Augenklick

Löwen-Präsident Peter Cassalette spricht in der AZ über die Investitionspläne von Hasan Ismaik – und die Gerüchte um Ian Arye als neuen Löwen-Boss: „Das kann ich weder bestätigen noch dementieren“

 

München - AZ-Präsident Peter Cassalette spricht im AZ-interview über Investor Hasan Ismaik und den potenziellen neuen Geschäftsführer.

AZ: Herr Cassalette, das 0:2 gegen Hannover 96 hat den Wiesn-Besuch der Löwen ja ganz schön verhagelt.

PETER CASSALETTE: Ja, leider. Gegen Hannover kannst du immer verlieren. Die haben auch auf der Bank noch Bundesligaspieler sitzen. Aber es ist immer die Frage der Art und Weise – und die war schon ein bisschen enttäuschend.
Investor Hasan Ismaik soll Sie nach dem Spiel angerufen haben.

Ja, Hasan schreibt mir normalerweise nur eine SMS nach dem Spiel, diesmal hat er angerufen. Er war sehr überrascht, dass da doch so ein großer Unterschied besteht zwischen 96 und 1860 und hat gefragt: „Was ist da passiert?“ Das konnte ich natürlich auch nicht beantworten, da muss er Spieler und Trainer fragen.

"Kein Grund für Panikmache"

1860 ist auf Platz elf abgerutscht, man liegt nur noch drei Punkte vor einem Abstiegsplatz. Wann werden Sie nervös?

Es gibt keinen Grund, Panikmache zu betreiben. Selbst dann nicht, wenn wir kommenden Sonntag in Würzburg verlieren.
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Danach folgen Düsseldorf daheim und das Auswärtsspiel in Stuttgart.

Die nächsten Spiele werden auch keine Selbstläufer – wie kein einziges in der Zweiten Liga. Natürlich sollten wir zwischendurch mal wieder punkten. Mancher Fan hat vielleicht gedacht, es geht schon ganz nach oben. Aber nochmal: Wir haben nicht den Anspruch, um schon in diesem Jahr um den Aufstieg mitzuspielen.

Fragt sich, welche Ansprüche Ismaik hat: In einem Interview hat er kürzlich seine ambitionierten Träume erläutert, während die Profis in der unteren Hälfte der Zweiten Liga herumkrebsen.

Hasan will, dass wir weiterkommen. In den nächsten zwei, drei Jahren aufzusteigen und irgendwann wieder internationalen Fußball zu spielen. Das ist doch vollkommen legitim. Wenn er sagen würde, in fünf Jahren will er den Aufstieg schaffen, würde ich antworten: Da hätte ich mir mehr erwartet.

"Bei 1860 brauchst du Visionen"

Sein erklärtes Ziel, in einigen Jahren in der Champions League zu spielen, ist dafür umso weiter hergeholt.

Das klingt im jetzigen Moment sehr weit weg, aber: Bei 1860 brauchst du Visionen. Anhand derer macht man Pläne und versucht, diese Zielsetzungen irgendwann zu erreichen. Er hat ja auch nicht gesagt: Übernächstes Jahr spielen wir in der Königsklasse. Das wäre absurd. Ansonsten ist mir persönlich jemand lieber, der große Ziele hat.

Und einen großen Geldbeutel: Ismaik hat 100 bis 200 Millionen Euro versprochen, sollte die 50+1-Regel fallen.

Ich kann nachvollziehen, dass Hasan das möchte. Es gibt genügend andere Investoren in deutschen Vereinen, die das auch wollen: Bei Hannover ist Herr Kind am Ruder, beim HSV ist es Herr Kühne. Und dann kommt Ewald Lienen und sagt, wir haben uns abhängig gemacht? Er ist damals von 1860 weggegangen, weil ihm ein griechischer Klub ein Angebot gemacht hat (Olympiakos Piräus, d. Red) – ein Verein mit einem Investor! Es ist doch fernab der Wirklichkeit, zu denken, dass Geldgeber keinen Einfluss haben.
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Die Entscheidungshoheit im deutschen Profifußball dürfte aber auf absehbare Zeit weiter beim Verein bleiben.

Unser Hauptgesellschafter kennt die Situation und weiß, dass sich diese nicht so schnell ändern wird. Unter diesen Voraussetzungen engagiert er sich trotzdem, wie er jüngst bewiesen hat. In welchem Umfang das weitergeht, muss man sehen. Donnerstag haben wir zusammen wieder einen Termin mit OB Dieter Reiter, um über die Erweiterung des Grundstücks in Riem fürs neue Stadion zu sprechen. 1860 ist jetzt Hasans Baby. Ich finde es gut, dass er emotional an den Verein gebunden ist, nachdem das Verhältnis früher auch von Misstrauen geprägt war.
 

"Wenn man große Ziele hat, braucht man auch große Namen"

Er beabsichtigt außerdem, einen neuen Geschäftsführer „von einem Weltverein“ bis zum Jahreswechsel an die Löwen zu binden. Was können Sie uns über darüber sagen?

Der Name bleibt noch ein paar Wochen geheim, weil der Mann erstmal alles mit seinem Verein klären muss. Aber es sind Absichtserklärungen von beiden Seiten vorhanden. Thomas Eichin und ich habe ihn schon kennengelernt. Wir wissen, wer da kommen soll und sind happy damit. Es ist Fakt, dass es sich um einen ausgewiesenen Fachmann von einem der weltbesten Klubs handelt. Davon können wir nur profitieren. Wenn man große Ziele hat, braucht man auch große Namen.

Handelt es sich möglicherweise um Ian Ayre, der aktuell noch Vorstandsvorsitzender des FC Liverpool ist, den verein aber verlassen wird?

Das kann ich weder bestätigen noch dementieren. Als Nächstes kommen dann die Bosse von Real oder Atlético Madrid. Da können jetzt noch 20 Namen folgen und wir werden keinen Kommentar dazu abgeben.

 

 

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