Nürnberger Tiergarten Millionengrab Delfin-Lagune: Probleme schon viel länger bekannt?

Ein Gutachter untersucht die Tiefenstruktur des Betons in der Delfinlagune des Nürnberger Tiergartens. Foto: Catherine Simon/dpa

Das Delfinbecken im Nürnberger Tiergarten ist ein Millionengrab. Jetzt kommt heraus: Die Probleme mit der Fuge sollen längst bekannt gewesen sein.

 

Nürnberg - Bleibt die Stadt Nürnberg auf den Millionen sitzen, die die Sanierung der maroden Delfin-Lagune im Tiergarten verschlingt? Ein Fass ohne Boden ist die an Baupfusch leidende Attraktion schon jetzt.

Eine Kostenexplosion, von der öffentliche Großprojekte gern begleitet werden, hat auch die Delfin-Lagune mitgemacht. Von ursprünglich knapp zehn geplanten Millionen kletterten die Kosten nach Angaben der Stadt bis zur Inbetriebnahme auf 32.

Kostenexplosion bei Nürnberger Delfin-Lagune

Doch damit nicht genug: Im mittelfristigen Investitionsplan hat die Stadt sechs weitere Millionen Euro für die Sanierung eingeplant. So viel Geld ist nach Einschätzung von Experten für die aufwendige Reparatur der undichten Fuge rings um die Beckenlandschaft notwendig. Der poröse Mörtel, der für die Fuge verwendet wurde, ist undicht und sorgte dafür, dass innerhalb weniger Tage Millionen Liter Salzwasser unkontrolliert austraten .

Die Tierschutzorganisation Peta hat in diesem Fall Strafanzeige wegen Umweltverschmutzung gestellt, am Ende erhielt ein Mitarbeiter des Planungsbüros einen 5.000-Euro-Strafbefehl. Zu den Akten, die in diesem Strafverfahren eine Rolle spielen und auch in den bei Gericht anhängigen zivilrechtlichen Auseinandersetzungen gehört eine Aussage der Leiterin des Lagune-Projekts. Die leitende Mitarbeiterin der Stadt stellt den bisher bekannten Sachverhalt auf den Kopf. Ihren Angaben zufolge stand das Desaster schon Wochen vor der Eröffnung Ende Juli 2011 fest. Von einem Arbeiter sei sie Anfang des Monats mit den Worten "Ihre Lagune hat ein Leck" begrüßt worden.

Eine riesige Überraschung dürfte diese Ansage für sie nicht gewesen sein – und auch nicht für alle anderen am Bau beteiligten Stellen. Vertreter der Stadt, des Architekturbüros, des Tiergartens und der beteiligten Firmen trafen sich seit dem Baubeginn der Lagune allmonatlich, um Fragen und Probleme zu besprechen.

"Ihre Lagune hat ein Leck" - Probleme wohl schon länger bekannt

Ein Thema, das nach Aussage der Projektleiterin bereits 2009 auf drei Sitzungen von ihr angesprochen worden sei, sei die Fuge beziehungsweise das ungeeignete Material zum Verfugen gewesen. Sie habe auch entsprechende Aktenvermerke angefertigt und an vorgesetzte Dienststellen verschickt. Doch irgendwann sei dieses Thema bei den Verantwortlichen untergegangen. Die Stadt könnte diese "Mitwisserschaft" teuer zu stehen kommen. Zu Einzelheiten der Klage wollten sich weder die Stadt noch der Anwalt der Architekten äußern.

Der Tiergarten selbst ist den Beiträgen auf seiner Internetseite zufolge von der Lagune begeistert. Nur mit der Realität nimmt man es nicht so genau. 24 Millionen Baukosten – die gab es nur in der Planungsphase.

 

1 Kommentar

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading