Nur für Einheimische Fünf-Seen-Land: Kein Wohnraum mehr für Münchner?

Der Ort Weßling. Er bietet das, wovon viele träumen: ein beschauliches Landleben mit See sowie S-Bahnanschluss nach München. Foto: Wikipedia

In Seefeld und Weßling sehen die neusten Pläne der Ortsentwicklung nur Wohnraum für Einheimische vor, heißt es aus dem Gemeinderat.

 

Seefeld - Im nicht weit von München entfernten Fünf-Seen-Land wollen einige Gemeinden keine Nachverdichtungen mehr für Münchner. Dem Druck der Boomtown München will man künftig widerstehen.

Denn Platz zum Wohnen gibt es in der Landeshauptstadt nach wie vor nicht. Im Gegenteil: Die Mieten steigen weiter. Längst ist die Wohnungsnot nicht mehr auf die Landeshauptstadt beschränkt, sondern auch das Umland betroffen.

Weßling: "Nachverdichtung ja, aber nicht für Münchner"

Jährlich würde laut Prognosen die Bevölkerungsdichte mit etwa 20.000 Menschen in den nächsten 20 Jahren den Druck auf München und seinen Speckgürtel mit dann 3,2 Millionen Einwohnern erhöhen.

Doch nicht bei uns, tönt es nun mancherorts aus dem Landkreis Starnberg, wie beispielsweise aus Seefeld. "Wir werden uns dem Druck nicht beugen und keine neuen Wohngebiete für weitere Neubürger ausweisen", war die politische Hinterlassenschaft des nach 30 Dienstjahren im Mai ausgeschiedenen Bürgermeisters von Seefeld, Wolfram Gum (CSU). Einzig bestehende Grundstücke dürften verdichtet werden, um beispielsweise Kindern von Einheimischen neuen Wohnraum zu verschaffen.

Nicht anders ist die Stimmung in der Nachbargemeinde Weßling. "Nachverdichtung ja, aber nicht für Münchner", heißt es hier. Den Gemeinderäten lagen Pläne zur möglichen Innenraumverdichtung vor.

"Vor zwei Jahren waren wir noch ländliche Region, doch jetzt hat auch uns der Münchner Gürtel erreicht", erklärt auf AZ-Nachfrage Bürgermeister Michael Sturm (FW). Die Auswirkungen des Siedlungsdrucks hätten sich in der letzten Bauausschuss-Sitzung gezeigt.

"Dort hatten wir 63 Wohnungen für Neubürger genehmigt. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, dass sich Einheimische so etwas leisten können." Deswegen will Gemeinderat Rasso von Rebay (FW) den Riegel vorschieben und keine "Nachverdichtung für Münchner machen." Wenn überhaupt, dann nur für Einheimische, die im Ort bleiben, soll der Architekt und gebürtiger Münchner gesagt haben.

Andrang in Weßling durch gute Anbindung nach München

Sein Eindruck sei, so Sturm als neuer Rathauschef, "dass sich immer mehr Wohlhabende Grundstücke für Einfamilienhäuser in seiner Gemeinde kaufen. Das sei "schade für Einheimische und bitter für Jugendliche", die wegziehen müssten.

Zu erklären sei der "immense Druck" auf Weßling auch damit, dass die Anbindung nach München deutlich verbessert wurde. "In 35 Minuten bin ich am Hauptbahnhof", so Sturm.

Ihm ist auch klar, dass München allein den Zuzug nicht abdecken könne. Das sei auch im Neubaugebiet von Freiham mit bis zu 30.000 Menschen nicht zu schaffen. Damit werde die Begehrlichkeit, ins nähere Umland zu ziehen, noch steigen.

"Schon jetzt spüren wir im Fünf-Seen-Land an Wochenenden den Naherholungsdruck deutlich", so Sturm. "Jedes Mal bricht das Chaos aus". Man brauche nun Firmen, die das Parken noch besser überwachen würden und "Autos dann auch abschleppen lassen."

Tegernsee: Hier gab's Streit um Ausflügler

Mitte März gab es auch am Tegernsee einen Eklat um Münchner, dort allerdings wegen Ausflüglern. Der Tegernseer Bürgermeister hatte gefordert, die Menschen sollten in ihren Landkreisen bleiben. Dies zielte vor allem auf Tagesausflügler ab, die den Tegernsee bevölkerten, statt nur "unbedingt notwendige Fahrten" zu unternehmen.

Hotelbetreiber Korbinian Kohler sagte damals zur AZ, das sei "verheerend" gewesen. Viele Münchner habe dies "sehr verletzt". Er hängte daraufhin Plakate auf: "We like Münchner, in guten wie in schlechten Zeiten." Die Städter seien sehr willkommen. Mitte Juni überfluteten Ausflügler dann wieder den Tegernsee. Brückentag.

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