Nummer 3 der Welt Tennis am Aumeister: Kick it like Murray

Der eingesprungene Murray: Der Schotte überzeugt aber auch als Fußballer. Foto: imago

Andy Murray, die Nummer drei der Tenniswelt, schlägt nächste Woche bei den BMW Open in München auf - und outet sich vorab schon mal als Bayern-Fan.

 

München - Als Andy Murray elf war, musste er sich entscheiden: Fußball oder Tennis. Wie das ausging, ist bekannt: Der Schotte gewann zwei Grand Slams, ist Olympiasieger und hat bislang 36 Millionen Dollar Preisgeld verdient – mit Tennis. Dass er auch ein guter Kicker geworden wäre, war bei der BBC zu sehen. Die drückte diversen Sportlern einen Tennisball in die Hand und fragte: Wie oft kannst du den hochhalten? Alan Shearer schaffte es sechs Mal, Carlos Valderrama neun, Clarence Seedorf 18 Mal. Und Murray? Schaffte im ersten Versuch 78.

Nun tritt er erstmals bei den BMW Open an, freut sich „sehr auf München“ und fände es „großartig, wenn ich dort ein Bayern-Spiel anschauen könnte“. Die Nummer drei der Tennis-Welt beim MTTC Iphitos: Das gab’s lange nicht mehr. „Bestimmt seit 15 Jahren nicht“, sagt Patrik Kühnen, der seit 2008 Turnierdirektor ist. Entsprechend stolz ist er. „Wir sind total happy, dass Murray kommt. Das ist fantastisch für das Turnier“, schwärmt Kühnen, der seit eineinhalb Jahren in Dubai lebt.

Wie er geschafft hat, Murray an den Aumeisterweg zu lotsen? Die BMW Open sind schließlich nur ein 250er-Turnier, finanziell Lichtjahre entfernt von den Grand Slams. Kühnen: „Ich kenne Murrays Manager gut: Ugo Colombini. Der spielte früher mit mir auf der ATP-Tour. Bei den US Open habe ich ihn angesprochen, und jetzt hat sich tatsächlich ein Fenster aufgetan.“ Wie teuer dieses Fenster war, behält Kühnen für sich.

Die BWM Open sind Murrays erstes Turnier nach der Hochzeit. In seiner Heimat Dunblane heiratete er vor zwei Wochen Kim Sears, die er 2005 kennenlernte. Ihr Vater ist Tennistrainer Nigel Sears, der auch Ana Ivanovic coachte. Ob Kim mit nach München kommt, ist noch unklar, sagt Kühnen. Lustig wäre das, erlangte sie bei den Australian Open doch jüngst eine gewisse Prominenz, als sie Tomas Berdych, den Gegner ihres Lieblings, mit ein paar F-Wörtern bedachte.

Im richtigen Leben malt sie Hunde und Pferde, twittert unter dem Namen ihres Border Terriers Maggie May, liebt Cowboyhüte und die Natur und wäre im nächsten Leben gern Countrysängerin – also durchaus eine Bereicherung für die Tribüne am Aumeisterweg.

Für ihren Gatten gilt das sowieso. „Murray hat die letzten acht Monate enorm stark gespielt“, schwärmt Kühnen, „er war nach seiner Rücken-OP bis auf Platz zwölf zurück gefallen, hat sich wieder auf drei vorgekämpft, zuletzt knapp gegen Djokovic verloren. Murray ist einer der vier Großen der letzten Jahre – und einer für die nächsten Jahre.“

Dabei hatte das Leben in jungen Jahren eine harte Prüfung für ihn parat: Als Neunjähriger musste er erleben, wie ein Amokläufer 16 Erstklässler und eine Lehrerin erschoss – eine Erfahrung, die ihm lange zu schaffen machte. Die Eltern trennten sich früh, Mutter Judy, die Tochter des Profi-Kickers Roy Erskine und spätere Teamchefin des britischen Fed-Cup-Teams, wurde sein Coach, bis er mit 15 nach Spanien zog, um noch professioneller zu trainieren. Mit seinem ein Jahr älteren Bruder Jamie, einem Doppel-Spezialisten, gewann er 2010 und 2011 die ATP-Turniere von Tokio und Valencia.

Jetzt also München. Murrays Jahresbilanz: 21 Siege, fünf Niederlagen. Mit Gael Monfils, Roberto Batista Agut, Ivo Karlovic und Lokalmatador Philipp Kohlschreiber hat er starke Konkurrenz. „Ich muss mein bestes Tennis spielen, um hier ins Finale zu kommen“, weiß Murray.

Es wird ihm beim Iphitos an nichts fehlen, dafür sorgt Patrik Kühnen mit seinem Team. Ein Ticket für die Allianz Arena ist sicher auch drin: entweder am Dienstag zum Bayern-Spiel gegen Dortmund oder am Wochenende darauf zu den Löwen gegen Union Berlin. Letzteres könnte knapp werden: Das Löwen-Spiel beginnt am Sonntag um 13.30 Uhr, das Finale der BMW Open zweieinhalb Stunden früher...

 

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