Nürnbergs Neuer Trainer beim FCN: Versuchsballon Wiesinger

Zuletzt Coach der Nürnberger Zweiten in der Regionalliga Bayern: Michael Wiesinger (40) ist zusammen mit Armin Reutershahn neuer Trainer des 1. FC Nürnberg. Foto: imago Foto: Patrick Strasser

Der Ex-Profi, der auch bei Bayern und 1860 aktiv war, übernimmt den Club nach Heckings Übersiedlung nach Wolfsburg – gemeinsam mit dem bisherigen Co-Trainer Armin Reutershahn

 

NÜRNBERG Trotz des neuen Jobs bleibt Michael Wiesinger heute noch daheim. Für die Feier mit großer Verwandtschaft in der Nähe von Burghausen sei schließlich „alles geplant”, sagte der neue Trainer des 1. FC Nürnberg, der heute neben der Beförderung zum Chef-Coach seinen 40. Geburtstag feiert – turbulente Tage im Hause Wiesinger.

Nach dem Wechsel von Dieter Hecking zum VfL Wolfsburg hatte sich Club-Boss Martin Bader kurz vor Heiligabend rasch nach dem Prinzip „Doppelt hält besser” entschieden: Wiesinger und Armin Reutershahn, vorher einer von zwei Co-Trainern, sind die neuen Chefs am Valznerweiher. „Solch eine Beförderung ist eine Bestätigung der geleisteten Arbeit in den vergangenen eineinhalb Jahren”, freute sich Wiesinger über das vorgezogene Weihnachtsgeschenk. Der Ex-Profi hatte zuvor die Nürnberger Zweite trainiert, aktuell liegt das Team auf Rang 5 der Regionalliga. Reutershahn dagegen ist der geborene Co, übte diesen Job 22 Jahre lang aus, vor Nürnberg schon in Frankfurt (’04-’09), beim HSV (’97-’04) und bei Bayer Uerdingen (’91-’97).

Den Nürnbergern dient dabei Bayer Leverkusen mit Sami Hyypiä und Sascha Lewandowski als Doppelspitze als Vorbild. „Aus meiner Sicht ist das eine ideale Kombination”, sagte Bader. Vor dem Team sind beide gleichberechtigt, für die Medien wird eher Wiesinger Ansprechpartner sein. Umstellungsprobleme befürchtet man nicht. Die vergangenen drei Jahre unter Hecking seien schließlich „keine One-Man-Show” gewesen, meinte Reutershahn, „alle Dinge wurden gemeinsam besprochen und meist im Konsens entschieden”. Die zwei neuen Chefs wollen deshalb auch nicht viel verändern: „Wir haben unter Dieter Hecking gearbeitet, seine Philosophie mitgetragen, insofern ist es logisch, dass wir nicht alles herumdrehen und in eine andere Richtung gehen werden”, sagte Wiesinger. Baders Vertrauen reicht erstmal bis Saisonende, es ist ein Versuchsballon.

Erfahrung im Profi-Geschäft bringen beide mit. Reutershahn blickt auf 570 Spiele als Co-Trainer zurück. Wiesinger spielte ähnlich wie Manni Schwabl, heute Unterhaching-Präsident, für Bayerns große Drei: Nürnberg (’93-’99), TSV 1860 (’90-’91 und ’01-’04) und den FC Bayern (’99-’01). Seine nominell größten Erfolge: zwei Meisterschaften und den Champions-League-Triumph 2001 mit Bayern, den er jedoch nur als Ersatzspieler erlebte; auch bei 1860 wurde er nie richtig glücklich. Sein Klub war immer der Club, der vom Valznerweiher. „Es ist eine Riesenchance und etwas ganz Besonderes, für den Verein, in dem ich groß geworden bin, arbeiten zu können”, sagte Wiesinger: „Ich bin sicher, mit einer funktionierenden Mannschaft in der Rückrunde erfolgreich zu sein und die Ziele des FCN erreichen zu können.”

Dass ein eher jüngerer Trainer Nürnberg übernimmt, ist indes nichts Neues. Thomas von Heesen konnte 2008 die Erwartungen jedoch nicht erfüllen, stieg aus der Bundesliga ab, warf dann nach zwei Zweitliga-Spieltagen hin. Michael Oenning schaffte als dessen Nachfolger zwar den Wiederaufstieg, blieb in der ersten Liga aber nur bis Dezember im Amt – dann übernahm Hecking, für genau drei Jahre.

Aktuell steht der Club auf Platz 14, mit immerhin acht Zählern Vorsprung auf den Relegationsplatz. Genug? „Die Mannschaft liegt nicht in Trümmern, sie finden keinen Scherbenhaufen vor”, sagte Bader. Oder, wie es Hecking zum Abschied formulierte: „Ein sinkendes Schiff hätte ich bestimmt nicht verlassen.” 

 

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